Portugal

Portugal,
amtlich República Portuguesa, Republik im Südwesten Europas, im
Westteil der Iberischen
Halbinsel gelegen, im Norden und Osten begrenzt durch Spanien
und im Süden und Westen durch den Atlantischen
Ozean. Die Azoren
und die Insel Madeira
im Atlantik gehören ebenfalls zu Portugal. Die Gesamtfläche Portugals
einschließlich der Azoren (2 247 Quadratkilometer) und Madeiras (741 Quadratkilometer)
beträgt 92 345 Quadratkilometer. Portugal besaß außerdem in
Ostasien das Überseeterritorium Macao,
das im Dezember 1999 an China zurückgegeben wurde.
Physische Geographie
Portugal
umfasst etwa ein Sechstel der Iberischen Halbinsel. Von Nord nach Süd erstreckt
es sich über etwa 560 Kilometer, die maximale West-Ost-Ausdehnung liegt
bei rund 220 Kilometern. Die Grenzen des Landes folgen auf weiten Strecken
Bergzügen und Flüssen. Die beiden Flüsse Douro
(auf spanischem Gebiet Duero) und Tejo
(in Spanien Tajo genannt) gliedern das Land in einen nördlichen, einen
mittleren und einen südlichen Teil.
Im
Hochland nördlich des Douro (Trás os Montes) werden Höhen um 1 500 Meter
erreicht. Das Kastilische
Scheidegebirge setzt sich nach Westen zwischen beiden Flüssen im
mittelportugiesischen Gebirgsland fort. In der Serra da Estrêla im zentralen
Portugal befindet sich mit 1 991 Metern die höchste Erhebung des
festländischen Portugal. Der Pico Alto auf den Azoren ist mit 2 351 Metern
höchster Gipfel des Landes. Die Region südlich des Tejo wird von den durch Hügelketten
gegliederten Ebenen des Alentejo,
weitem Küstentiefland im Westen und den nach Süden steil abfallenden Küsten
der Algarve
geprägt.
Portugal
wird von mehreren Flüssen durchquert, die in Spanien entspringen und in den
Atlantischen Ozean münden. Der Tejo hat eine Gesamtlänge von 1 007 Kilometern;
sein portugiesischer Anteil beträgt 280 Kilometer. Nahe seiner Mündung
befindet sich die Hauptstadt Lissabon.
Der insgesamt 895 Kilometer lange Douro, an dessen Mündung Porto
liegt, durchfließt Portugal auf einer Länge von 320 Kilometern. Der
Unterlauf des 818 Kilometer langen Guadiana
markiert einen Teil der östlichen Grenze, der 310 Kilometer lange Minho
bildet einen Teil der Nordgrenze zu Spanien.
Klima
Das
Klima variiert stark mit der Höhenlage. Die Temperaturen steigen vom höher
gelegenen Norden des Landes zum stärker mediterran geprägten Süden an. Die
mittlere Jahrestemperatur nördlich des Douro liegt bei rund 10 °C;
zwischen Tejo und Douro beträgt sie etwa 15,6 °C; im Süden werden circa
18,3 °C erreicht. Der Nordwesten des Landes verzeichnet aufgrund häufiger
Steigungsregen Jahresniederschläge von bis zu 3 000 Millimetern; in
den leeseitigen
Gebieten des Osten liegen die Werte zwischen 500 und 1 000 Millimetern;
in den südlichen Landesteilen sinken die Jahresniederschläge auf unter 400 Millimeter.
Flora und Fauna
6,5 Prozent
(1997) des Landes stehen unter Naturschutz. Die Pflanzen- und Tierwelt Portugals
entspricht großenteils derjenigen Spaniens. Die am meisten verbreiteten
Baumarten in den Wäldern des nördlichen und mittleren Portugal sind Laub
werfende Eichenarten und die immergrüne Korkeiche; Letztere bildet auch im Süden
Portugals ausgedehnte Wälder. Im Alentejo wachsen neben Stein- und Korkeichen
vor allem Kiefern, Kastanien, Eukalyptusarten und Ölbäume. Großflächige
Rodungen führten in einigen Regionen zur Entwicklung einer vorwiegend aus Macchie
bestehenden Sekundärvegetation mit Ginster und Heidekrautgewächsen sowie
aromatischen Kräutern wie Zistrosen, Thymian und Lavendel.
Zu
den in Portugal lebenden Raubtieren gehören Wolf, Luchs, Wildkatze, Rotfuchs,
Waschbär und verschiedene Marderarten; bemerkenswert sind insbesondere auch die
beiden Schleichkatzenarten Ginsterkatze
und Ichneumon.
Auffallende Arten der Avifauna (Vogelwelt) sind neben mehreren Adler- und
Geierarten Rosaflamingo, Bienenfresser, Blauracke und Wiedehopf. Zur
Reptilienfauna gehören neben verschiedenen Schlangenspezies (Nattern, Vipern),
Geckos, Agamen,
das Europäische Chamäleon und die bis zu 60 Zentimeter lange
Smaragdeidechse; an den Küsten leben Meeresschildkröten.
Bevölkerung
Die
Einwohnerzahl Portugals einschließlich der Azoren und Madeiras beträgt etwa
9,90 Millionen (2000). Die Bevölkerungsdichte liegt bei 107 Einwohnern
pro Quadratkilometer. Das Land ist ethnisch überaus homogen zusammengesetzt;
etwa 99 Prozent der Bevölkerung sind portugiesische Staatsbürger. Zu den
größten Minderheiten gehören Brasilianer, Afrikaner und Spanier. Die Bevölkerung
lebt überwiegend in ländlichen Gebieten; der Urbanisierungsgrad liegt bei 37 Prozent.
Trotz eines auf Geburtenüberschüssen beruhenden natürlichen Bevölkerungswachstums
stagniert die Einwohnerzahl aufgrund der relativ hohen Auswanderungsquote. Rund
vier Millionen Portugiesen leben im Ausland, der überwiegende Teil davon in
Brasilien.
Der
Lebensstandard der Bevölkerung ist im Vergleich zu anderen Staaten der Europäischen
Union gering. Die medizinische Versorgung ist nicht in allen Landesteilen
ausreichend; häufig gibt es Engpässe bei der Ausstattung mit Medikamenten. Auf
einen Arzt kommen 338 Einwohner.
Wichtige Städte
Lissabon
ist mit 601 180 Einwohnern (1995; 1,90 Millionen in der
Agglomeration) die Hauptstadt und zugleich größte Stadt mit dem wichtigsten
Seehafen Portugals. Weitere bedeutende Städte sind Porto (285 320),
zweitgrößte Stadt mit bedeutendem Seehafen, sowie Coimbra
(74 616), ein wichtiges Industriezentrum.
Sprache und Religion
Die
Amtssprache des Landes ist Portugiesisch.
Abgesehen von Mirandês, das im äußersten Nordosten gesprochen wird, gibt es
keine regionalen Dialekte oder andere Sprachen. Über 94 Prozent der
portugiesischen Bevölkerung sind römisch-katholisch;
die Protestanten
stellen die stärkste religiöse Minderheit. Außerdem leben jeweils mehrere
Tausend Muslime
und Juden
im Land. Die Verfassung gewährt Religionsfreiheit.
Feiertage
Das
Neujahrsfest begehen die Portugiesen am 1. Januar. Zu den Feiertagen gehören
der Fastnachtsdienstag, der Karfreitag, der Ostersonntag und der Tag der Arbeit
am 1. Mai. Der Tag der Freiheit am 25. April erinnert an die
Revolution von 1974. Seit dem Mittelalter ist Fronleichnam
im Mai oder Juni einer der bedeutendsten religiösen Feiertage des Landes.
Portugiesischer Nationalfeiertag ist der Todestag des 1524 geborenen Dichters Luis
de Camões. Am Tag Johannes des Täufers am 24. Juni finden im ganzen
Land Umzüge, Aufführungen, Stierkämpfe und Feuerwerke statt. Am 15. August
feiern die Portugiesen Mariä Himmelfahrt. Der 5. Oktober ist der Tag der
Republik und erinnert an den Tag, als die Republik Portugal ausgerufen wurde. Am
2. November feiern die Menschen Allerseelen (Dia dos Finados), indem
sie ihre Verstorbenen ehren. Portugal erlangte 1640 die Unabhängigkeit von
Spanien. Dieses Ereignis wird am Unabhängigkeitstag am 1. Dezember
festlich begangen. Weitere Feiertage sind der Tag der unbefleckten Empfängnis
am 8. Dezember und Weihnachten am 25. Dezember.
Bildung
und Kultur
Die
portugiesische Kultur ist eng verwandt mit der Kultur Spaniens. Sie wurde durch
römische, westgotische
und maurische
Einflüsse geprägt.
Bildung und Schulwesen
Kinder
zwischen 6 und 15 Jahren sind schulpflichtig, der Schulbesuch ist
kostenlos. Durch gezielte Förderung des Bildungswesens konnte der
Alphabetisierungsgrad von 70 Prozent im Jahr 1980 auf mittlerweile 92,2 Prozent
angehoben werden. In Portugal gibt es 13 Universitäten und Hochschulen,
acht davon befinden sich in Lissabon. Die Universität Coimbra und die Universität
Lissabon wurden im 13. Jahrhundert gegründet und sind damit die ältesten
des Landes.
Kultureinrichtungen
Lissabon
besitzt eine Reihe wichtiger Bibliotheken, darunter die Bibliothek der Akademie
der Wissenschaften, die Ajuda-Bibliothek, die Nationalbibliothek und die
Militärbibliothek. Das Nationalarchiv von Torre do Tombo, ebenfalls in
Lissabon, ist erwähnenswert wegen seiner Sammlung historischer Dokumente aus
dem 9. Jahrhundert. Die Bibliotheken in Porto, Évora,
Braga
und Mafra verwahren viele seltene, alte Bücher und große
Handschriftensammlungen. Zu den Universitäten gehören verschiedene
spezialisierte Bibliotheken.
In
den wichtigen Städten und Gemeinden jedes Distrikts findet man Museen für Archäologie,
Kunst und Ethnographie. Das Kunstmuseum in Coimbra ist bekannt für seine
Sammlung von Skulpturen aus dem 16. Jahrhundert, das Museum in Évora für
seine römischen Skulpturen und Gemälde des 16. Jahrhunderts. Das
Nationalmuseum für Alte Kunst in Lissabon beherbergt dekorative Kunst und Gemälde
aus dem 12. bis 19. Jahrhundert. Ebenfalls in Lissabon befinden sich: das
Nationalmuseum für Zeitgenössische Kunst; das Nationalmuseum für Naturkunde;
das Calouste Gulbenkian Museum mit einer Sammlung von Kunstgegenständen
von 2800 v. Chr. bis ins 20. Jahrhundert sowie das Ethnographische
Museum und das Archäologische Museum.
Kunst und Musik
Einige
der in Portugal gefundenen Kunstrelikte stammen aus prähistorischer Zeit. Dolmen,
alte steinerne Grabkammern, wurden entlang der Atlantikküste entdeckt. Im
Gebiet der Algarve
fand man Gräber aus der Eisenzeit.
Einige der wichtigsten Baudenkmäler des Landes wurden während der römischen
Besatzung der Iberischen Halbinsel (2. Jahrhundert v. Chr. bis 5. Jahrhundert
n. Chr.) errichtet. Der so genannte Tempel der Diana
im Südosten, die Ruinen der Stadt Aeminuium bei Coimbra
an der Westküste sowie die Brücke von Chaves im Nordosten sind herausragende
Beispiele römischer
Architektur. Die anschließende Besetzung durch die Westgoten im 5. Jahrhundert
und durch die Mauren im 8. Jahrhundert kann man an den verschiedenen
Baustilen vieler portugiesischer Gebäude und Kirchen erkennen.
Das
14. Jahrhundert war das goldene Zeitalter portugiesischer Bildhauerei.
In dieser Zeit entstanden so prächtige Denkmäler wie die Gräber der Könige
in Alcobaça. Die Bildhauer der Renaissance
und des Barock
in Portugal schufen ihre schönsten Werke für die Kirche.
Die
portugiesische Volksmusik
schlägt einen Bogen von sehr lebhaften Liedern und Tänzen bis hin zu
leidenschaftlichen Klagegesängen (siehe Fado).
Ähnlich wie andere Musik der Iberischen Halbinsel, spiegelt die portugiesische
Musik drei Haupteinflüsse wider: den der katholischen Kirche, der königlichen Troubadoure
sowie der fahrenden Sänger, die ihre Geschichten überall im Land vortrugen.
Zur
Literatur des Landes siehe portugiesische
Literatur.
Medien
Insgesamt
27 Tageszeitungen haben eine Gesamtauflage von über 740 000. Mehr als
die Hälfte aller Zeitschriften wird in Lissabon verlegt.
Verwaltung und Politik
Portugal
wird gemäß einer Verfassung regiert, die 1976 in Kraft trat und im September
1997 zum letzten Mal geändert wurde. Ursprünglich rief die Verfassung zur
Schaffung eines „klassenlosen"
Staates auf; demgemäß sollten Grund und Boden, Bodenschätze und die
wichtigsten Produktionsmittel in öffentlichem Besitz sein. Diese sozialistische
Passage in der Verfassung wurde 1989 geändert. Streikrecht
und Versammlungsfreiheit
sind garantiert, Zensur
und Todesstrafe
sind verboten.
Exekutive
Portugal
ist eine Republik.
Staatsoberhaupt ist der Staatspräsident, der von der Bevölkerung für eine
Amtszeit von fünf Jahren gewählt wird; einmalige Wiederwahl ist möglich. Der
Präsident ernennt den Premierminister, der als Vorsitzender der Regierung einem
Kabinett mit 17 Ministern vorsteht.
Legislative
Die
Legislative liegt in den Händen des Parlaments, der aus einer Kammer
bestehenden Versammlung der Republik (Assembleia da República). Die 230 Mitglieder
dieser Versammlung werden nach dem Verhältniswahlrecht für eine Amtszeit von
vier Jahren gewählt.
Judikative
Das
Gerichtswesen in Portugal ist dreistufig aufgebaut. An der Spitze der
Gerichtsbarkeit steht der Oberste Gerichtshof, der sich aus einem Präsidenten
und 29 Richtern zusammensetzt. Dieser Instanz untergeordnet sind
Berufungsgerichte sowie Bezirksgerichte.
Kommunalverwaltung
Portugal
ist verwaltungsmäßig in 18 Distrikte unterteilt: Aveiro, Beja,
Braga, Bragança, Castelo Branco, Coimbra, Évora, Faro, Guarda, Leiria,
Lissabon, Portalegre, Porto, Santarém, Setúbal,
Viana do Castelo, Vila Real und Viseu. Die Azoren und Madeira bilden jeweils
eine autonome Region. Die Kommunalverwaltung obliegt den Bezirksgouverneuren und
der Bezirkslegislative. Jeder Bezirk ist weiter untergliedert in Gemeinden, von
denen jede eine gewählte Versammlung und einen Gemeinderat hat.
Politik
Die
führenden politischen Parteien in Portugal sind der Partido Socialista
(PS, Sozialistische Partei), der Partido Social Democrata (PSD,
Sozialdemokratische Partei), der linksgerichtete Coligação Democrático
Unitária (CDU, Vereinigte Volksallianz) und der Partido Popular (PP,
Zentrum).
Verteidigung
Portugal,
ein Mitglied des Nordatlantischen Verteidigungspaktes (NATO), verfügt über
moderne, gut ausgerüstete Streitkräfte. Der Militärdienst ist für einen
Zeitraum von 16 bis 24 Monaten für alle männlichen Staatsbürger Pflicht.
1997 wurde die baldige Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht beschlossen.
Danach soll eine Berufsarmee die Aufgabe zur Verteidigung des Landes erhalten
Wirtschaft
1986
trat Portugal der Europäischen Gemeinschaft (EG) bei. Durch diesen Schritt
erhielt die Wirtschaft des Landes entscheidende Impulse. So stieg beispielsweise
das reale Wirtschaftswachstum im Lauf der Zeit kontinuierlich an und erreicht
seither mit durchschnittlich 2,30 Prozent (1990-1998) stabile Werte. Das
Bruttoinlandsprodukt (BIP) Portugals beträgt 106 697 Millionen
US-Dollar (1998). Davon entfallen 60,9 Prozent auf den
Dienstleistungssektor, 35,2 Prozent auf die Industrie und 3,9 Prozent
auf die Landwirtschaft. Das BIP pro Kopf errechnet sich zu 10 700 US-Dollar.
Die Inflationsrate liegt bei durchschnittlich 5,80 Prozent (1990-1998).
Eine zunehmend bedeutende Einnahmequelle bildet die Tourismusbranche.
Landwirtschaft
Die
Landwirtschaft beschäftigt rund 14 Prozent der Erwerbstätigen und trägt
mit 3,9 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Die wichtigsten Anbauprodukte
sind Kartoffeln, Trauben, Tomaten, Mais, Weizen und Oliven. Portugal ist
weltweit einer der größten Produzenten für Wein und Olivenöl. Der
Viehbestand umfasst einige Millionen Rinder, Schafe, Ziegen, Schweine und Geflügel.
Forstwirtschaft und Fischerei
31,3 Prozent
der Fläche Portugals sind bewaldet. Die Waldbedeckung nimmt im Durchschnitt um
0,86 Prozent pro Jahr zu. Das Land ist einer der größten Korkproduzenten
der Welt. Daneben spielt die Nutzholzgewinnung eine bedeutende Rolle. Auch der
gewerbliche Fischfang (vor allem Sardinen) ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor
Portugals. Die jährliche Fangmenge beläuft sich auf 229 108 Tonnen
(1997). 90 Prozent davon stammen aus dem Ozean.
Bergbau
Portugal
besitzt im Vergleich zu anderen Ländern Europas nur wenige Bodenschätze. Gefördert
werden Kupfer- und Eisenerz, Zinn und Gold sowie Wolframit, ein Ausgangsprodukt
zur Herstellung von Wolfram und wolframhaltigen Stählen. Außerdem gibt es
kleinere Vorkommen von Kohle. In Portugal wird auch Uran abgebaut – mit der Förderung
begann man 1979.
Industrie
Rund
31 Prozent der Beschäftigten sind in der Industrie erwerbstätig.
Bedeutende Industriezweige des Landes sind neben der Textil- und
Bekleidungsindustrie die chemische und Erdöl verarbeitende Industrie sowie der
Maschinenbau und die Fahrzeugmontage. Erzeugnisse der Textil- und
Bekleidungsindustrie werden hauptsächlich in kleinindustriellen oder
handwerklichen Betrieben hergestellt. Die Industriestandorte sind vor allem in
Nord- und Mittelportugal angesiedelt.
Währung und Außenhandel
Landeswährung
ist der Escudo (= 100 Centavos). Portugal wickelt nahezu 80 Prozent
seines Außenhandels mit EU-Mitgliedsstaaten ab. Ein Merkmal des portugiesischen
Außenhandels ist der Importüberschuss. So wurden z. B. 1996 Waren im Wert
von rund 28 Milliarden US-Dollar eingeführt, während in den Export Güter
im Wert von knapp 20 Milliarden US-Dollar gingen. Zu den Haupteinfuhrgütern
gehören neben Basismetallen, elektronischen Produkten und Kraftfahrzeugen
chemische Erzeugnisse, Kunststoffe, Agrarprodukte sowie Textilien und
Bekleidung. Hauptexportwaren sind Textilien, Bekleidung und Schuhe, Maschinen
und Fahrzeuge sowie Kork – das Land stellt den weltweit größten Teil der
Gesamtproduktion an Kork. Außerdem gehen Zellstoff, Holz- und Papierprodukte in
den Export. Die wichtigsten Handelspartner Portugals sind Deutschland, Spanien,
Frankreich, Großbritannien, die Niederlande, Belgien, Luxemburg und Italien.
Portugal nimmt seit 1. Januar 1999 an der Europäischen Währungsunion
teil.
Verkehrswesen
Straßen-
(68 732 Kilometer) und Schienennetz (2 856 Kilometer) sind
gut ausgebaut. Zu den wichtigsten Seehäfen zählen Lissabon, Porto de Leixões,
Setúbal, Aveiro und Funchal (Madeira). Die nationale Luftfahrtgesellschaft
Transportes Aéreos Portugueses (TAP) versieht den inländischen und
internationalen Flugdienst. Über 20 ausländische Fluggesellschaften fliegen
regelmäßig den internationalen Flughafen in Lissabon an. Der Flughafen von
Faro ist insbesondere für den Tourismus von Bedeutung.
Energie
33,46 Prozent
der portugiesischen Elektrizität werden in Wasserkraftanlagen erzeugt, 63,14 Prozent
liefern Wärmekraftwerke und Solaranlagen.
Geschichte
Um
137 v. Chr. eroberten die Römer nach jahrelangen Kriegen gegen die
einheimischen Lusitanier das Gebiet des heutigen Portugals; vollends unter ihre
Kontrolle brachten sie das Gebiet jedoch erst mit der Einrichtung der Provinz Lusitania
durch Kaiser Augustus
27 v. Chr. Anfang des 5. Jahrhunderts n. Chr. drangen im Zuge der
Völkerwanderung
die westgermanischen Sweben
in das heutige Portugal ein und lösten dort die römische Herrschaft ab; 585
eroberten die Westgoten
das Gebiet und gliederten es ihrem spanischen Reich ein. 711 zerschlugen die Mauren
mit ihrem Sieg über König Roderich
das Westgotenreich in Spanien; das Gebiet des heutigen Portugal wurde nun Teil
des arabischen Kalifats von Córdoba.
In
der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts eroberte König Ferdinand I.
von Kastilien und León im Zuge der Reconquista
den Norden Portugals. Sein Sohn Alfons VI.
erhob dieses Gebiet als Comitatus Portaculenis, benannt nach dem alten römischen
Seehafen Portus Cale (heute Porto), zur Grafschaft, mit der er 1095
seinen Schwiegersohn Heinrich von Burgund (gestorben 1112) belehnte. Nach dem
Tod Alfons' VI. 1109 verweigerte Heinrich dessen Nachfolger die Lehenstreue,
und nach Heinrichs Tod 1112 gelang es dessen Witwe Teresa als Regentin für
ihren Sohn Alfons Heinrich (den späteren Alfons I.,
den Eroberer, Regierungszeit 1139-1185), die Unabhängigkeit der Grafschaft
von Kastilien und León vorerst zu wahren. 1127 musste sie sich jedoch wieder
Kastilien unterwerfen, woraufhin Alfons Heinrich sie stürzte, selbst die
Herrschaft übernahm und den Kampf um die Unabhängigkeit von Kastilien aufnahm,
zugleich die Reconquista Richtung Süden vorantrieb. 1135 verweigerte er Alfons VII.
von Kastilien und León den Lehnseid, 1139 errang er einen entscheidenden Sieg
über die Mauren, und 1140 nahm er, von Alfons VII. anerkannt, als Alfons I.
den Königstitel an. 1143 unterstellte Alfons I. zum Schutz vor dem starken
Nachbarn Kastilien sein Königreich direkt dem Papsttum, das allerdings erst
1179 Portugal als unabhängiges Königreich anerkannte.
Das Königreich Portugal unter
den Burgundern
1147
eroberte Alfons I. mit Hilfe von Kreuzfahrern (siehe 2. Kreuzzug)
Lissabon von den Mauren; ein Jahrhundert später brachte Alfons III.
(1248-1279) schließlich noch die Algarve unter portugiesische Herrschaft. Damit
hatte Portugal in seinem Gebiet die Reconquista abgeschlossen und – früher
als alle anderen europäischen Staaten – seine heutigen Grenzen erreicht. 1256
verlegte Alfons III. die Hauptstadt von Coimbra nach Lissabon. Auch die
innere Struktur des Landes wurde im 12./13. Jahrhundert geschaffen bzw.
verfestigt: Im Norden blieb der noch auf die swebische Zeit zurückgehende bäuerliche
Kleinbesitz bestehen; im wenig besiedelten Süden übertrug der König
umfangreiche Ländereien an Klöster, Ritterorden und den Adel, der Großgrundbesitz
dominierte hier bis weit ins 20. Jahrhundert.
Unter
Alfons' III. Sohn Diniz
(Dionysius, 1279-1325) erlebte Portugal einen unvergleichlichen Aufschwung.
Diniz förderte Landwirtschaft und Handel, forcierte den Ausbau der Marine und
gründete 1290 in Lissabon die erste Universität Portugals (1307 nach Coimbra
verlegt). 1294 schloss er einen Handelsvertrag mit England und 1308 einen
Freundschaftsvertrag – die ersten einer ganzen Reihe von Verträgen zwischen
Portugal und England. 1297 einigte er sich mit Kastilien über die Grenzziehung
zwischen den beiden Ländern. Diniz' Sohn und Nachfolger Alfons IV.
(1325-1357) besiegte, unterstützt von Alfons XI.
von Kastilien, 1340 am Salado de Morón die Mauren und setzte damit den
Versuchen der Mauren, in Portugal wieder Fuß zu fassen, endgültig ein Ende.
Ferdinand I.
(1367-1383) griff ab 1370 in die Auseinandersetzungen um den kastilischen Thron
ein, musste sich jedoch nach drei Kriegen gegen Kastilien 1382 schließlich
geschlagen geben. 1373 hatte er Diniz' Vertrag mit England erneuert und so das
portugiesisch-englische Bündnis verfestigt. 1382 verheiratete Ferdinand I.
zur Bekräftigung des Friedens mit Kastilien seine Erbtochter Beatrix mit König
Johann I.
von Kastilien.
Nach
dem Tod Ferdinands I. 1383 – er hinterließ keinen legitimen männlichen
Nachfolger – erhob sein Schwiegersohn Johann I. von Kastilien Anspruch
auf den portugiesischen Thron und drang in Portugal ein. Unterstützung fand er
beim portugiesischen Hochadel, der sich von ihm die Restauration seiner alten,
unterdessen verlorenen Privilegien erhoffte. Auf der anderen Seite erhob sich
Johann, der illegitime Sohn König Peters I. von Portugal (1357-1367) und
Halbbruder Ferdinands I., der vom niederen Adel, vom Bürger- und Bauerntum
favorisiert wurde. Im April 1385 wurde Johann von den portugiesischen Cortes
als Johann
I. (1385-1433) zum König proklamiert; im August 1385 schlug er mit
englischer Hilfe die Kastilier bei Aljubarrota entscheidend, sicherte so die
Unabhängigkeit Portugals und begründete die Herrschaft der Avis-Dynastie in
Portugal.
Der
Aufstieg zur Weltmacht unter der Avis-Dynastie
Johann
reformierte und vereinfachte Verwaltung und Gesetzgebung, band das Bürgertum stärker
in die Verwaltung ein und schuf durch die Übertragung des Besitzes des
Hochadels, der infolge seiner Parteinahme für Johann I. von Kastilien das
Land hatte verlassen müssen, an Bürgerliche eine neue, dem König
verpflichtete und loyale Adelsschicht.
1415
eroberte Portugal in Fortsetzung der Reconquista die reiche marokkanische
Handelsstadt Ceuta
und leitete damit seine Expansion nach Übersee ein. In den Folgejahren trieb
Johanns jüngster Sohn, Heinrich
der Seefahrer, die Erkundung der afrikanischen Küste und des Atlantiks
systematisch voran – ursprünglich, um für die aufstrebende Handelsmacht
Portugal einen Seeweg nach Indien zu finden: 1418 wurde Madeira entdeckt und auf
Betreiben Heinrichs kolonisiert, 1427 entdeckten Heinrichs Seefahrer die Azoren
und 1455/56 die Kapverdischen Inseln. Unter Alfons V.
(1438-1481) wurde 1471 Tanger erobert.
König
Johann II.
(1481-1495) führte die von Heinrich dem Seefahrer eingeleitete Erkundung der
Westküste Afrikas im Interesse des portugiesischen Handels systematisch und
forciert fort: Es wurden feste Stützpunkte für den Afrikahandel (vor allem
Gold und Sklaven) errichtet, so etwa 1482 das Fort Elmina an der Goldküste
(Ghana), das für lange Zeit die mächtigste Festung an der Goldküste mit
Zugriff auf die Goldreserven im Hinterland blieb; 1488 umsegelte Bartolomeu
Diaz auf der Suche nach einem Seeweg nach Indien als Erster das Kap der
Guten Hoffnung. Nach der Entdeckung Amerikas durch Christoph
Kolumbus teilten Portugal und Kastilien 1494 im Vertrag von Tordesillas (siehe Demarkationslinie)
die Welt in eine portugiesische und eine kastilische Interessensphäre ein. Im
Inneren hatte sich Johann gegen den unter König Eduard (1433-1438) und Alfons V.
wieder erstarkten Adel zu behaupten; eine Adelsverschwörung beendete er durch
die Hinrichtung des mächtigen Herzogs von Braganza.
Unter
König Emanuel
I. (1495-1521) erreichte die portugiesische Expansion einen ersten Höhepunkt.
1498 erreichte Vasco
da Gama, begleitet von Bartolomeu Diaz, als erster Europäer Indien auf dem
Seeweg um das Kap der Guten Hoffnung. Dem Entdecker folgten die Eroberer, zunächst
Francisco
de Almeida, dann Afonso
d'Albuquerque, die vom König mit umfangreichen Vollmachten ausgestattet und
zu Vizekönigen in Indien ernannt worden waren. Sie errichteten eine Reihe von
Stützpunkten, sowohl Handelsniederlassungen als auch militärische Stützpunkte,
und drangen über Indien hinaus nach Osten vor. 1510 brachten sie Goa
in portugiesische Gewalt, das sich rasch zur bedeutendsten portugiesischen
Handelsniederlassung in Indien entwickelte; 1511 eroberten sie Malacca (Melaka),
das die Malaccastraße
und damit den Weg zu den Gewürzinseln, den Molukken,
kontrollierte; auf den Molukken selbst errichteten die Portugiesen bereits 1511
erste Stützpunkte. Portugal hatte damit den außerordentlich lukrativen Gewürzhandel
weitgehend unter seiner Kontrolle; Lissabon entwickelte sich zum wichtigsten
Handelszentrum für Gewürze und andere Waren aus dem Osten. In dieser Zeit eröffnete
Portugal auch den Handel mit China; einen ersten Handelsposten (den ersten europäischen
in China überhaupt) errichteten sie in Macao.
Zugleich baute Portugal seine Niederlassungen und damit auch seine
Handelsbeziehungen an den afrikanischen Küsten weiter aus. Bereits 1500 hatte Pedro
Álvares Cabral Brasilien
entdeckt und für die portugiesische Krone in Besitz genommen.
Parallel
zur Expansion nach Übersee erlebte Portugal selbst ein „goldenes
Zeitalter", eine Zeit der wissenschaftlichen und künstlerischen Blüte
(die u. a. den Emanuelstil
hervorbrachte), die das Land seinem neu erworbenen Reichtum aus den überseeischen
Gebieten verdankte. Besonders die Krone profitierte von der Expansion: Der Überseehandel
war königliches Monopol, die neuen Besitzungen waren Krongut.
Unter Emanuel wurde Portugal jedoch auch eines nicht unerheblichen Teiles seiner
Mittel- und seiner Intellektuellenschicht beraubt: Ab 1496 ließ der König auf
Betreiben der spanischen Krone die altansässigen und die nach dem Ende der
Reconquista in Spanien nach Portugal geflohenen Mauren sowie die Juden aus
seinem Land vertreiben.
Emanuels
Sohn und Nachfolger Johann III.
(1521-1557) trieb die Expansion in Übersee zielstrebig voran und förderte
durch das System der donatárias (lehensrechtliche Landschenkungen)
systematisch die Kolonisierung Brasiliens. Im Zuge der Gegenreformation führte
er 1536 in Portugal die Inquisition
ein, holte außerdem die Jesuiten
ins Land. Unter Johann III. waren bereits die Anfänge des Niedergangs der
portugiesischen Weltmacht erkennbar: Das kleine Portugal konnte seine überseeischen
Besitzungen zum Teil nur mit Mühe gegen die starke Konkurrenz aus anderen europäischen
Ländern wie England und Spanien verteidigen; Teile des überseeischen Besitzes
gingen schon kurz nach dem Erwerb wieder verloren.
König
Sebastian (1557-1578), Enkel und Nachfolger Johanns III., suchte – im
Rahmen eines „Kreuzzuges" gegen den Islam – die von Johann I.
eineinhalb Jahrhunderte zuvor eingeleitete Eroberung Marokkos fortzusetzen,
scheiterte jedoch: Auf seiner zweiten Expedition gegen Marokko 1578 wurde er
vernichtend geschlagen; er selbst und ein Teil des portugiesischen Adels wurden
getötet.
Mit
dem Tod von Sebastians Nachfolger Heinrich endete 1580 die Avis-Dynastie.
Spanisches Interregnum
Nach
Heinrichs Tod konkurrierten mehrere Anwärter um die portugiesische Krone. Noch
1580 besetzte Philipp II.
von Spanien, über seine Mutter Isabella von Portugal ein Enkel Emanuels I.,
Portugal, und 1581 wurde er von den portugiesischen Cortes als Philipp I.
(1581-1598) zum König proklamiert. Unter Philipp II. blieb die Verbindung
mit Spanien weitgehend auf die Personalunion
beider Kronen beschränkt; Portugal blieb ein eigenständiger Staat mit eigener
Verwaltung und Gesetzgebung, verwaltete auch weiterhin die überseeischen
Besitzungen, die allerdings (formal) an Spanien kamen. Unter Philipps II.
Nachfolgern Philipp III.
und Philipp IV.
(Philipp II. und Philipp III. von Portugal) änderte sich dies: Beide,
vor allem aber Philipp IV. und sein Minister Graf
von Olivares suchten Portugal zu einer Provinz Spaniens zu degradieren, was
bei den Portugiesen erheblichen Unmut auslöste. Hinzu kam, dass Portugal nun
durch seine Verbindung mit Spanien bzw. den Habsburgern
in deren Kriege gegen die unabhängig gewordenen Niederlande und gegen
Frankreich verwickelt wurde, was zum einen den Verlust wichtigen
Kolonialbesitzes wie der Molukken und Malaccas und damit auch den Verlust der
Kontrolle des Ostindienhandels zur Folge hatte; zum anderen wurde nun auch
Portugal zur Finanzierung der spanischen, habsburgischen Kriege herangezogen, d. h.
mit hohen Steuern belegt. Zwei Aufstände gegen die spanische Herrschaft 1634
und 1637 scheiterten. In einem dritten Aufstand 1640 unter der Führung Herzog
Johanns II. von Braganza stürzten die Portugiesen die spanische Herrschaft
in Portugal; Herzog Johann wurde als Johann IV.
(1640-1656) zum König gekrönt. Seine Dynastie, das Haus Braganza, regierte in
Portugal bis zur Abschaffung der Monarchie 1910.
Das Haus Braganza
Es
dauerte jedoch noch bis 1668, bis Portugal sich mit englischer und französischer
Unterstützung endgültig von den Spaniern befreit hatte und Spanien im Frieden
von Lissabon die Unabhängigkeit Portugals und den portugiesischen
Kolonialbesitz anerkannte.
Johann IV.
erneuerte und bekräftigte die traditionelle Verbindung mit England und schloss
einen Vertrag mit Frankreich. 1654 gelang ihm im Bündnis mit England während
des 1. Englisch-Niederländischen
Seekrieges die Rückeroberung Brasiliens, das die Niederländer 1630 besetzt
hatten. Brasilien entwickelte sich nun, nach dem Verlust ostindischer Kolonien
und dem Rückgang des Ostindienhandels, zum wichtigsten und vor allem
ertragreichsten Kolonialbesitz Portugals: Rohrzucker und, ab Anfang des 18. Jahrhunderts,
vor allem Gold und Diamanten wurden nun zur Grundlage von Portugals Reichtum.
Unter
Johanns Nachfolgern Alfons VI.
(1656-1667/83) und Peter II. (1667/83-1706) erreichte Portugal u. a.
dank seiner reorganisierten Armee und seiner verstärkten Flotte und dank seiner
Bündnisse mit England und Frankreich die völlige staatliche Unabhängigkeit
von Spanien, drohte nun aber allmählich wirtschaftlich und politisch unter
englische und französische Hegemonie zu geraten. Peter II. suchte durch
den gezielten Ausbau der produzierenden Wirtschaft (Manufakturen;
Siehe auch Merkantilismus)
Portugal von Importen weitgehend unabhängig zu machen; mit dem Abschluss des
Methuen-Vertrages mit England 1703 fand diese Politik vorerst ein Ende. Der
Methuen-Vertrag erlaubte England den zollfreien Import von Textilien nach
Portugal, Portugal lieferte im Gegenzug Wein; bald importierte England auch
Manufakturwaren und schließlich Industrieprodukte in großem Umfang, die
Portugal mit Gold und Diamanten aus Brasilien bezahlte. Das stetig zunehmende
Handelsvolumen bedeutete für England eine Stärkung seiner Wirtschaftsmacht;
Portugal dagegen begab sich mehr und mehr in die wirtschaftliche Abhängigkeit
von England.
Mit
dem Methuen-Vertrag erneuerte Portugal zugleich das politische Bündnis mit
England: Hatte Portugal zunächst auf der Seite Frankreichs am Spanischen
Erbfolgekrieg (1701-1713/14) teilgenommen, wechselte es nun auf die Seite
Englands bzw. der Großen Allianz.
Unter
Johann V.
(1706-1750) erlebte Portugal ein zweites „goldenes Zeitalter": Gold und
Diamanten aus Brasilien erlaubten eine großzügige Förderung von Kunst und
Wissenschaften und die Ausgestaltung des absolutistischen
Systems, die sich u. a. in prachtvollen Bauwerken manifestierte. Joseph I.
(1750-1777) revidierte die Politik seines Vaters Johann V. im Sinne des
aufgeklärten Absolutismus; Exponent der neuen Reformpolitik war der Marquês
de Pombal, Erster Minister des Königs. Pombal leitete den Wiederaufbau des
1755 von einem Erdbeben zerstörten Lissabon, nahm den von Peter II.
eingeleiteten wirtschaftspolitischen Kurs in Richtung auf eine größere
wirtschaftliche Selbständigkeit Portugals mit Erfolg wieder auf, drängte den
Einfluss von Kirche und Adel zugunsten der Staatsgewalt zurück und reformierte
mit teilweise rigiden Methoden Bildungs-, Rechts-, Finanz- und Heerwesen. 1759
verbot er in Portugal und den Kolonien den Jesuitenorden, der seinen Reformen
Widerstand entgegengesetzt hatte (1773 löste der Papst auf Pombals Betreiben
den Orden vollends auf), und schließlich schaffte er die Sklaverei in Portugal
ab und stellte die indigene Bevölkerung in den Kolonien rechtlich den
Portugiesen (nominell) gleich. Nach dem Regierungsantritt Marias I.
(1777-1816) wurde Pombal auf Betreiben seiner Gegner entlassen, sein Reformwerk
wurde größtenteils rückgängig gemacht.
Während
der Koalitionskriege
gegen das revolutionäre Frankreich hielt Portugal an seinem Bündnis mit
England fest, schloss sich folglich auch nicht der Kontinentalsperre
gegen England an, woraufhin 1807 französische Truppen Portugal besetzten. Der
portugiesische Hof flüchtete nach Brasilien und kehrte erst 1820 wieder nach
Portugal zurück, obwohl schon 1811 ein britisches Heer unter Wellington
die Franzosen aus Portugal verdrängt hatte.
1815
wurde Brasilien gleichberechtigtes Königreich neben Portugal. 1816 folgte Johann VI.
(1816-1826) seiner Mutter Maria in beiden Königreichen nach; Portugal regierte
er, der sich noch in Brasilien aufhielt, durch einen Kronrat. Bei seiner Rückkehr
nach Portugal 1821 ließ er seinen Sohn Dom Pedro als Regenten in Brasilien zurück.
Die konstitutionelle Monarchie
1820
stürzte eine liberale Revolution das absolutistische System und ersetzte es
durch eine konstitutionelle Monarchie mit liberaler Verfassung, die den Cortes
deutlich erweiterte Rechte gegenüber der Krone zugestand. Im Oktober 1822 nahm
Johann VI. die neue Verfassung an; im Monat zuvor hatte sich Brasilien, um
sich dem nun wieder festeren Zugriff durch Portugal zu entziehen, mit Dom Pedro
als Kaiser Peter I.
für unabhängig erklärt.
1824
suchten Johanns Gemahlin und sein jüngerer Sohn, Dom Miguel, das
konstitutionelle System zu stürzen und die absolute Monarchie
wiederherzustellen. Mit britischer Hilfe konnte sich Johann jedoch behaupten,
Frau und Sohn schickte er ins Exil.
Nach
Johanns Tod 1826 übernahm Peter I. von Brasilien als Peter IV. auch
den portugiesischen Thron. Er erließ eine neue, die Rechte des Königs gegenüber
den Cortes wieder stärkende Verfassung und verzichtete zugunsten seiner gerade
erst siebenjährigen Tochter Maria II. da Glória auf den portugiesischen
Thron. 1827 musste er jedoch auf Betreiben der die Restauration verteidigenden Heiligen
Allianz seinen Bruder Dom Miguel als Regenten für Maria einsetzen; 1828 ließ
sich Dom Miguel von den reaktionären Kräften in Portugal als Michael I.
(1828-1834) zum König proklamieren und errichtete nun ein absolutistisches
Regime. Nach langwierigen bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen besiegte
Peter 1834 – wieder mit britischer Hilfe – Michael und sicherte Maria den
Thron.
Die
Regierungszeit Marias II. da Glória (1826/34-1853) war geprägt von ständigen
inneren Unruhen und Parteienkämpfen: Setembristen, die die Verfassung von 1822
befürworteten, und Cartisten, die für die Charta von 1826 plädierten,
stritten um die Macht. Ein Volksaufstand 1846/47 konnte – erneut dank
britischer Unterstützung – niedergeschlagen werden.
Unter
Marias Nachfolgern Peter V. (1853-1861) und Ludwig I. (1861-1889)
setzten sich die Auseinandersetzungen zwischen den Parteien fort, wenn auch in
vermindertem Ausmaß. 1892 musste Portugal Staatsbankrott anmelden: Brasilien
als Einnahmequelle war seit seiner Unabhängigkeit weggefallen; der
Kolonialbesitz in Afrika konnte zwar in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts
noch erweitert werden, brachte aber deutlich weniger Erträge als Brasilien; und
Portugal selbst war trotz der wirtschaftlichen Reformansätze im 18. Jahrhundert
ein wenig entwickeltes Agrarland geblieben.
Unter
Karl I. (1889-1908) erstarkten republikanische und radikale Bewegungen,
besonders seit Ministerpräsident João Franco 1907 die Cortes aufgelöst und
mit Billigung des Königs ein diktatorisches Regime errichtet hatte. 1908 fielen
Karl und sein ältester Sohn in Lissabon einem Attentat zum Opfer. Auf dem Thron
folgte Karls zweiter Sohn Emanuel II.
Er wurde durch eine republikanische Militärrevolte und die Ausrufung der
Republik am 5. Oktober 1910 gestürzt.
Die
Republik
Am
11. Juni 1911 wurde die Monarchie offiziell abgeschafft, und am 31. August
1911 trat die republikanische Verfassung in Kraft, die u. a. die Trennung
von Kirche und Staat festschrieb. Erster Präsident der Republik war Fernandes
Braga.
Während
der folgenden 15 Jahre versank das Land aufgrund von Parteienkämpfen, der
desolaten Finanz- und Wirtschaftslage und sozialer Unruhen innenpolitisch im
Chaos: Über 40 Regierungen und acht Präsidenten wechselten bis 1926
einander ab. Ab 1916 nahm Portugal auf der Seite der Entente
am 1. Weltkrieg
teil: Nachdem die portugiesische Marine im Hafen von Lissabon deutsche Schiffe
beschlagnahmt hatte, erklärte Deutschland am 9. März 1916 Portugal den
Krieg. Nach dem Krieg verschärfte 1919 ein Aufstand der Royalisten die inneren
Unruhen und politischen Turbulenzen noch.
Am
28. Mai 1926 wurde die vorerst letzte parlamentarische Regierung durch
einen von General Manuel De Oliveira angeführten Militärputsch gestürzt, das
Parlament wurde aufgelöst, die Verfassung ausgesetzt.
Der autoritäre Staat
Wenige
Wochen nach dem Putsch übernahm General António
de Fragoso Carmona das Amt des Ministerpräsidenten und 1928 das Amt des
Staatspräsidenten. Im selben Jahr ernannte er António
de Oliveira Salazar zum Finanzminister und stattete ihn zur Konsolidierung
des desolaten Staatshaushaltes mit außerordentlichen Vollmachten aus. Innerhalb
kurzer Zeit hatte Salazar den Staatshaushalt ausgeglichen und Portugals
Auslandsschulden zurückgezahlt.
Salazar
wurde rasch zur mächtigsten politischen Figur in Portugal; vier Jahrzehnte lang
bestimmte er, ab 1932 als Ministerpräsident, den politischen Kurs Portugals.
1930 gründete er die União Nacional (Nationale Union), eine ständisch-autoritär
organisierte Partei. 1933 wurde eine neue, maßgeblich von Salazar beeinflusste
und am faschistischen
Italien orientierte Verfassung erlassen, die Portugal in einen ständisch-autoritären
Staat, den Estado Novo (Neuer Staat), umwandelte. Zwar gab es in der
neuen Verfassung noch demokratische Elemente wie etwa Wahlen; es war jedoch nur
eine Partei offiziell zugelassen, die União Nacional. Jegliche
Opposition wurde unterdrückt und von der berüchtigten Geheimpolizei PIDE
verfolgt. Die Gewerkschaften wurden aufgelöst, und Arbeitnehmer und
Arbeitgeber wurden – ebenfalls nach italienischem Vorbild – in einem
gemeinsamen korporativen System organisiert. Wesentliche Stützen des neuen
Regimes waren die alten Eliten: Kirche, Armee und Großgrundbesitzer.
Während
des Spanischen
Bürgerkrieges (1936-1939) unterstützte Salazar die Aufständischen unter
General Francisco
Franco. Im März 1939 unterzeichnete Portugal einen Freundschafts- und
Nichtangriffspakt mit Spanien; im Juli 1940 verpflichteten sich beide Länder in
einem Zusatzprotokoll auf Neutralität während des 2. Weltkrieges.
Im Oktober 1943 jedoch, als die Achsenmächte
zunehmend in die Defensive gedrängt wurden, gestattete Portugal den Alliierten
die Stationierung von Flugzeugen und Schiffen auf den Azoren.
Trotz
der Neutralität war die portugiesische Wirtschaft durch den Krieg schwer in
Mitleidenschaft gezogen worden, und im Fernen Osten waren die Überseegebiete
bedroht. Timor
z. B. war von 1942 bis 1945 japanisch besetzt. Bei Kriegsende herrschten in
Portugal Armut und Arbeitslosigkeit, die Opposition gegen die Salazar-Diktatur
wuchs, wurde aber weiterhin rigoros unterdrückt. Zwar wurde das Einparteiensystem
etwas geöffnet, die Nationalversammlung wurde aber nach wie vor von der União
Nacional monopolisiert. 1951 starb Staatspräsident Carmona; sein Nachfolger
wurde General Francisco Craveiro Lopes.
Außenpolitisch
ging Portugal nach dem 2. Weltkrieg von seinem neutralen Kurs ab: 1949 gehörte
Portugal zu den Gründungsmitgliedern der NATO,
und 1951 überließ das Land den USA Stützpunkte auf den Azoren. 1955 wurde
Portugal in die UNO
aufgenommen, 1960 trat es der OECD
und der EFTA
bei.
1951
erklärte Portugal seine Kolonien zu Übersee-Provinzen, d. h. zu
integralen Bestandteilen Portugals, und suchte so allen Unabhängigkeitsforderungen
den Boden zu entziehen. In den fünfziger Jahren erstarkten wie in allen
Kolonien auch in den portugiesischen Überseegebieten die Unabhängigkeitsbewegungen,
und in den frühen sechziger Jahren brachen in nahezu allen Übersee-Provinzen
Aufstände gegen die portugiesische Herrschaft aus: 1961 in Angola,
1962 in Portugiesisch-Guinea
und 1964 in Moçambique.
Portugiesisch-Goa
war 1961 von Indien annektiert worden. Portugal suchte die Aufstände und
Befreiungsbewegungen mit militärischer Gewalt zu unterdrücken und führte ab
etwa 1961 bis in die siebziger Jahre regelrechte Kolonialkriege, die Portugal
innenpolitisch in eine schwere Krise stürzten und die außenpolitisch zunehmend
auf Kritik stießen und Verurteilungen durch die UNO nach sich zogen.
1958
ließ Salazar bei den Präsidentschaftswahlen einen Gegenkandidaten zu, der
jedoch dem Kandidaten der Regierung, Konteradmiral Américo Deus Rodrigues Tomás,
unterlag. Tomás wurde 1965 und 1971 im Amt bestätigt. In den sechziger Jahren
gab es einige Studentendemonstrationen; die politische Opposition gegen das
Salazar-Regime blieb jedoch weiterhin unkoordiniert.
1968
löste Marcello das Neves Alves Caetano den schwer erkrankten Salazar im Amt des
Ministerpräsidenten ab. Caetano leitete zwar eine – äußerst maßvolle –
Liberalisierung des politischen Lebens in Portugal ein; gegenüber den Übersee-Provinzen
führte er jedoch die restriktive Salazar-Politik weiter.
Nelkenrevolution
Es
war letztlich der aussichtslose, politisch nicht vertretbare und die Wirtschaft
über die Maßen belastende Kolonialkrieg, der am 25. April 1974 zum Sturz
des autoritären Regimes durch die oppositionelle „Bewegung der Streitkräfte"
(Movimento das Forças Armadas, MFA) in einem unblutigen Staatsstreich,
der so genannten Nelkenrevolution, führte. Die Regierung übernahm nun eine
siebenköpfige Militärjunta unter der Führung von General António Ribeiro de
Spínola. Deren vordringlichen Ziele waren die Entkolonialisierung und die
Errichtung demokratischer Strukturen in Portugal. 1974/75 wurden alle Überseegebiete
in die Unabhängigkeit entlassen, mit Ausnahme von Macao, das portugiesisches Überseeterritorium
blieb; Osttimor
wurde unmittelbar nach seiner Unabhängigkeit 1975 von Indonesien annektiert. In
Portugal selbst konnten sich nun wieder politische Parteien konstituieren,
Oppositionelle kehrten aus dem Exil zurück, politische Gefangene wurden
amnestiert.
Im
Mai 1974 übernahm Spínola offiziell das Amt des Staatspräsidenten; Ministerpräsident
wurde im Juli 1974 der Sozialist Vasco dos Santos Gonçalves. Portugal schlug
nun einen sozialistischen Kurs ein: Durch Enteignung und Umverteilung des Großgrundbesitzes
wurde die überfällige Agrarreform umgesetzt, Großbetriebe und Banken wurden
verstaatlicht, Gewerkschaften wieder zugelassen.
Vor
dem Hintergrund zunehmender Spannungen und Auseinandersetzungen zwischen gemäßigten
und sozialistisch orientierten, rechten und linken Kräften innerhalb der
Staatsführung trat der gemäßigte Spínola am 30. September 1974 zurück;
sein Nachfolger wurde General Francisco da Costa Gomes. Im März 1975
unternahmen gemäßigte bis rechtsgerichtete Spínola-Anhänger einen
Putschversuch gegen die sozialistisch ausgerichtete Regierung; der Putsch
scheiterte, und Spínola ging ins Exil. Im September 1975 wurde Gonçalves
zugunsten des gemäßigteren José Baptista Pinheiro de Azevedo auf Betreiben
des Revolutionsrates abgesetzt. Der MFA-dominierte Revolutionsrat hatte sich
nach dem Putschversuch vom März als eigentliches Exekutivorgan konstituiert und
setzte sich mehrheitlich aus gemäßigten Kräften zusammen. Im November 1975
scheiterte ein linksgerichteter Putschversuch. Verschärft wurde die
innenpolitisch brisante Situation noch durch die massenweise Rückkehr
portugiesischer Truppen und Siedler aus den ehemaligen, gerade in die Unabhängigkeit
entlassenen Kolonien: Steigende Arbeitslosigkeit und zunehmende soziale und
politische Unruhen waren die Folge des plötzlichen Bevölkerungszuwachses.
Die 3. Republik
Am
2. April 1976 trat die neue Verfassung in Kraft; ausgearbeitet hatte sie
die im April 1975 gewählte, von den Sozialisten dominierte Verfassunggebende
Versammlung. Aus den Wahlen zur Nationalversammlung im April 1976 ging der Partido
Socialista (PS, Sozialistische Partei) als stärkste Kraft hervor und
bildete eine Minderheitsregierung mit Mário
Soares als Ministerpräsidenten. Zum Staatspräsidenten wurde ebenfalls 1976
General António dos Santos Ramalho Eanes direkt vom Volk gewählt. Die
Regierung Soares wurde bereits im Juli 1978 wieder entlassen, nachdem es ihr
nicht gelungen war, der tiefen Wirtschaftskrise wirksam zu begegnen. Die
nachfolgenden drei, von Ramalho Eanes ernannten, zum Teil parteiungebundenen
Regierungen waren noch kurzlebiger.
Die
vorgezogenen Neuwahlen vom Dezember 1979 gewann der konservative Partido
Popular Democrático (PPD, Demokratische Volkspartei bzw. PSD: Partido
Social Democrata, Sozialdemokratische Partei), Ministerpräsident wurde der
PPD-Vorsitzende Francisco Manuel de Sá Carneiro. Im Dezember 1980 kam Sá
Carneiro bei einem Flugzeugabsturz ums Leben; ihm folgte im Januar 1981
Francisco Pinto Balsemão, ebenfalls PPD, im Amt des Ministerpräsidenten nach.
Auf seine Initiative hin wurde 1982 der Revolutionsrat durch eine Verfassungsänderung
abgeschafft. Auch die Regierung Pinto Balsemão musste vorzeitig zurücktreten.
Aus
den vorgezogenen Wahlen im April 1983 ging wieder der PS als stärkste Fraktion
hervor, Soares wurde erneut Ministerpräsident, diesmal einer
Koalitionsregierung mit dem PPD/PSD. Soares leitete ein umfangreiches Spar- und
Reformprogramm ein, um die Wirtschaft zu sanieren, und forcierte – vor allem
in Hinblick auf die Stabilisierung der Wirtschaft – die Beitrittsverhandlungen
mit den Europäischen
Gemeinschaften (EG). 1985 zerbrach die instabile Regierungskoalition; die
vorgezogenen Wahlen im Oktober 1985 führten zur Bildung einer PPD/PDS-Minderheitsregierung
unter Aníbal Cavaco Silva. Soares wurde Anfang 1986 mit knapper Mehrheit zum
Nachfolger von Ramalho Eanes im Amt des Staatspräsidenten gewählt und 1991 mit
deutlicher Mehrheit im Amt bestätigt.
Zum
1. Januar 1986 wurde Portugal Mitglied der EG; 1988 wurde das Land in die Westeuropäische
Union (WEU) aufgenommen. Bei den Wahlen im Juli 1987 gewann der PPD/PSD die
absolute Mehrheit, Cavaco Silva blieb Ministerpräsident; die Wahlen vom Oktober
1991 bestätigten die absolute Mehrheit der Sozialdemokraten. 1989
verabschiedete die Regierung Cavaco Silva eine revidierte Verfassung, aus der
nahezu alle sozialistischen Ansätze der Verfassung von 1976 gestrichen wurden.
Staatliche Unternehmen wurden wieder privatisiert, wie zuvor schon enteigneter
Großgrundbesitz zurückgegeben worden war. Maßnahmen wie diese, die rasche
Modernisierung der Wirtschaft sowie der EG-Beitritt brachten Ende der achtziger
Jahre einen spürbaren Wirtschaftsaufschwung; die Sozialpolitik der Regierung
Cavaco Silva dagegen stieß zunehmend auf Kritik.
In
der Außenpolitik bemühte sich Portugal in den achtziger Jahren um eine
Verbesserung der Beziehungen zu seinen ehemaligen Kolonien. Portugal spielte
eine wichtige Rolle bei den Friedensbemühungen in Angola, nahm auch an den
Friedensverhandlungen in Moçambique teil und bemühte sich trotz zahlreicher Rückschläge
in Verhandlungen mit der indonesischen Regierung um eine Lösung des Osttimorkonfliktes.
1987 einigte sich Portugal mit der Volksrepublik China auf die Rückgabe des Überseeterritoriums
Macao an China, die im Dezember 1999 erfolgte.
Jüngere Entwicklungen
Bei
den Wahlen vom Oktober 1995 setzte sich der PS als stärkste Kraft durch, er
verfehlte die absolute Mehrheit lediglich um vier Mandate; Ministerpräsident
einer PS-Minderheitsregierung wurde der PS-Vorsitzende António
Guterres. Im Januar 1996 wurde Jorge
Sampaio, ebenfalls PS, zum Nachfolger von Soares im Amt des Staatspräsidenten
gewählt. Die sozialistische Regierung Guterres setzte den
wirtschaftspolitischen Kurs ihrer Vorgängerin fort und hielt an strengen Sparmaßnahmen
fest, revidierte aber deren restriktive Sozialpolitik u. a. durch höhere
Sozialausgaben. Im Dezember 1996 einigte sie sich mit Arbeitgebern und
Gewerkschaften auf einen Sozialpakt, der die staatlichen Maßnahmen zur
Konsolidierung des Staatshaushaltes flankieren sollte und in dem sich alle
Beteiligten u. a. auf maßvolle Lohnerhöhungen einigten. 1997 war der
Haushalt so weit saniert, dass Portugal die Kriterien für die Teilnahme an der Europäischen
Währungsunion und an der Einführung des Euro
am 1. Januar 1999 erfüllte.
Aus
den Parlamentswahlen vom 10. Oktober 1999 ging der regierende Partido
Socialista (PS) als klarer Sieger hervor, verfehlte jedoch mit einem
Stimmenanteil von rund 44 Prozent erneut die absolute Mehrheit. Die
Sozialisten stellen jetzt im Parlament mit 115 Mandaten exakt die Hälfte
der Abgeordneten.
Bei
den Präsidentschaftswahlen vom 14. Januar 2001 wurde Jorge Sampaio für
eine weitere Amtszeit als Staatsoberhaupt bestätigt
"Portugal," Microsoft® Encarta® Online-Enzyklopädie 2001
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