Zypern
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Zypern (Vergrößerung)
Zypern,
Republik, drittgrößte Insel im Mittelmeer,
liegt etwa 100 Kilometer westlich von Syrien und rund 70 Kilometer südlich
der Türkei.
Die
Insel hat eine maximale Ausdehnung von 224 Kilometern, gemessen von Kap
Andreas im Nordosten bis zum westlichen Küstenabschnitt. Zwischen Kap Gata im Süden
und Kap Kormakitis im Norden erreicht sie eine Breite von bis zu 97 Kilometern.
Das Land umfasst 9 251 Quadratkilometer. Hauptstadt und größte Stadt
Zyperns ist Nicosia.
Seit 1974 ist der nördliche Teil (3 355 Quadratkilometer) von türkischen
Truppen besetzt; das Gebiet bildet einen eigenständigen, offiziell jedoch nicht
anerkannten Staat, der zur „Türkischen Republik Nordzypern" erklärt
wurde.
Physische Geographie
Zypern
hat eine Küstenlinie von circa 650 Kilometern und umfasst verschiedene
Naturräume. Landschaftlich geprägt wird es von zwei Gebirgszügen und einer
dazwischen liegenden Ebene. Im Nordosten verengt sich die Insel zur Halbinsel
Karpasia (Karpas), die weit nach Osten, in Richtung der syrischen Küste,
vorspringt. Weite Teile des Landes nimmt die Messaria (griechisch: zwischen den
Bergen) ein; sie ist eine fruchtbare Ebene und stellt das Hauptanbau- und
-siedlungsgebiet der Insel dar. Sie erstreckt sich von der West- bis zur Ostküste
und wird im Norden und Süden von Gebirgsketten begrenzt. Im Norden erhebt sich
die Kette des Kyrenia-Gebirges (bis zu 1 019 Meter hoch), das parallel
zur Küste verläuft und teilweise bis an das Meer reicht. Das Troodos-Gebirge
nimmt fast den gesamten südwestlichen Teil der Insel ein. Diese Gebirgskette,
die mit dem Olympos (1 951 Meter) die höchste Erhebung der Insel
umfasst, ist vulkanischen Ursprungs.
Flüsse und Seen
Viele
Flüsse Zyperns führen nicht das ganze Jahr über Wasser. Im Frühjahr leiten
einige Flussläufe die von den Winterregen herrührenden Wassermassen in die
Messaria-Ebene, fallen aber im Sommer und Herbst trocken. Der Pedias ist mit 100 Kilometern
der längste Fluss. Auf der Insel befinden sich einige Süßwasserseen und zwei
größere Salzwasserseen.
Klima
Auf
Zypern herrscht mediterranes Klima, das im Vergleich zu anderen Inseln im
Mittelmeer jedoch stärker kontinental geprägt ist. Die Temperaturunterschiede
im Jahresverlauf sind relativ hoch. Die Sommer sind überwiegend heiß und
trocken, während die Winter vor allem in höheren Lagen kalt und schneereich
sein können. Die jährliche Durchschnittstemperatur liegt bei 20,6 °C. In
der Hauptstadt Nicosia liegen die Mitteltemperaturen im Januar bei 10 °C,
im Juli bei 28,5 °C. Während im Sommer die aus östlichen Richtungen
vorherrschenden Winde zu ausgeprägter Trockenheit führen, sind die Winter bei
überwiegenden Westwinden meist ausgesprochen feucht. Mit etwa 1 000 Millimetern
Jahresniederschlag stellen die Hochlagen der Gebirge die niederschlagsreichsten
Gebiete der Insel dar.
Flora und Fauna
Ungefähr
ein Siebtel der Landesfläche ist von Wäldern bedeckt; dominierende Baumarten
sind Kiefern, Zypressen und Zedern. Weitere Baumarten sind Platanen, Eichen, Öl-
und Johannisbrotbäume sowie Wacholder. Zur Aufforstung wurden großflächig
Aleppokiefern angepflanzt. Die Wälder befinden sich vorwiegend in den
Gebirgsregionen. Macchie
und Garigue sind die am weitesten verbreiteten Pflanzengesellschaften der Hügelländer.
Teile der Halbinsel Karpasia sind nahezu vegetationsfrei.
Das
bekannteste frei lebende Säugetier ist das selten gewordene Mufflon,
ein Wildschaf. In den Wäldern sind Hase, Kaninchen, Eichhörnchen, Rotfuchs und
Marder verbreitet. Die Insel weist eine große Vielfalt an Vogelarten auf. Zu
den Greifvögeln gehören Kaiseradler, Habichtsadler, Wanderfalke, Sperber,
Merlin und Gänsegeier. Auf Zypern verbreitete Hühnervögel sind Wachtel und
Chukarhuhn. Zudem lassen sich Limikolen wie Regenpfeifer, Säbelschnäbler und
Waldschnepfen beobachten. Die Insel ist Rastplatz für zahlreiche Zugvogelarten;
an den Salzseen überwintern Rosaflamingos.
Bevölkerung
Die
Gesamtbevölkerung der griechischen und türkischen Gebiete umfasst 759 048 Einwohner
(2000). Zypern hat eine Bevölkerungsdichte von 82 Einwohnern pro
Quadratkilometer. 84 Prozent der Einwohner sind griechischsprachige
Zyprioten, circa 13 Prozent der Einwohner sind türkischer Abstammung. Der
Rest der Bevölkerung setzt sich aus Armeniern und Angehörigen anderer
ethnischer Gruppen zusammen. Sowohl die griechischen wie auch die türkischen
Volksgruppen haben ihre Lebensart und ihre nationale Identität bewahrt. Im
Anschluss an die Besetzung Nordzyperns durch türkische Truppen wanderten viele
griechische Zyprioten in den Süden der Insel ab. Dies führte zu beinahe vollständig
voneinander getrennten Siedlungsgebieten der beiden Bevölkerungsgruppen: Die
Griechen bewohnen im Süden der Insel etwa zwei Drittel der Gesamtfläche, die Türken
den nördlichen Teil. Dort wurden auch mehrere tausend Türken angesiedelt, die
vorher auf dem türkischen Festland, vor allem in Anatolien, gelebt hatten. Die
medizinische Versorgung ist in beiden Teilen des Landes ausreichend. Das jährliche
Bevölkerungswachstum beträgt etwa 0,65 Prozent (2000). Die mittlere
Lebenserwartung liegt bei 77,4 Jahren (2000).
Größte
Stadt ist die geteilte Hauptstadt Nicosia mit 194 000 Einwohnern
(1997); davon leben circa 44 000 im türkischen Teil. Limassol
(152 900), Larnaca (68 000) und Famagusta
(20 516) sind die größten Hafenstädte des Landes.
Sprache
Die
Amtssprachen Zyperns sind Neugriechisch
und Türkisch.
Sprachwissenschaftler vertreten die Auffassung, dass das zypriotische
Griechisch, obwohl es mit dem auf dem Festland gesprochenen Griechisch verwandt
ist, dem Altgriechischen näher steht als andere moderne griechische Dialekte.
Religion
Der
griechische Teil der Bevölkerung gehört der zypriotischen Kirche an, deren
Glaubensauffassungen mit der der griechisch-orthodoxen
Kirche identisch ist. Der Erzbischof (Bischof von Nicosia) und die drei
Bischöfe der zypriotischen Kirche werden von den Kirchenmitgliedern gewählt.
Die türkische Minderheit gehört überwiegend dem Islam
an, vor allem der sunnitischen
Richtung. Insgesamt 80 Prozent der Zyprer sind orthodoxe Christen, 19 Prozent
bekennen sich zum Islam. Weitere kleine religiöse Gruppen bilden die Maroniten
(arabische Christen), Katholiken
und Juden.
Bildungswesen
Die
griechischsprachige und die türkischsprachige Volksgruppe haben jeweils ihr
eigenes Bildungssystem. Das griechisch-zypriotische Bildungswesen untersteht dem
Ministerium für Bildung. Die allgemeine Schulpflicht umfasst 9 Jahre
(1998). Der Besuch einer Volksschule ist gebührenfrei; im Anschluss daran haben
die Schüler die Möglichkeit, eine weiterführende Schule zu besuchen. Das südliche
Zypern besitzt eine Universität in Nicosia (Lehrbetrieb seit 1990), technische
Schulen, Berufsschulen und Lehrerbildungsanstalten.
Die
türkisch-zypriotischen Bildungseinrichtungen werden von der Türkischen
Republik Nordzypern verwaltet. Es gibt vier Universitäten, die größte
befindet sich in Famagusta. Aufgrund der systematischen Förderung des
Bildungssektors haben beide Volksgruppen einen hohen Alphabetisierungsgrad; er
liegt bei etwa 96,9 Prozent (2000).
Kultureinrichtungen
Beispiele
zypriotischer Volkskunst, die sich aus der traditionellen griechischen Kunst
entwickelte, finden sich im Volkskundemuseum (1950) in Nicosia. Das
Zypern-Museum (1883) in Nicosia besitzt eine Sammlung altertümlicher Werkzeuge.
Wertvolle Funde bezeugen die jahrtausendealte Kultur der Insel. In den Museen
von Paphos, Larnaca und Limassol sind weitere sehenswerte Sammlungen
ausgestellt.
Medien
Im
griechischen Teil werden zwei Radiosender der Regierung von der Zypriotischen
Rundfunkgesellschaft betrieben; Fernsehen gibt es seit 1957. Im türkischen Teil
können die Programme der Radio- und Fernsehgesellschaft Bayrak empfangen
werden.
V.
Verwaltung und Politik
Nach
der formell noch gültigen Verfassung von 1960 ist Zypern eine Präsidialdemokratie.
Faktisch besteht Zypern seit der türkischen Intervention von 1974 aus zwei
verschiedenen Teilstaaten, die politisch voneinander unabhängig sind: Aus dem
griechisch-zypriotischen Teil, dessen Regierung mit ihrem Anspruch, ganz Zypern
zu repräsentieren, international anerkannt wird, und der Türkischen Republik
Nordzypern, die allein von der Türkei anerkannt wird. Nationalfeiertag ist der
1. Oktober, an dem die Erlangung der Unabhängigkeit von Großbritannien im
Jahr 1960 gefeiert wird.
Exekutive und Legislative
Nach
der Verfassung von 1960 liegt die Exekutive in erster Linie beim
griechisch-zypriotischen Präsidenten, der von der griechischen Bevölkerung für
fünf Jahre gewählt wird. Er ernennt als Chef der Exekutive die Minister. Die
Verfassung fordert, dass das türkisch-zypriotische Volk den Vizepräsidenten wählt.
Die griechisch-zypriotische Regierung verfolgt, so weit es möglich ist, weiter
die Ziele der Verfassung von 1960. Die Legislative wird von den 56 Abgeordneten
des Parlaments ausgeübt, deren Amtszeit fünf Jahre beträgt. Die für die türkischen
Zyprer vorgesehenen 24 Sitze sind unbesetzt.
Seit
Mitte der siebziger Jahre haben die türkischen Zyprioten ihre eigene Regierung
und wählen nach der Verfassung der Türkischen Republik Nordzypern von 1985
mittels Direktwahl für fünf Jahre einen Präsidenten. Die gesetzgebende Gewalt
liegt beim 50 Sitze umfassenden Parlament; eine Legislaturperiode dauert fünf
Jahre.
Judikative
Nach
den 1964 eingeführten Reformen steht der Oberste Gerichtshof an der Spitze des
griechisch-zypriotischen Gerichtswesens, dem Schwurgerichte und Bezirksgerichte
untergeordnet sind. Das zypriotische Rechtswesen basiert in seinen Grundzügen
auf dem englischen Common law. Für das Eherecht sind sieben Kirchengerichte der
griechisch-orthodoxen Kirche zuständig. Seit 1975 haben beide Landesteile ein
selbständiges Justiz- und Verwaltungssystem. Im türkischen Teil Zyperns
fungiert ein Oberster Gerichtshof als Verfassungs-, Appellations- und
Verwaltungsgericht.
Kommunalverwaltung
Zypern
gliedert sich in sechs Distrikte (im türkischen Norden zwei, im griechischen Süden
vier). Die großen Städte werden von städtischen Gesellschaften verwaltet,
kleinere von Kommissionen, die sich aus einem Oberhaupt (mukhtar) und
einem Ältestenrat (azas) zusammensetzen.
Politische Parteien
Die
wichtigsten Parteien in der Republik Zypern sind die Demokratische
Sammlungsbewegung (DISY), die Prokommunistische Fortschrittspartei des werktätigen
Volkes (AKEL), die Demokratische Partei (DIKO), die Sozialistische Demokratische
Union (EDEK) und die Vereinigten Demokraten (EDE).
Die
bedeutendsten Parteien in der Türkischen Republik Nordzypern sind die Nationale
Einheitspartei (UBP), die Demokratische Partei (DP), die Republikanische Türkische
Partei (CTP) und die Kommunale Befreiungspartei (TKP).
Verteidigung
Die
beiden Teilstaaten besitzen eigene Streitkräfte. Die griechisch-zypriotische
Armee hat eine Stärke von etwa 10 000 Mann (1998), die einen
Wehrdienst von 26 Monaten ableisten; zudem gibt es eine 3 700 Mann
starke Polizeitruppe. Im türkisch-zyprischen Teil sind ungefähr 35 000 türkische
Soldaten stationiert, die regulären Truppen umfassen etwa 4 000 Mann.
Die Wehrpflicht dieser Streikräfte beträgt 24 Monate. Die Vereinten
Nationen entsandten 1963 zur Überwachung der Demarkationslinie Friedenstruppen
nach Zypern. Mittlerweile sind etwa 1 200 UN-Soldaten auf Zypern
stationiert.
Wirtschaft
Nach
der Invasion durch türkische Truppen im Jahr 1974 kam die zypriotische
Wirtschaft nahezu zum Erliegen. Die landwirtschaftlich wichtigsten Regionen im
Norden mit den Getreide- und Kartoffelanbaugebieten, Fremdenverkehrszentren wie
Famagusta, gleichzeitig der bedeutendste Hafen, und Kyrenia sowie ein beträchtlicher
Teil der Industrieanlagen kamen dadurch in türkische Hand. Trotz dieser
Standortbenachteiligung, einer hohen Arbeitslosenrate wegen der vielen Flüchtlinge
aus dem Norden und den Kriegsschäden erlebte die Wirtschaft Südzyperns einen
überraschend schnellen Aufschwung; das Wirtschaftsleben hatte sich bereits zu
Beginn der achtziger Jahre weitgehend normalisiert.
Nach
der Teilung Zyperns in einen türkischen Norden und einen griechischen Süden
erlebte auch Nordzypern einen wirtschaftlichen Niedergang. Da etwa 200 000 Menschen
in den Süden geflüchtet waren (ungefähr 45 000 türkische Zyprer kamen
in den Norden), fehlten Fachkräfte, um die industrielle Produktion
aufrechtzuerhalten und die Dienstleistungen in den Fremdenverkehrsorten zu gewährleisten.
Da die Türkische Republik Nordzypern aus politischen Gründen weltweit nicht
anerkannt und daher wirtschaftlich boykottiert wird, konnte sich die Wirtschaft
des Landes nicht erholen. Aufgrund der wirtschaftlichen Abhängigkeit von der Türkei
und der politischen Isolation ist die wirtschaftliche Lage der Türkischen
Republik Nordzypern auch heute noch schwierig.
Das
Bruttoinlandsprodukt (BIP) Zyperns (einschließlich Nordzypern) beträgt; 8 994 Millionen
US-Dollar (1998; Dienstleistungen 71,7 Prozent, Industrie 23,2 Prozent,
Landwirtschaft 5,1 Prozent); daraus errechnen sich ein BIP pro Einwohner
von 11 940 US-Dollar und eine Wachstumsrate von 4,10 Prozent
(1990-1998). Die Staatsverschuldung liegt bei 991 Millionen Zypern-Pfund
(1996), die Inflationsrate bei 3,70 Prozent (1990-1998). 11 Prozent
der Erwerbstätigen sind in der Landwirtschaft beschäftigt, 25 Prozent in
der Industrie und 63 Prozent im Dienstleistungssektor (1995).
Landwirtschaft
Noch
immer ist die Landwirtschaft ein wichtiger Wirtschaftszweig des Landes.
Hauptanbaugebiet ist die zentrale Ebene mit ihren fruchtbaren Böden, die künstlich
bewässert werden. Im Gebirge sind bei hohen Niederschlägen die Böden der
hochgelegenen ebenen Flächen meist vernässt und nur bedingt für eine
agrarische Nutzung geeignet. An den Hängen sind die Böden häufig flachgründig
und steinig. Die Mehrzahl der Parzellen ist klein, und die meisten Ackerflächen
werden nach einfachsten Methoden bearbeitet. 10,5 Prozent der Gesamtfläche
werden als Ackerland genutzt. Die wichtigsten Anbauprodukte sind Gemüse,
Kartoffeln, Wein (vor allem im Süden), Zitrusfrüchte, Gerste, Weizen,
Johannisbrot, Oliven, Erdnüsse, Tabak sowie Obst. Der Ertrag an Getreide und
Oliven reicht nicht aus, den eigenen Bedarf zu decken. Die Viehzucht spielt eine
bedeutende Rolle: Neben Schafen und Ziegen werden Schweine, Rinder, Esel,
Maultiere und Pferde gezüchtet.
Bergbau
Kupfer
und Pyrit wurden bereits in vorgeschichtlicher Zeit abgebaut. Zypern war in der
antiken Welt ein wichtiger Kupferlieferant; dieser mineralische Rohstoff ist
nach Zypern benannt (griechisch: Kypros). Heute werden noch Kupfer,
Chrom, Marmor und Ton abgebaut. Insgesamt kommt dem Bergbau jedoch aufgrund der
weitgehend bereits ausgebeuteten Lagerstätten eine immer geringere Bedeutung
zu.
Industrie
Das
produzierende Gewerbe umfasst überwiegend die Verarbeitung von Nahrungsmitteln
und Tabak sowie die Herstellung von Textilien, Bekleidung, chemischen
Erzeugnissen und Lederwaren. Die industrielle Produktion erfolgt sowohl im
griechischen als auch im türkischen Teil Zyperns überwiegend in
Kleinbetrieben.
Währung und Außenhandel
Die
Währung des Landes ist das Zypern-Pfund mit 100 Cents. Sie wird von der
Zentralbank ausgegeben. Die Türkische Lira ist die im nördlichen Zypern gültige
Währung. In beiden Teilen Zyperns ist die Handelsbilanz negativ: Die Ausgaben für
Importe übersteigen die Einnahmen für Exporte. Die Hauptexportgüter des
griechisch-zypriotischen Teils der Insel sind landwirtschaftliche Erzeugnisse
(hauptsächlich Kartoffeln, Tabak, Gemüse, Zitrusfrüchte und Wein) und
verarbeitete Produkte (vor allem Bekleidung). Die bedeutendsten Einfuhrgüter
sind Erdöl, Fahrzeuge, Textilien und Getreide. Großbritannien, Russland,
Libanon und Griechenland sind die wichtigsten Handelspartner. Im türkisch-zypriotischen
Teil werden vorwiegend Agrarprodukte (besonders Zitrusfrüchte) exportiert und
Maschinen, Fahrzeuge und chemische Produkte eingeführt. Die Türkei ist der
wichtigste Handelspartner und Geldgeber; Hauptabnehmer der türkisch-zypriotischen
Exportgüter ist Großbritannien.
Verkehr
Das
Straßennetz Zyperns hat eine Länge von 10 663 Kilometern (1998);
ungefähr die Hälfte davon ist asphaltiert. Es gibt nur sehr wenige Straßenverbindungen
zwischen dem Norden und dem Süden. Das Land hat drei internationale Flughäfen:
in Larnaca und Páphos (griechischer Teil) und in Tymbou (türkischer Teil); der
Flughafen von Nicosia wurde 1974 geschlossen. Die wichtigsten Häfen sind
Larnaca und Limassol im Süden sowie Famagusta und Kyrenia im Norden. Es gibt
keine Eisenbahn auf der Insel.
Tourismus
Bereits
nach der Erlangung der Unabhängigkeit 1960 wurde der Fremdenverkehr gezielt gefördert.
Nach der Teilung 1974 erlebte die Tourismusbranche zunächst einen Einbruch,
erholte sich jedoch im Süden relativ schnell wieder, obwohl die wichtigsten
Fremdenverkehrszentren verloren gegangen waren. Vor allem in Limassol und Lárnaca
entstanden neue Anziehungspunkte. Während sich der Fremdenverkehr im
griechisch-zyprischen Teil zu einer wichtigen Einnahmequelle entwickelte (etwa
40 Prozent des Exportvolumens), spielt er in Nordzypern eine geringere
Rolle. Etwa 80 Prozent der Touristen kommen hier vom türkischen Festland
und bringen daher keine Devisen ins Land.
Frühe Geschichte
Aufgrund
von Kupfervorkommen hat es schon zur Bronzezeit (etwa seit 2500 v. Chr.)
Handelsbeziehungen nach Phönizien,
Kreta
und Ägypten
gegeben. Die frühesten schriftlichen Zeugnisse gehen auf die Zeit um 1450 v. Chr.
zurück, als die Ägypter unter Thutmosis' III.
Teile der Insel in Besitz genommen hatten. Die Achäer
besiedelten im Zuge ihrer Kolonienbildung die Insel zwischen 1400 und 1180 v. Chr.
In den nachfolgenden Jahrhunderten gerieten die seit 900 v. Chr. gegründeten
Stadtkönigreiche an der Küste während des 8. Jahrhunderts v. Chr.
unter den Einfluss der Assyrer,
später der Ägypter (um 550 v. Chr.) und Perser (ab 525 v. Chr.).
Während
der persischen Herrschaft unternahm König Euagoras I., Herrscher der Stadt
Salamis, den ersten in der Inselgeschichte belegten Versuch, die Stadtstaaten
Zyperns zu vereinigen. 391 v. Chr. führte Euagoras einen Aufstand gegen
die Perser an und ernannte sich zum Herrn der Insel. Kurz nach seinem Tod fiel
Zypern jedoch wieder an Persien zurück.
Während
der folgenden 1 000 Jahre nahmen immer wieder andere Großmächte von
der Insel Besitz. Alexander
der Große eroberte Zypern 333 v. Chr. Nach seinem Tod 323 v. Chr.
fiel die Insel wieder von 294 bis 58 v. Chr. an das ptolemäische Ägypten.
Danach annektierte Rom Zypern bis 390 n. Chr. Es folgten die Byzantiner,
die zahlreiche arabische Überfälle (ab 632) abwehren mussten. 1191 wurde
Zypern von den Truppen Richards I.
von England erobert, der die Herrschaft über die Insel an Guido von Lusignan übergab,
den nominellen König von Jerusalem. Unter der Lusignan-Dynastie wurden
zahlreiche Kreuzritterfestungen gebaut. 1489 konnte sich Venedig gegenüber
Genua im Streit um die Insel durchsetzen und herrschte bis 1571, als die Osmanen
nach Zypern kamen und bis 1878 die Oberherrschaft behielten. Da die Türkei im Russisch-Türkischen
Krieg von 1877/78 eine Niederlage erlitten hatte, musste sie die Insel räumen.
Aufgrund der Beschlüsse des Berliner Kongresses übernahm Großbritannien treuhänderisch
die Verwaltung von Zypern.
Zypern unter britischer
Verwaltung
Auf
der Grundlage des Ermächtigungsabkommens, das die Türkei und Großbritannien
am 4. Juni 1878 unterzeichnetet hatten, erhielt Großbritannien für eine jährliche
Pacht von circa 500 000 US-Dollar die uneingeschränkte Macht über
Zypern; die Türkei behielt das formelle Eigentumsrecht. Als die Briten 1879 die
Verwaltung übernahmen, wurde ihnen eine Petition vom Erzbischof und der
griechischen Bevölkerung vorgelegt, in der sie die Enosis (Union)
forderten, d. h. den politischen Anschluss Zyperns an das Königreich
Griechenland. London lehnte diese Forderung ab.
Der
Eintritt der Türkei in den 1. Weltkrieg
(1914-1918) an der Seite der Mittelmächte hatte zur Folge, dass Großbritannien
den Vertrag von 1878 im November 1914 annullierte und Zypern annektierte. Im Frieden
von Lausanne (1923) erkannte die Türkei die britische Annexion Zyperns an,
und zwei Jahre später wurde die Insel britische Kronkolonie.
1931
führte die Unzufriedenheit über die britische Mandatsmacht zu schweren
antibritischen Unruhen, die von den Briten niedergeschlagen wurden. Großbritannien
löste den gesetzgebenden Rat auf und verbot alle politischen Parteien. Nach dem
Ende des 2. Weltkrieges
(1945) erhob erneut die Unabhängigkeitsbestrebung Enosis ihre
Forderungen auf Selbständigkeit. Die Mandatsmacht verabschiedete 1946 eine
Verfassungsreform, die zur Selbstverwaltung Zyperns führen sollte. Inzwischen
hatten auch die populäre Fortschrittspartei des werktätigen Volkes AKEL (Anorthotikon
Komma Ergazomenou Laou) und seit 1948 auch der Bischof Mihail Muskos, der spätere
Makarios III.,
der Enosis-Bewegung ihre volle Unterstützung zugesichert. Im Januar 1950
lehnten die Briten das von ihm geforderte Plebiszit über die Enosis ab.
In einer Volksbefragung, die die Kirche durchführte, stimmten jedoch 95,7 Prozent
der griechischen Zyprioten für eine Union mit Griechenland.
Im
Oktober 1950 wurde Bischof Muskos als Makarios III. Erzbischof von Zypern.
Er war Anführer der Enosis, die mit Terrorakten ihres militärischen Arms, der
griechisch-nationalistischen Widerstandsbewegung EOKA (Ethniki Organosis
Kypriakou Agonos), gegen die Briten kämpfte. Seit 1953 war es zu
regelrechten Gefechten gekommen. Im August 1954 bemühte sich Griechenland
erfolglos darum, die Zypern-Frage vor die Vollversammlung der UN (United
Nations: Vereinte Nationen) zu bringen. Die Türkei machte immer wieder
deutlich, dass sie einem Zusammenschluss von Zypern und Griechenland nicht
zustimmen werde und beharrte auf seinen Gebietsansprüchen. Anfang 1956
verbannte die britische Regierung Erzbischof Makarios und den Bischof von
Kyrenia ins Exil auf die Seychellen. Auf Zypern wurde der Notstand ausgerufen.
Anfang 1957 setzte sich die Vollversammlung der UN für Verhandlungen ein. Die
EOKA forderte als Vorbedingung die Freilassung der Kirchenmänner. Der
Erzbischof wurde zwar freigelassen, doch er konnte nicht nach Zypern zurückkehren.
Unabhängigkeit von Großbritannien
Ein
von Großbritannien, Griechenland und der Türkei in Zürich geschlossener
Vertrag (1959) führte zu einer Einigung über die allgemeine Form der
Verfassung einer unabhängigen Republik Zypern. Großbritannien behielt die
Oberhoheit über zwei militärische Stützpunkte. Erzbischof Makarios, der am 1. März
nach Zypern zurückkehrte, wurde am 13. Dezember zum Staatspräsidenten gewählt;
Fazil Küçük, ein türkischer Zypriote, wurde Vizepräsident. Am 16. August
1960 proklamierte der Staatspräsident die Unabhängigkeit Zyperns, das in die
UN und den Commonwealth
of Nations aufgenommen wurde.
Im
Dezember 1963 kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen der
griechischen und türkischen Volksgruppe, nachdem Makarios eine Verfassungsänderung
durchführen wollte, in der das Vetorecht der türkischen Minderheit eingeschränkt
werden sollte. Während die türkische Volksgruppe die Teilung des Landes
forderte, hielten die griechischen Zyprioten an einem ungeteilten Staat fest.
Die Gewaltakte arteten in bürgerkriegsähnliche Kämpfe, es kam zu regelrechten
Pogromen gegen die türkische Minderheit. Griechenland als auch die Türkei
drohten mit Interventionen, britische Truppen versuchten die Kämpfe zu
unterbinden. Die UN entsandte eine Friedenstruppe (UNIFICP), die die Insel
kontrollieren sollte. Am 10. August 1964 wurde eine UN-Resolution, die den
Waffenstillstand forderte, angenommen. Damit endeten die Kämpfe zwischen den
verfeindeten Gruppen. Die Insel war aber faktisch durch die so genannte Green
Line zwischen griechischen und türkischen Gebieten geteilt. Die UN bemühte
sich erfolglos um eine Lösung des Konflikts.
Makarios
wurde 1968 und 1973 in seinem Amt bestätigt. Anfang der siebziger Jahre nahmen
die Spannungen zwischen den Volksgruppen wieder zu und führten zum Putsch vom
15. Juli 1974. Makarios wurde von Mitgliedern der zypriotischen
Nationalgarde seines Amtes enthoben. Die Nationalgarde, die enge Verbindungen
zur griechischen Regierung hatte, setzte Nikos Sampson, den ehemaligen radikalen
Führer der EOKA-Kampforganisation, der für das brutale Vorgehen gegen die türkische
Minderheit 1963 verantwortlich war, als neuen Präsidenten ein. Sampson wurde
jedoch am 23. Juli von Glafkos
Klerides, dem Präsidenten des zypriotischen Abgeordnetenhauses, abgelöst,
nachdem türkische Truppen am 20. Juli auf der Insel gelandet waren. Ende
August hatten die Türken nach schweren Kämpfen das nördliche Drittel der
Insel unter ihre Kontrolle gebracht. Im Dezember kehrte Makarios nach Zypern zurück
und übernahm erneut das Präsidentenamt. Am 13. Februar 1975 wurde im türkisch
besetzten Teil ein halbautonomer „Türkischer Föderationsstaat Zypern"
ausgerufen. In den 1975 unter UN-Schirmherrschaft geführten Gesprächen wurde
auf einen Föderationsstaat mit griechischen und türkischen Zonen
hingearbeitet. Die griechischen Bewohner Zyperns bestanden nach wie vor auf eine
zentrale Regierung für den gesamten Staat, die Bewohner des türkischen Teils
verlangten einen eigenen gleichberechtigten Staat.
Nach
dem Tod von Makarios (1977) wurde Spyros Kyprianou sein Nachfolger, der im
Februar 1983 wieder gewählt wurde. Rauf
R. Denktasch der türkisch-zypriotische Präsident, erklärte im
November 1983 den Norden der Insel als „Türkische Republik Nordzypern"
einseitig für unabhängig, die aber international nur von der Türkei anerkannt
wurde.
George
Vassiliou setzte sich in den Präsidentschaftswahlen von 1988 gegen Klerides und
Kyprianou durch. 1991 nahm die UN eine Resolution an, die auf die Gründung
eines Föderationsstaates aus zwei politisch gleichgestellten Sektoren drängte.
Die Präsidentschaftswahlen von 1993 verlor Vassiliou gegen Klerides, den
Kandidaten der konservativen Demokratischen Sammlungsbewegung. Bei den
Parlamentswahlen vom Mai 1996 konnte sich die konservative Regierungskoalition
mit knapper Mehrheit durchsetzen. Stärkste Partei wurde die von Staats- und
Regierungschef Klerides geführte Demokratische Sammlungsbewegung (DISY) vor der
oppositionellen Fortschrittspartei (AKEL).
Beide
Inselteile bleiben weiterhin voneinander getrennt. Der gesamte Außenhandel
Nordzyperns muss über die Türkei abgewickelt werden. Lediglich Diplomaten, das
Personal der Vereinten Nationen und manche ausländische Geschäftsleute dürfen
die Grenze überqueren. Im August 1996 kam es an der Grenze zwischen beiden
Teilen Zyperns zu Zwischenfällen, nachdem griechisch-zypriotische Demonstranten
in die von den Vereinten Nationen kontrollierte Pufferzone vorgedrungen waren.
Dabei wurden zwei griechische Zyprioten von türkischen Streitkräften
erschossen. Die Vorfälle führten zu verschärften Spannungen auch zwischen den
Regierungen in Athen und Ankara. Im Februar 1998 wurde Klerides im Präsidentenamt
bestätigt. Im März 1998 nahm die Europäische
Union (EU) offiziell Beitrittsverhandlungen mit Zypern auf; Zypern hatte
bereits 1990 sein Beitrittsgesuch zur EU gestellt.
Aus
den im Dezember 1998 abgehaltenen Parlamentswahlen der Türkischen Republik
Nordzypern ging Ministerpräsident Dervis
Eroglu, der Vorsitzende der Nationalen Einheitspartei, als Sieger hervor. Im
Juli 1999 vereinbarten die Türkische Republik Nordzypern und die Türkei die
Bildung einer gemeinsamen Wirtschaftszone.
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