Zypern

  

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Zypern, Republik, drittgrößte Insel im Mittelmeer, liegt etwa 100 Kilometer westlich von Syrien und rund 70 Kilometer südlich der Türkei.

Die Insel hat eine maximale Ausdehnung von 224 Kilometern, gemessen von Kap Andreas im Nordosten bis zum westlichen Küstenabschnitt. Zwischen Kap Gata im Süden und Kap Kormakitis im Norden erreicht sie eine Breite von bis zu 97 Kilometern. Das Land umfasst 9 251 Quadratkilometer. Hauptstadt und größte Stadt Zyperns ist Nicosia. Seit 1974 ist der nördliche Teil (3 355 Quadratkilometer) von türkischen Truppen besetzt; das Gebiet bildet einen eigenständigen, offiziell jedoch nicht anerkannten Staat, der zur „Türkischen Republik Nordzypern" erklärt wurde.

Physische Geographie
Zypern hat eine Küstenlinie von circa 650 Kilometern und umfasst verschiedene Naturräume. Landschaftlich geprägt wird es von zwei Gebirgszügen und einer dazwischen liegenden Ebene. Im Nordosten verengt sich die Insel zur Halbinsel Karpasia (Karpas), die weit nach Osten, in Richtung der syrischen Küste, vorspringt. Weite Teile des Landes nimmt die Messaria (griechisch: zwischen den Bergen) ein; sie ist eine fruchtbare Ebene und stellt das Hauptanbau- und -siedlungsgebiet der Insel dar. Sie erstreckt sich von der West- bis zur Ostküste und wird im Norden und Süden von Gebirgsketten begrenzt. Im Norden erhebt sich die Kette des Kyrenia-Gebirges (bis zu 1 019 Meter hoch), das parallel zur Küste verläuft und teilweise bis an das Meer reicht. Das Troodos-Gebirge nimmt fast den gesamten südwestlichen Teil der Insel ein. Diese Gebirgskette, die mit dem Olympos (1 951 Meter) die höchste Erhebung der Insel umfasst, ist vulkanischen Ursprungs.

Flüsse und Seen
Viele Flüsse Zyperns führen nicht das ganze Jahr über Wasser. Im Frühjahr leiten einige Flussläufe die von den Winterregen herrührenden Wassermassen in die Messaria-Ebene, fallen aber im Sommer und Herbst trocken. Der Pedias ist mit 100 Kilometern der längste Fluss. Auf der Insel befinden sich einige Süßwasserseen und zwei größere Salzwasserseen.

Klima
Auf Zypern herrscht mediterranes Klima, das im Vergleich zu anderen Inseln im Mittelmeer jedoch stärker kontinental geprägt ist. Die Temperaturunterschiede im Jahresverlauf sind relativ hoch. Die Sommer sind überwiegend heiß und trocken, während die Winter vor allem in höheren Lagen kalt und schneereich sein können. Die jährliche Durchschnittstemperatur liegt bei 20,6 °C. In der Hauptstadt Nicosia liegen die Mitteltemperaturen im Januar bei 10 °C, im Juli bei 28,5 °C. Während im Sommer die aus östlichen Richtungen vorherrschenden Winde zu ausgeprägter Trockenheit führen, sind die Winter bei überwiegenden Westwinden meist ausgesprochen feucht. Mit etwa 1 000 Millimetern Jahresniederschlag stellen die Hochlagen der Gebirge die niederschlagsreichsten Gebiete der Insel dar.

Flora und Fauna
Ungefähr ein Siebtel der Landesfläche ist von Wäldern bedeckt; dominierende Baumarten sind Kiefern, Zypressen und Zedern. Weitere Baumarten sind Platanen, Eichen, Öl- und Johannisbrotbäume sowie Wacholder. Zur Aufforstung wurden großflächig Aleppokiefern angepflanzt. Die Wälder befinden sich vorwiegend in den Gebirgsregionen. Macchie und Garigue sind die am weitesten verbreiteten Pflanzengesellschaften der Hügelländer. Teile der Halbinsel Karpasia sind nahezu vegetationsfrei.

Das bekannteste frei lebende Säugetier ist das selten gewordene Mufflon, ein Wildschaf. In den Wäldern sind Hase, Kaninchen, Eichhörnchen, Rotfuchs und Marder verbreitet. Die Insel weist eine große Vielfalt an Vogelarten auf. Zu den Greifvögeln gehören Kaiseradler, Habichtsadler, Wanderfalke, Sperber, Merlin und Gänsegeier. Auf Zypern verbreitete Hühnervögel sind Wachtel und Chukarhuhn. Zudem lassen sich Limikolen wie Regenpfeifer, Säbelschnäbler und Waldschnepfen beobachten. Die Insel ist Rastplatz für zahlreiche Zugvogelarten; an den Salzseen überwintern Rosaflamingos.

Bevölkerung
Die Gesamtbevölkerung der griechischen und türkischen Gebiete umfasst 759 048 Einwohner (2000). Zypern hat eine Bevölkerungsdichte von 82 Einwohnern pro Quadratkilometer. 84 Prozent der Einwohner sind griechischsprachige Zyprioten, circa 13 Prozent der Einwohner sind türkischer Abstammung. Der Rest der Bevölkerung setzt sich aus Armeniern und Angehörigen anderer ethnischer Gruppen zusammen. Sowohl die griechischen wie auch die türkischen Volksgruppen haben ihre Lebensart und ihre nationale Identität bewahrt. Im Anschluss an die Besetzung Nordzyperns durch türkische Truppen wanderten viele griechische Zyprioten in den Süden der Insel ab. Dies führte zu beinahe vollständig voneinander getrennten Siedlungsgebieten der beiden Bevölkerungsgruppen: Die Griechen bewohnen im Süden der Insel etwa zwei Drittel der Gesamtfläche, die Türken den nördlichen Teil. Dort wurden auch mehrere tausend Türken angesiedelt, die vorher auf dem türkischen Festland, vor allem in Anatolien, gelebt hatten. Die medizinische Versorgung ist in beiden Teilen des Landes ausreichend. Das jährliche Bevölkerungswachstum beträgt etwa 0,65 Prozent (2000). Die mittlere Lebenserwartung liegt bei 77,4 Jahren (2000).

Größte Stadt ist die geteilte Hauptstadt Nicosia mit 194 000 Einwohnern (1997); davon leben circa 44 000 im türkischen Teil. Limassol (152 900), Larnaca (68 000) und Famagusta (20 516) sind die größten Hafenstädte des Landes.

Sprache
Die Amtssprachen Zyperns sind Neugriechisch und Türkisch. Sprachwissenschaftler vertreten die Auffassung, dass das zypriotische Griechisch, obwohl es mit dem auf dem Festland gesprochenen Griechisch verwandt ist, dem Altgriechischen näher steht als andere moderne griechische Dialekte.

Religion
Der griechische Teil der Bevölkerung gehört der zypriotischen Kirche an, deren Glaubensauffassungen mit der der griechisch-orthodoxen Kirche identisch ist. Der Erzbischof (Bischof von Nicosia) und die drei Bischöfe der zypriotischen Kirche werden von den Kirchenmitgliedern gewählt. Die türkische Minderheit gehört überwiegend dem Islam an, vor allem der sunnitischen Richtung. Insgesamt 80 Prozent der Zyprer sind orthodoxe Christen, 19 Prozent bekennen sich zum Islam. Weitere kleine religiöse Gruppen bilden die Maroniten (arabische Christen), Katholiken und Juden.

Bildungswesen
Die griechischsprachige und die türkischsprachige Volksgruppe haben jeweils ihr eigenes Bildungssystem. Das griechisch-zypriotische Bildungswesen untersteht dem Ministerium für Bildung. Die allgemeine Schulpflicht umfasst 9 Jahre (1998). Der Besuch einer Volksschule ist gebührenfrei; im Anschluss daran haben die Schüler die Möglichkeit, eine weiterführende Schule zu besuchen. Das südliche Zypern besitzt eine Universität in Nicosia (Lehrbetrieb seit 1990), technische Schulen, Berufsschulen und Lehrerbildungsanstalten.

Die türkisch-zypriotischen Bildungseinrichtungen werden von der Türkischen Republik Nordzypern verwaltet. Es gibt vier Universitäten, die größte befindet sich in Famagusta. Aufgrund der systematischen Förderung des Bildungssektors haben beide Volksgruppen einen hohen Alphabetisierungsgrad; er liegt bei etwa 96,9 Prozent (2000).

Kultureinrichtungen
Beispiele zypriotischer Volkskunst, die sich aus der traditionellen griechischen Kunst entwickelte, finden sich im Volkskundemuseum (1950) in Nicosia. Das Zypern-Museum (1883) in Nicosia besitzt eine Sammlung altertümlicher Werkzeuge. Wertvolle Funde bezeugen die jahrtausendealte Kultur der Insel. In den Museen von Paphos, Larnaca und Limassol sind weitere sehenswerte Sammlungen ausgestellt.

Medien
Im griechischen Teil werden zwei Radiosender der Regierung von der Zypriotischen Rundfunkgesellschaft betrieben; Fernsehen gibt es seit 1957. Im türkischen Teil können die Programme der Radio- und Fernsehgesellschaft Bayrak empfangen werden.

V. Verwaltung und Politik
Nach der formell noch gültigen Verfassung von 1960 ist Zypern eine Präsidialdemokratie. Faktisch besteht Zypern seit der türkischen Intervention von 1974 aus zwei verschiedenen Teilstaaten, die politisch voneinander unabhängig sind: Aus dem griechisch-zypriotischen Teil, dessen Regierung mit ihrem Anspruch, ganz Zypern zu repräsentieren, international anerkannt wird, und der Türkischen Republik Nordzypern, die allein von der Türkei anerkannt wird. Nationalfeiertag ist der 1. Oktober, an dem die Erlangung der Unabhängigkeit von Großbritannien im Jahr 1960 gefeiert wird.

Exekutive und Legislative
Nach der Verfassung von 1960 liegt die Exekutive in erster Linie beim griechisch-zypriotischen Präsidenten, der von der griechischen Bevölkerung für fünf Jahre gewählt wird. Er ernennt als Chef der Exekutive die Minister. Die Verfassung fordert, dass das türkisch-zypriotische Volk den Vizepräsidenten wählt. Die griechisch-zypriotische Regierung verfolgt, so weit es möglich ist, weiter die Ziele der Verfassung von 1960. Die Legislative wird von den 56 Abgeordneten des Parlaments ausgeübt, deren Amtszeit fünf Jahre beträgt. Die für die türkischen Zyprer vorgesehenen 24 Sitze sind unbesetzt.

Seit Mitte der siebziger Jahre haben die türkischen Zyprioten ihre eigene Regierung und wählen nach der Verfassung der Türkischen Republik Nordzypern von 1985 mittels Direktwahl für fünf Jahre einen Präsidenten. Die gesetzgebende Gewalt liegt beim 50 Sitze umfassenden Parlament; eine Legislaturperiode dauert fünf Jahre.

Judikative
Nach den 1964 eingeführten Reformen steht der Oberste Gerichtshof an der Spitze des griechisch-zypriotischen Gerichtswesens, dem Schwurgerichte und Bezirksgerichte untergeordnet sind. Das zypriotische Rechtswesen basiert in seinen Grundzügen auf dem englischen Common law. Für das Eherecht sind sieben Kirchengerichte der griechisch-orthodoxen Kirche zuständig. Seit 1975 haben beide Landesteile ein selbständiges Justiz- und Verwaltungssystem. Im türkischen Teil Zyperns fungiert ein Oberster Gerichtshof als Verfassungs-, Appellations- und Verwaltungsgericht.

Kommunalverwaltung
Zypern gliedert sich in sechs Distrikte (im türkischen Norden zwei, im griechischen Süden vier). Die großen Städte werden von städtischen Gesellschaften verwaltet, kleinere von Kommissionen, die sich aus einem Oberhaupt (mukhtar) und einem Ältestenrat (azas) zusammensetzen.

Politische Parteien
Die wichtigsten Parteien in der Republik Zypern sind die Demokratische Sammlungsbewegung (DISY), die Prokommunistische Fortschrittspartei des werktätigen Volkes (AKEL), die Demokratische Partei (DIKO), die Sozialistische Demokratische Union (EDEK) und die Vereinigten Demokraten (EDE).

Die bedeutendsten Parteien in der Türkischen Republik Nordzypern sind die Nationale Einheitspartei (UBP), die Demokratische Partei (DP), die Republikanische Türkische Partei (CTP) und die Kommunale Befreiungspartei (TKP).

Verteidigung
Die beiden Teilstaaten besitzen eigene Streitkräfte. Die griechisch-zypriotische Armee hat eine Stärke von etwa 10 000 Mann (1998), die einen Wehrdienst von 26 Monaten ableisten; zudem gibt es eine 3 700 Mann starke Polizeitruppe. Im türkisch-zyprischen Teil sind ungefähr 35 000 türkische Soldaten stationiert, die regulären Truppen umfassen etwa 4 000 Mann. Die Wehrpflicht dieser Streikräfte beträgt 24 Monate. Die Vereinten Nationen entsandten 1963 zur Überwachung der Demarkationslinie Friedenstruppen nach Zypern. Mittlerweile sind etwa 1 200 UN-Soldaten auf Zypern stationiert.

Wirtschaft
Nach der Invasion durch türkische Truppen im Jahr 1974 kam die zypriotische Wirtschaft nahezu zum Erliegen. Die landwirtschaftlich wichtigsten Regionen im Norden mit den Getreide- und Kartoffelanbaugebieten, Fremdenverkehrszentren wie Famagusta, gleichzeitig der bedeutendste Hafen, und Kyrenia sowie ein beträchtlicher Teil der Industrieanlagen kamen dadurch in türkische Hand. Trotz dieser Standortbenachteiligung, einer hohen Arbeitslosenrate wegen der vielen Flüchtlinge aus dem Norden und den Kriegsschäden erlebte die Wirtschaft Südzyperns einen überraschend schnellen Aufschwung; das Wirtschaftsleben hatte sich bereits zu Beginn der achtziger Jahre weitgehend normalisiert.

Nach der Teilung Zyperns in einen türkischen Norden und einen griechischen Süden erlebte auch Nordzypern einen wirtschaftlichen Niedergang. Da etwa 200 000 Menschen in den Süden geflüchtet waren (ungefähr 45 000 türkische Zyprer kamen in den Norden), fehlten Fachkräfte, um die industrielle Produktion aufrechtzuerhalten und die Dienstleistungen in den Fremdenverkehrsorten zu gewährleisten. Da die Türkische Republik Nordzypern aus politischen Gründen weltweit nicht anerkannt und daher wirtschaftlich boykottiert wird, konnte sich die Wirtschaft des Landes nicht erholen. Aufgrund der wirtschaftlichen Abhängigkeit von der Türkei und der politischen Isolation ist die wirtschaftliche Lage der Türkischen Republik Nordzypern auch heute noch schwierig.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Zyperns (einschließlich Nordzypern) beträgt; 8 994 Millionen US-Dollar (1998; Dienstleistungen 71,7 Prozent, Industrie 23,2 Prozent, Landwirtschaft 5,1 Prozent); daraus errechnen sich ein BIP pro Einwohner von 11 940 US-Dollar und eine Wachstumsrate von 4,10 Prozent (1990-1998). Die Staatsverschuldung liegt bei 991 Millionen Zypern-Pfund (1996), die Inflationsrate bei 3,70 Prozent (1990-1998). 11 Prozent der Erwerbstätigen sind in der Landwirtschaft beschäftigt, 25 Prozent in der Industrie und 63 Prozent im Dienstleistungssektor (1995).

Landwirtschaft
Noch immer ist die Landwirtschaft ein wichtiger Wirtschaftszweig des Landes. Hauptanbaugebiet ist die zentrale Ebene mit ihren fruchtbaren Böden, die künstlich bewässert werden. Im Gebirge sind bei hohen Niederschlägen die Böden der hochgelegenen ebenen Flächen meist vernässt und nur bedingt für eine agrarische Nutzung geeignet. An den Hängen sind die Böden häufig flachgründig und steinig. Die Mehrzahl der Parzellen ist klein, und die meisten Ackerflächen werden nach einfachsten Methoden bearbeitet. 10,5 Prozent der Gesamtfläche werden als Ackerland genutzt. Die wichtigsten Anbauprodukte sind Gemüse, Kartoffeln, Wein (vor allem im Süden), Zitrusfrüchte, Gerste, Weizen, Johannisbrot, Oliven, Erdnüsse, Tabak sowie Obst. Der Ertrag an Getreide und Oliven reicht nicht aus, den eigenen Bedarf zu decken. Die Viehzucht spielt eine bedeutende Rolle: Neben Schafen und Ziegen werden Schweine, Rinder, Esel, Maultiere und Pferde gezüchtet.

Bergbau
Kupfer und Pyrit wurden bereits in vorgeschichtlicher Zeit abgebaut. Zypern war in der antiken Welt ein wichtiger Kupferlieferant; dieser mineralische Rohstoff ist nach Zypern benannt (griechisch: Kypros). Heute werden noch Kupfer, Chrom, Marmor und Ton abgebaut. Insgesamt kommt dem Bergbau jedoch aufgrund der weitgehend bereits ausgebeuteten Lagerstätten eine immer geringere Bedeutung zu.

Industrie
Das produzierende Gewerbe umfasst überwiegend die Verarbeitung von Nahrungsmitteln und Tabak sowie die Herstellung von Textilien, Bekleidung, chemischen Erzeugnissen und Lederwaren. Die industrielle Produktion erfolgt sowohl im griechischen als auch im türkischen Teil Zyperns überwiegend in Kleinbetrieben.

Währung und Außenhandel
Die Währung des Landes ist das Zypern-Pfund mit 100 Cents. Sie wird von der Zentralbank ausgegeben. Die Türkische Lira ist die im nördlichen Zypern gültige Währung. In beiden Teilen Zyperns ist die Handelsbilanz negativ: Die Ausgaben für Importe übersteigen die Einnahmen für Exporte. Die Hauptexportgüter des griechisch-zypriotischen Teils der Insel sind landwirtschaftliche Erzeugnisse (hauptsächlich Kartoffeln, Tabak, Gemüse, Zitrusfrüchte und Wein) und verarbeitete Produkte (vor allem Bekleidung). Die bedeutendsten Einfuhrgüter sind Erdöl, Fahrzeuge, Textilien und Getreide. Großbritannien, Russland, Libanon und Griechenland sind die wichtigsten Handelspartner. Im türkisch-zypriotischen Teil werden vorwiegend Agrarprodukte (besonders Zitrusfrüchte) exportiert und Maschinen, Fahrzeuge und chemische Produkte eingeführt. Die Türkei ist der wichtigste Handelspartner und Geldgeber; Hauptabnehmer der türkisch-zypriotischen Exportgüter ist Großbritannien.

Verkehr
Das Straßennetz Zyperns hat eine Länge von 10 663 Kilometern (1998); ungefähr die Hälfte davon ist asphaltiert. Es gibt nur sehr wenige Straßenverbindungen zwischen dem Norden und dem Süden. Das Land hat drei internationale Flughäfen: in Larnaca und Páphos (griechischer Teil) und in Tymbou (türkischer Teil); der Flughafen von Nicosia wurde 1974 geschlossen. Die wichtigsten Häfen sind Larnaca und Limassol im Süden sowie Famagusta und Kyrenia im Norden. Es gibt keine Eisenbahn auf der Insel.

Tourismus
Bereits nach der Erlangung der Unabhängigkeit 1960 wurde der Fremdenverkehr gezielt gefördert. Nach der Teilung 1974 erlebte die Tourismusbranche zunächst einen Einbruch, erholte sich jedoch im Süden relativ schnell wieder, obwohl die wichtigsten Fremdenverkehrszentren verloren gegangen waren. Vor allem in Limassol und Lárnaca entstanden neue Anziehungspunkte. Während sich der Fremdenverkehr im griechisch-zyprischen Teil zu einer wichtigen Einnahmequelle entwickelte (etwa 40 Prozent des Exportvolumens), spielt er in Nordzypern eine geringere Rolle. Etwa 80 Prozent der Touristen kommen hier vom türkischen Festland und bringen daher keine Devisen ins Land.

Frühe Geschichte
Aufgrund von Kupfervorkommen hat es schon zur Bronzezeit (etwa seit 2500 v. Chr.) Handelsbeziehungen nach Phönizien, Kreta und Ägypten gegeben. Die frühesten schriftlichen Zeugnisse gehen auf die Zeit um 1450 v. Chr. zurück, als die Ägypter unter Thutmosis' III. Teile der Insel in Besitz genommen hatten. Die Achäer besiedelten im Zuge ihrer Kolonienbildung die Insel zwischen 1400 und 1180 v. Chr. In den nachfolgenden Jahrhunderten gerieten die seit 900 v. Chr. gegründeten Stadtkönigreiche an der Küste während des 8. Jahrhunderts v. Chr. unter den Einfluss der Assyrer, später der Ägypter (um 550 v. Chr.) und Perser (ab 525 v. Chr.).

Während der persischen Herrschaft unternahm König Euagoras I., Herrscher der Stadt Salamis, den ersten in der Inselgeschichte belegten Versuch, die Stadtstaaten Zyperns zu vereinigen. 391 v. Chr. führte Euagoras einen Aufstand gegen die Perser an und ernannte sich zum Herrn der Insel. Kurz nach seinem Tod fiel Zypern jedoch wieder an Persien zurück.

Während der folgenden 1 000 Jahre nahmen immer wieder andere Großmächte von der Insel Besitz. Alexander der Große eroberte Zypern 333 v. Chr. Nach seinem Tod 323 v. Chr. fiel die Insel wieder von 294 bis 58 v. Chr. an das ptolemäische Ägypten. Danach annektierte Rom Zypern bis 390 n. Chr. Es folgten die Byzantiner, die zahlreiche arabische Überfälle (ab 632) abwehren mussten. 1191 wurde Zypern von den Truppen Richards I. von England erobert, der die Herrschaft über die Insel an Guido von Lusignan übergab, den nominellen König von Jerusalem. Unter der Lusignan-Dynastie wurden zahlreiche Kreuzritterfestungen gebaut. 1489 konnte sich Venedig gegenüber Genua im Streit um die Insel durchsetzen und herrschte bis 1571, als die Osmanen nach Zypern kamen und bis 1878 die Oberherrschaft behielten. Da die Türkei im Russisch-Türkischen Krieg von 1877/78 eine Niederlage erlitten hatte, musste sie die Insel räumen. Aufgrund der Beschlüsse des Berliner Kongresses übernahm Großbritannien treuhänderisch die Verwaltung von Zypern.

Zypern unter britischer Verwaltung
Auf der Grundlage des Ermächtigungsabkommens, das die Türkei und Großbritannien am 4. Juni 1878 unterzeichnetet hatten, erhielt Großbritannien für eine jährliche Pacht von circa 500 000 US-Dollar die uneingeschränkte Macht über Zypern; die Türkei behielt das formelle Eigentumsrecht. Als die Briten 1879 die Verwaltung übernahmen, wurde ihnen eine Petition vom Erzbischof und der griechischen Bevölkerung vorgelegt, in der sie die Enosis (Union) forderten, d. h. den politischen Anschluss Zyperns an das Königreich Griechenland. London lehnte diese Forderung ab.

Der Eintritt der Türkei in den 1. Weltkrieg (1914-1918) an der Seite der Mittelmächte hatte zur Folge, dass Großbritannien den Vertrag von 1878 im November 1914 annullierte und Zypern annektierte. Im Frieden von Lausanne (1923) erkannte die Türkei die britische Annexion Zyperns an, und zwei Jahre später wurde die Insel britische Kronkolonie.

1931 führte die Unzufriedenheit über die britische Mandatsmacht zu schweren antibritischen Unruhen, die von den Briten niedergeschlagen wurden. Großbritannien löste den gesetzgebenden Rat auf und verbot alle politischen Parteien. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges (1945) erhob erneut die Unabhängigkeitsbestrebung Enosis ihre Forderungen auf Selbständigkeit. Die Mandatsmacht verabschiedete 1946 eine Verfassungsreform, die zur Selbstverwaltung Zyperns führen sollte. Inzwischen hatten auch die populäre Fortschrittspartei des werktätigen Volkes AKEL (Anorthotikon Komma Ergazomenou Laou) und seit 1948 auch der Bischof Mihail Muskos, der spätere Makarios III., der Enosis-Bewegung ihre volle Unterstützung zugesichert. Im Januar 1950 lehnten die Briten das von ihm geforderte Plebiszit über die Enosis ab. In einer Volksbefragung, die die Kirche durchführte, stimmten jedoch 95,7 Prozent der griechischen Zyprioten für eine Union mit Griechenland.

Im Oktober 1950 wurde Bischof Muskos als Makarios III. Erzbischof von Zypern. Er war Anführer der Enosis, die mit Terrorakten ihres militärischen Arms, der griechisch-nationalistischen Widerstandsbewegung EOKA (Ethniki Organosis Kypriakou Agonos), gegen die Briten kämpfte. Seit 1953 war es zu regelrechten Gefechten gekommen. Im August 1954 bemühte sich Griechenland erfolglos darum, die Zypern-Frage vor die Vollversammlung der UN (United Nations: Vereinte Nationen) zu bringen. Die Türkei machte immer wieder deutlich, dass sie einem Zusammenschluss von Zypern und Griechenland nicht zustimmen werde und beharrte auf seinen Gebietsansprüchen. Anfang 1956 verbannte die britische Regierung Erzbischof Makarios und den Bischof von Kyrenia ins Exil auf die Seychellen. Auf Zypern wurde der Notstand ausgerufen. Anfang 1957 setzte sich die Vollversammlung der UN für Verhandlungen ein. Die EOKA forderte als Vorbedingung die Freilassung der Kirchenmänner. Der Erzbischof wurde zwar freigelassen, doch er konnte nicht nach Zypern zurückkehren.

Unabhängigkeit von Großbritannien
Ein von Großbritannien, Griechenland und der Türkei in Zürich geschlossener Vertrag (1959) führte zu einer Einigung über die allgemeine Form der Verfassung einer unabhängigen Republik Zypern. Großbritannien behielt die Oberhoheit über zwei militärische Stützpunkte. Erzbischof Makarios, der am 1. März nach Zypern zurückkehrte, wurde am 13. Dezember zum Staatspräsidenten gewählt; Fazil Küçük, ein türkischer Zypriote, wurde Vizepräsident. Am 16. August 1960 proklamierte der Staatspräsident die Unabhängigkeit Zyperns, das in die UN und den Commonwealth of Nations aufgenommen wurde.

Im Dezember 1963 kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen der griechischen und türkischen Volksgruppe, nachdem Makarios eine Verfassungsänderung durchführen wollte, in der das Vetorecht der türkischen Minderheit eingeschränkt werden sollte. Während die türkische Volksgruppe die Teilung des Landes forderte, hielten die griechischen Zyprioten an einem ungeteilten Staat fest. Die Gewaltakte arteten in bürgerkriegsähnliche Kämpfe, es kam zu regelrechten Pogromen gegen die türkische Minderheit. Griechenland als auch die Türkei drohten mit Interventionen, britische Truppen versuchten die Kämpfe zu unterbinden. Die UN entsandte eine Friedenstruppe (UNIFICP), die die Insel kontrollieren sollte. Am 10. August 1964 wurde eine UN-Resolution, die den Waffenstillstand forderte, angenommen. Damit endeten die Kämpfe zwischen den verfeindeten Gruppen. Die Insel war aber faktisch durch die so genannte Green Line zwischen griechischen und türkischen Gebieten geteilt. Die UN bemühte sich erfolglos um eine Lösung des Konflikts.

Makarios wurde 1968 und 1973 in seinem Amt bestätigt. Anfang der siebziger Jahre nahmen die Spannungen zwischen den Volksgruppen wieder zu und führten zum Putsch vom 15. Juli 1974. Makarios wurde von Mitgliedern der zypriotischen Nationalgarde seines Amtes enthoben. Die Nationalgarde, die enge Verbindungen zur griechischen Regierung hatte, setzte Nikos Sampson, den ehemaligen radikalen Führer der EOKA-Kampforganisation, der für das brutale Vorgehen gegen die türkische Minderheit 1963 verantwortlich war, als neuen Präsidenten ein. Sampson wurde jedoch am 23. Juli von Glafkos Klerides, dem Präsidenten des zypriotischen Abgeordnetenhauses, abgelöst, nachdem türkische Truppen am 20. Juli auf der Insel gelandet waren. Ende August hatten die Türken nach schweren Kämpfen das nördliche Drittel der Insel unter ihre Kontrolle gebracht. Im Dezember kehrte Makarios nach Zypern zurück und übernahm erneut das Präsidentenamt. Am 13. Februar 1975 wurde im türkisch besetzten Teil ein halbautonomer „Türkischer Föderationsstaat Zypern" ausgerufen. In den 1975 unter UN-Schirmherrschaft geführten Gesprächen wurde auf einen Föderationsstaat mit griechischen und türkischen Zonen hingearbeitet. Die griechischen Bewohner Zyperns bestanden nach wie vor auf eine zentrale Regierung für den gesamten Staat, die Bewohner des türkischen Teils verlangten einen eigenen gleichberechtigten Staat.

Nach dem Tod von Makarios (1977) wurde Spyros Kyprianou sein Nachfolger, der im Februar 1983 wieder gewählt wurde. Rauf R. Denktasch der türkisch-zypriotische Präsident, erklärte im November 1983 den Norden der Insel als „Türkische Republik Nordzypern" einseitig für unabhängig, die aber international nur von der Türkei anerkannt wurde.

George Vassiliou setzte sich in den Präsidentschaftswahlen von 1988 gegen Klerides und Kyprianou durch. 1991 nahm die UN eine Resolution an, die auf die Gründung eines Föderationsstaates aus zwei politisch gleichgestellten Sektoren drängte. Die Präsidentschaftswahlen von 1993 verlor Vassiliou gegen Klerides, den Kandidaten der konservativen Demokratischen Sammlungsbewegung. Bei den Parlamentswahlen vom Mai 1996 konnte sich die konservative Regierungskoalition mit knapper Mehrheit durchsetzen. Stärkste Partei wurde die von Staats- und Regierungschef Klerides geführte Demokratische Sammlungsbewegung (DISY) vor der oppositionellen Fortschrittspartei (AKEL).

Beide Inselteile bleiben weiterhin voneinander getrennt. Der gesamte Außenhandel Nordzyperns muss über die Türkei abgewickelt werden. Lediglich Diplomaten, das Personal der Vereinten Nationen und manche ausländische Geschäftsleute dürfen die Grenze überqueren. Im August 1996 kam es an der Grenze zwischen beiden Teilen Zyperns zu Zwischenfällen, nachdem griechisch-zypriotische Demonstranten in die von den Vereinten Nationen kontrollierte Pufferzone vorgedrungen waren. Dabei wurden zwei griechische Zyprioten von türkischen Streitkräften erschossen. Die Vorfälle führten zu verschärften Spannungen auch zwischen den Regierungen in Athen und Ankara. Im Februar 1998 wurde Klerides im Präsidentenamt bestätigt. Im März 1998 nahm die Europäische Union (EU) offiziell Beitrittsverhandlungen mit Zypern auf; Zypern hatte bereits 1990 sein Beitrittsgesuch zur EU gestellt.

Aus den im Dezember 1998 abgehaltenen Parlamentswahlen der Türkischen Republik Nordzypern ging Ministerpräsident Dervis Eroglu, der Vorsitzende der Nationalen Einheitspartei, als Sieger hervor. Im Juli 1999 vereinbarten die Türkische Republik Nordzypern und die Türkei die Bildung einer gemeinsamen Wirtschaftszone.

"Zypern," Microsoft® Encarta® Online-Enzyklopädie 2001
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