Kuba
Zum vergrößern der Karte
hier klicken.
Einführung
Kuba
(Staat), (República de Cuba), größte der Westindischen
Inseln, südlich von Florida und östlich der Halbinsel Yucatán in Mexiko.
Zusammen mit zahlreichen kleineren Inseln bildet sie die Republik Kuba. Die
Zufahrt zum Golf von Mexiko verläuft im Norden und Südwesten der Insel durch
die Floridastraße und die Straße von Yucatán. Im Osten ist Kuba von der Insel
Hispaniola durch die Windwardpassage getrennt, einen Seeweg, der den
Nordatlantik und die Karibik verbindet. Habana
(La Habana; Havanna) ist Hauptstadt und größte Stadt Kubas.
Die
Insel erstreckt sich über 1 225 Kilometer. Kuba hat eine Fläche von
114 525 Quadratkilometern, einschließlich der Insel Pinos und der
kleineren Inseln.
Physische
Geographie
Den
größten Teil der lang gestreckten Insel nehmen sumpfige Ebenen und niedriges Hügelland
ein. Gebirge erheben sich nur im äußersten Südosten (Baracoagebirge bis 1 231 Meter,
Sierra Maestra bis 1 974 Meter), im Zentrum der Südküste und im äußersten
Westen (Sierra Guaniguanico bis 665 Meter). Die Bergländer sind Reste
eines ursprünglich geschlossenen alten Höhenzuges aus kristallinem Gestein und
vereinzelten Kalkschichten. Mit Ausnahme der steil abfallenden Südküste sind
Kubas Küsten flach und von zahlreichen Inseln und Korallenriffen umgeben. Die Küste
ist insgesamt 3 740 Kilometer lang. Vorherrschende Böden sind typisch
tropische Roterden.
Eine
außergewöhnliche Naturerscheinung der Insel sind die vielen oberirdischen
Kalksteinhöhlen (tropischer Kegelkarst), insbesondere die Höhlen von Cotilla
in der Nähe von Habana. Die meisten der zahlreichen Flüsse Kubas sind nicht
schiffbar. Größter Fluss ist der Cauto
im Südosten. Kuba besitzt über 30 Seehäfen. Große Güterhäfen befinden
sich in Habana, Cárdenas, Bahía Honda, Matanzas
und Neuvitas an der Nordküste sowie in Guantánamo,
Santiago
de Cuba, Cienfuegos
und Trinidad an der Südküste.
Klima
Kuba
hat randtropisches Klima; die durchschnittliche Jahrestemperatur liegt bei 27 °C.
Das Klima ist ausgeglichen und regenreich mit einer durchschnittlichen
Niederschlagsmenge von 1 320 Millimetern. Über 60 Prozent der
Niederschläge fallen in der Regenzeit von Mai bis Oktober. Im Südosten des
Landes sorgt der Nordostpassat für ein immerfeuchtes Tropenklima. Die Insel
liegt in einer Region, die oft von tropischen Wirbelstürmen heimgesucht wird.
Flora und
Fauna
Von
den Savannen und dem tropischen Regenwald des Tieflands ist durch Rodung nur
wenig übrig geblieben. In den südöstlichen Gebirgen wächst noch immergrüner
Feuchtwald, und auf der Halbinsel Zapata gibt es große Mangroven- und Sumpfwälder.
Auf Kuba kommen über 50 Palmenarten vor, darunter die Königspalme.
Weitere einheimische Baumarten sind Mahagoni, Ebenholz, Guajakbaum,
Blauholzbaum, Blutholzbaum, Rosenholz und Zeder.
Kubas
Tierwelt zeichnet sich durch 342 Vogelarten aus. Der Kuba-Trogon
ist der Nationalvogel der Insel. Krokodile gibt es nur noch in einigen
Reservaten und Zuchtstationen auf der Halbinsel Zapata. Über 700 Fischarten
und viele andere Meerestiere leben in kubanischen Gewässern. In dem tropischen
Klima finden viele Insektenarten einen idealen Lebensraum, darunter für den
Menschen gefährliche Insekten wie Sandflöhe
und die als Überträger der Malaria bekannten Anophelesmücken.
Bevölkerung
Die
meisten Kubaner (70 Prozent) sind Nachkommen spanischer Einwanderer. Noch
etwa 12 Prozent der Bewohner sind Schwarze, die von afrikanischen Sklaven
abstammen. Den Rest bilden verschiedene ethnische Gruppen: Mulatten, Mestizen
und ein kleiner Teil Asiaten, deren Vorfahren Ende des 19. Jahrhunderts als
Landarbeiter nach Kuba kamen.
Kuba
hat etwa 11,1 Millionen Einwohner (2000) und eine Bevölkerungsdichte von
97 Einwohnern pro Quadratkilometer. Etwa 77 Prozent der Bevölkerung
wohnen in den Städten (1998). Die Lebenserwartung liegt für Männer bei 73,5 Jahren
und für Frauen bei 78,5 Jahren (2000).
Die
Einwohnerzahl der Hauptstadt Habana (Havanna) beträgt etwa 2,18 Millionen
(1994). Weitere große Städte sind Santiago de Cuba (440 084), Camagüey
(293 961), Holguín
(242 085), Santa
Clara (205 400), Guantánamo (207 796), Cienfuegos (132 038)
und Matanzas (123 843).
Sprache
Spanisch
ist die Amtssprache Kubas.
Religion
Die
Zahl der bekennenden römisch-katholischen Christen ist seit dem Jahr 1957 von
über 70 Prozent auf rund 33 Prozent gesunken. Rund 1 Prozent der
Bevölkerung ist protestantisch, die meisten von ihnen gehören der Pfingstbewegung
an. Rund 50 Prozent der Kubaner gehören keiner Religion an.
Soziales
Die
Sozialgesetzgebung ist nach der Revolution von 1959 erweitert worden und umfasst
eine Kranken-, Unfall-, Alters- und Arbeitslosenversicherung sowie eine
Invaliden- und Mutterschaftsrente. In den achtziger Jahren wurde auch das
staatliche Gesundheitswesen erheblich verbessert. Besonderen Wert legte die
Regierung auf die medizinische Vorsorge.
Viele
junge Ärzte wurden während der vergangenen Jahre in ländliche Regionen
versetzt, wo es zuvor keine medizinische Betreuung gegeben hatte.
Bildung und Schulwesen
Es
besteht eine 9-jährige Schulpflicht, der Schulbesuch ist kostenlos. Gegen Ende
der sechziger Jahre wurden in ländlichen Gebieten ungefähr 10 000 neue
Klassenräume eingerichtet. Es wurden fahrende Büchereien eingeführt und alle
kirchlichen Schulen verstaatlicht. An den Hochschulen des Landes sind etwa 260 000 Studenten
immatrikuliert. Größte Universität des Landes ist die Universität
in Habana (gegründet 1728). Im Zuge der Alphabetisierungskampagne konnte
der Alphabetisierungsgrad auf 96,4 Prozent erhöht werden und gehört damit
zu den höchsten in Lateinamerika.
Kultureinrichtungen
Die
Nationalbibliothek in Habana ist die größte in Kuba und verfügt über rund
2,2 Millionen Bände. Stadtbüchereien gibt es in Habana und den
Provinzhauptstädten. Das Nationalmuseum der Hauptstadt beherbergt neben
Relikten der einheimischen Kultur auch Sammlungen der klassischen und der
modernen Kunst. Weitere große Museen Habanas sind das Kolonialmuseum und das
Anthropologische Museum. Das Emilio Bacardi Moreau Museum für Naturkunde und
Kunst befindet sich in Santiago de Cuba und das Oscar M. de Rojas Museum in
Cárdenas. Alle Bibliotheken und Museen unterstehen der Aufsicht des Staates.
Darüber hinaus fördern kubanische Städte das kulturelle Leben und unterhalten
Theater- und Balletthäuser.
Kunst und
Musik
Kubas
Kultur ist eine Mischung aus spanischer und afrikanischer Tradition. Die
Mischung von spanischer Gitarre und afrikanischen Trommeln verleiht der
kubanischen Musik (Rumba und Son) ihre ganz eigenen Formen. Ein Teil der
Volksmusik, wie z. B. Punto, Zapateo und Guajira, ist jedoch sehr stark
durch die europäische Musik beeinflusst (siehe lateinamerikanische
Musik).
Bekannte
kubanische Schriftsteller sind die Dichter Gertrudis Gómez de Avellaneda y
Arteaga und Julián del Casal (19. Jahrhundert) sowie die zeitgenössischen
Schriftsteller Alejo
Carpentier und José Lezama Lima (siehe lateinamerikanische
Literatur).
Verwaltung und Politik
Kuba
wird gemäß der Verfassung von 1976 regiert. Die Verfassung definiert das Land
als einen sozialistischen Staat. Die Führungsrolle der Kommunistischen Partei
Kubas (Partido Comunista de Cuba; PCC) ist in der Verfassung verankert.
Exekutive
Staatsoberhaupt
ist der Präsident. Er ist zugleich Vorsitzender des Staatsrates (Consejo de
Estado) und des Ministerrates sowie Oberbefehlshaber der Streitkräfte.
Legislative
Die
601 Mitglieder des Volkskongresses (Asamblea Nacional del Poder Popular)
werden für fünf Jahre durch direkte, allgemeine Wahlen gewählt. Der regulär
zweimal pro Jahr zusammentretende Volkskongress wählt einen aus 31 Mitgliedern
bestehenden Staatsrat sowie den Ministerrat.
Judikative
Die
Judikative wird auf nationaler Ebene vom Obersten Volksgerichtshof ausgeübt. In
den Provinzen und Regionen gibt es Gerichtshöfe und Kommunalgerichte.
Revolutionstribunale werden bei Verbrechen gegen den Staat einberufen.
Kommunalverwaltung
Kuba
ist in 169 Kommunen und 14 Provinzen unterteilt. Die Isla
de la Juventud bildet ein Sonderverwaltungsgebiet und ist der
Zentralregierung direkt unterstellt.
Verteidigung
Die
kubanische Armee besteht aus rund 65 000 Soldaten (1998). Sie wurde größtenteils
durch die Sowjetunion ausgerüstet. Der Marine gehören rund 5 000 und der
Luftwaffe circa 10 000 Soldaten an. Kuba unterhält außerdem eine
bewaffnete Bürgerwehr, der rund 1,3 Millionen Männer und Frauen angehören.
Während der siebziger und achtziger Jahre dienten kubanische Truppen in
verschiedenen afrikanischen Staaten.
Wirtschaft
Die
Revolutionsregierung, die 1959 an die Macht kam, verstaatlichte über 90 Prozent
der Industrie und rund 70 Prozent des kubanischen Agrarlandes. Zuvor gehörten
nur 16 Prozent des Landes den Kleinbauern, der Rest lag in den Händen von
Großgrundbesitzern und großen Zuckergesellschaften.
Die
Finanzhilfe der Sowjetunion belief sich zwischen 1961 und 1984 auf insgesamt 38 Milliarden
US-Dollar. Ende der achtziger Jahre waren es bis zu fünf Milliarden jährlich.
Der Zusammenbruch der Sowjetunion war für die Wirtschaft Kubas ein verheerender
Schlag. 1993 unterzeichnete Präsident Fidel
Castro einen Erlass, durch den private Unternehmen zugelassen wurden. Nach
einer mehrere Jahre andauernden Wirtschaftskrise stieg das Bruttoinlandsprodukt
ab 1994 wieder an und konnte in den Folgejahren stabilisiert werden.
Landwirtschaft
Kuba
gehört zu den führenden Zuckerproduzenten der Welt. Die Zuckerrohrplantagen
nehmen 40 Prozent des gesamten Ackerlandes ein. Der Zucker bringt dem Land
75 bis 90 Prozent der Exportwerte. Die gesamte Wirtschaft hängt deshalb
von der Zuckerrohrernte
ab. Der überwiegende Teil des geernteten Zuckerrohres dient der Produktion von
Zucker. Die Zuckererträge sind allerdings stark rückläufig: Während 1990
noch 8,4 Millionen Tonnen erzeugt wurden, waren es 1998 nur 3,3 Millionen,
ein sehr dürftiges Ergebnis.
Zweites
wichtiges Agrarerzeugnis ist der Tabak,
der besonders in der Provinz Pinar del Río angebaut wird. Ein wesentlicher Teil
der Ernte wird zu Habana-Zigarren verarbeitet. Weitere wichtige
landwirtschaftliche Erzeugnisse sind Reis, Mais, Kaffee, Kakao, Zitrusfrüchte,
Ananas, Bananen, Kartoffeln, Bataten,
Maniok,
Bohnen, Tomaten und Baumwolle. Zudem betreibt man Rinderhaltung.
Forstwirtschaft und Fischerei
Unüberlegter
Holzschlag reduzierte den Waldbestand von über 40 Prozent auf weniger als
10 Prozent der gesamten Landesfläche. Mitte der sechziger Jahre begann die
Regierung mit einem Wiederaufforstungsprogramm, und mittlerweile sind wieder
16,8 Prozent der Insel bewaldet (1995). Der jährliche Holzertrag liegt bei
3,25 Millionen Kubikmetern.
Die
Fischindustrie umfasst traditionell kleine, unabhängige Betreiber, die in einer
Genossenschaft zusammengeschlossen sind. Der Staat fördert die große
Hochseeflotte.
Bergbau
Kuba
verfügt über bedeutende Bodenschätze. Gefördert werden vor allem Nickel und
Kupfererze, Chrom, Salz, Cobalt, Rohöl, Erdgas und Mangan. Vor der Revolution
von 1959 gehörten die Bodenschätze zu den wertvollsten Exportgütern Kubas.
Ihre Förderung hat seitdem jedoch etwas abgenommen.
Industrie
Kubas
Industrie ist hauptsächlich auf die Verarbeitung des Zuckerrohres ausgerichtet.
Zu Beginn der siebziger Jahre rationalisierte Kuba diesen Industriezweig.
Weitere industriell verarbeitete Produkte sind Tabak, Fleisch und Obst. Neben
der Nahrungsmittelindustrie sind die Textilindustrie, der Maschinenbau und die
petrochemische Industrie von geringerer Bedeutung. Etwa ein Viertel der erwerbstätigen
Bevölkerung ist im Industriesektor beschäftigt.
Währung
und Bankwesen
Die
Währungseinheit ist der kubanische Peso (1 Kubanischer Peso = 100 Centavos).
Die Währung wird von der Nationalbank ausgegeben. Alle kubanischen Banken
wurden 1960 verstaatlicht.
Außenhandel
Zucker
und Zuckerprodukte machen rund 75 Prozent des kubanischen Jahresexportes
aus. Zu den wichtigen Importwaren zählen Lebensmittel, fossile Brennstoffe,
Maschinen und Verbrauchsgüter. Bis Anfang der sechziger Jahre waren die USA der
wichtigste Handelspartner. Nach dem Handelsembargo (1960) wurde der Außenhandel
zum überwiegenden Teil mit sozialistischen Ländern abgewickelt, hauptsächlich
mit der Sowjetunion. Die Handelsbilanz ist negativ.
Gewerkschaften
Fast
alle kubanischen Arbeiter sind in der Gewerkschaft Central de Trabajadores de
Cuba (CTC) organisiert, die über drei Millionen Mitglieder hat.
Verkehrswesen
Kuba
besitzt ein Straßennetz von 60 858 Kilometer Länge (1998). Das
Eisenbahnnetz ist 4 667 Kilometer lang (1997). Ende der sechziger und
Anfang der siebziger Jahre vergrößerte Kuba seine Handelsflotte. Die
Sowjetunion und Spanien lieferten Hochseeschiffe und Fischfangkutter. Empresa
Cubana de Aviación, die staatliche Luftverkehrsgesellschaft, bedient sowohl
nationale als auch internationale Strecken.
Geschichte
Christoph
Kolumbus landete am 27. Oktober 1492 während seiner ersten Reise nach
Westen auf der Insel Kuba.
Zu
dieser Zeit lebten die Cibony, etwa 100 000 indianische Ureinwohner, auf
der Insel. Dieser Stamm war mit dem der Arawaken
verwandt. Die europäische Kolonisation der Insel begann 1511, als der Spanier Diego
Velázquez de Cuéllar die Stadt Baracoa gründete. Velázquez gründete
nachfolgend weitere Siedlungen, darunter auch Santiago de Cuba (1514) und Habana
(1515). 1548 wurde das Zuckerrohr auf der Insel eingeführt. Vier Jahre später
löste Habana Santiago de Cuba als Hauptstadt ab. In den folgenden Jahrhunderten
gewann der Tabakanbau immer größere Bedeutung.
Durch
die harten Arbeitsbedingungen, die aus Europa eingeschleppten
Infektionskrankheiten und die Kämpfe mit den spanischen Siedlern wurde die
indianische Bevölkerung nach und nach ausgerottet. Bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts
waren die Ureinwohner nahezu ausgestorben.
Trotz
häufiger Überfälle durch Freibeuter und Marineeinheiten blühte die Insel während
des 16. und 17. Jahrhunderts auf. Ein Jahr nach der Eroberung Habanas durch
die Engländer erhielten diese von den Spaniern Florida im Tausch gegen Kuba.
Nach dem erfolgreichen Sklavenaufstand auf Haïti entwickelte sich Kuba zum
wichtigsten Zuckeranbaugebiet der Karibik. Die Intensivierung des Zuckeranbaus führte
zu einer Steigerung des Sklavenimports aus Afrika. Mit Hilfe der Sklaven wurde
Kuba zu einem der bedeutendsten Zuckerproduzenten der Welt.
Um
1830 entstand bei den Siedlern eine Unabhängigkeitsbewegung. Diese Bewegung
gewann besonders zwischen 1834 und 1838 an Boden, als General Miguel de Tacón
das Land diktatorisch regierte. Aufstände und Verschwörungen gegen das
spanische Regime beherrschten das politische Leben Kubas während des restlichen
Jahrhunderts. 1844 wurde ein Aufstand schwarzer Sklaven brutal niedergeworfen.
1868 riefen Revolutionäre unter der Führung von Carlos Manuel de Céspedes die
Unabhängigkeit Kubas aus. Der darauf folgende Kubanisch-Spanische
Krieg war sowohl für Spanien als auch für Kuba ein kostspieliges
Unternehmen. Er wurde 1878 durch einen Waffenstillstand beendet, der den
Kubanern viele Zugeständnisse machte. Kuba blieb jedoch ohne echte Autonomie.
1886
wurde die Sklaverei abgeschafft.
Unabhängigkeit
Obwohl
nach der Revolte bestimmte Reformen in Angriff genommen wurden, unterdrückte
die spanische Regierung weiterhin die Bevölkerung. Am 23. Februar 1895
begann unter der Führung des Schriftstellers und Patrioten José
Martí sowie des Generals Máximo Gómez y Báez der Freiheitskampf erneut.
Die US-Regierung intervenierte aufseiten der Revolutionäre im April 1898 und löste
so den Spanisch-Amerikanischen
Krieg aus. Im Pariser Frieden, der am 10. Dezember 1898 unterzeichnet
wurde, entließ Spanien Kuba in die Unabhängigkeit. Eine amerikanische Militärregierung
regierte die Insel bis zum 20. Mai 1902. Kuba erhielt in diesem Jahr den
Status einer Republik, musste aber den USA ein Interventionsrecht einräumen. Tomás
Estrada Palma wurde der erste Präsident der Republik. Die Insel geriet
wirtschaftlich völlig unter die Kontrolle der USA. Die Vereinigten Staaten
wurden zum Hauptabnehmer für kubanischen Zucker und Tabak. 1903 richteten die
USA zwei Militärstützpunkte auf der Insel ein.
Wiederholte
Fälle von Betrug und Korruption in der kubanischen Politik führten zu inneren
Unruhen. Der erste einer Reihe von Aufständen gegen die konservative Kontrolle
der Republik erhob sich im August 1906. Im folgenden Monat schickte die
US-Regierung Truppen auf die Insel. Bis 1909 blieb Kuba unter US-Herrschaft. Ein
weiterer Aufstand ereignete sich 1912 in der Provinz Oriente. Die USA
intervenierten erneut. Mit der Wahl von Mario García Menocal zum Präsidenten
im selben Jahr kam die konservative Partei wieder an die Macht. Am 7. April
1917 trat Kuba aufseiten der Alliierten in den 1. Weltkrieg ein.
Wachsende
Instabilität
Zunehmende
wirtschaftliche Schwierigkeiten kennzeichneten die Situation des Landes nach dem
1. Weltkrieg. Gerardo
Machado y Morales wurde im November 1924 zum Präsidenten gewählt. Er
lenkte das Land mit diktatorischen Maßnahmen. Während seiner Amtszeit
verschlechterten sich die wirtschaftlichen Bedingungen rapide. Die
Weltwirtschaftskrise 1929 hatte verheerende Auswirkungen auf die monokulturell
ausgerichtete Wirtschaft des Landes; weite Teile der Bevölkerung verarmten. Ein
Aufstand im August 1933, den auch die kubanische Armee unterstützte, zwang ihn
ins Exil. Dem Sturz Machados folgte eine lange Phase innerer Unruhen. Gegen Präsident
Miguel Mariano Gómez sprach der Senat, der von Fulgencio
Batista y Zaldívar geführt wurde, sein Misstrauen aus. Mit Unterstützung
Batistas, Chef der kubanischen Armee und inoffizieller Diktator Kubas, setzte
der neue Präsident, Federico Laredo Brú, ein Programm sozialer und
wirtschaftlicher Reformen in Kraft. Batista gewann 1940 die Präsidentschaftswahlen
gegen Ramón
Grau San Martín. Die Verkündung einer neuen Verfassung im Jahre 1940 trug
weiter zur Verminderung der politischen Spannungen bei.
Die
Präsidentschaftswahlen von 1944 gewann Grau San Martín als Kandidat einer
breiten Parteienkoalition. Sein erstes Amtsjahr war durch wiederkehrende Krisen,
u. a. aufgrund weit verbreiteter Lebensmittelknappheit, gekennzeichnet. Im
folgenden Jahr konnte er in Verhandlungen mit der US-Regierung höhere
Zuckerpreise erzielen und gewann so wieder an Popularität. 1948 trat Kuba der Organisation
der Amerikanischen Staaten (OAS) bei.
Durch
Schwankungen der Weltzuckerpreise und eine steigende Inflation war die
politische Situation in der Nachkriegszeit instabil. Carlos Prio Socarrás, ein
Mitglied der Auténtico-Partei und Kabinettsminister unter Grau San Martin,
wurde im Juni 1948 zum Präsidenten gewählt. Es gelang ihm jedoch nicht, die
Inflation aufzuhalten: Die Lebenshaltungskosten stiegen weiter. Unruhen und
Gewalt beherrschten die politische Lage des Landes.
Das
Batista-Regime
Im
März 1952 ergriff der frühere Präsident Batista mit Hilfe der Armee die
Macht. Er setzte die Verfassung außer Kraft, löste den Kongress auf und
bildete eine Übergangsregierung. Nachdem er einen Aufstand in der Provinz
Oriente niedergeschlagen hatte, der von einem jungen Anwalt namens Fidel
Castro am 26. Juli 1953 angeführt wurde, schien sich das Regime zu
behaupten. Als sich die politische Lage beruhigt hatte, verkündete die
Batista-Regierung, dass Ende 1954 Wahlen stattfinden würden. Batistas Gegner,
Grau San Martín, zog sich kurz vor der Wahl aus dem Wahlkampf zurück. Batista
wurde ohne echten Gegenkandidaten wieder gewählt. Nach seinem Amtsantritt am
24. Februar 1955 ließ er die politischen Gefangenen frei. Castro ging nach
seiner Zeit im Gefängnis ins Exil: zunächst in die Vereinigten Staaten und später
nach Mexiko.
Mitte
der fünfziger Jahre führte die Regierung ein Programm zur
Wirtschaftsentwicklung ein. Zusammen mit der Stabilisierung des
Weltzuckerpreises verbesserte es die wirtschaftliche und politische Situation
Kubas. Am 2. Dezember 1956 kehrte Castro mit rund 80 Gefolgsleuten,
darunter Che
Guevara, nach Kuba zurück. Von der Sierra Maestra aus führten sie einen
Guerillakrieg gegen das Batista-Regime. Castro organisierte die Bewegung des
26. Juli, in Gedenken an den Aufstand von 1953. In den folgenden Jahren
gewannen Castros Guerillatruppen beträchtlichen Zuspruch in der Bevölkerung.
Am 17. März 1958 rief Castro zu einer allgemeinen Revolte auf. Daraufhin
trat Batista schließlich am 1. Januar 1959 zurück und floh aus dem Land.
Es wurde eine Übergangsregierung gebildet, und Castro, der das Amt ursprünglich
abgelehnt hatte, wurde Mitte Februar Ministerpräsident. Frühere Batista-Verbündete
wurden vor ein Militärtribunal gestellt: 550 von ihnen wurden hingerichtet.
Kuba unter
Castro
Castro
leitete sofort die Verstaatlichung von Landwirtschaft und Industrie (auch
US-Unternehmen) ein. Die Oberschicht des Landes wanderte ab. Die Gesetze zur
Agrarreform, die im ersten Jahr erlassen wurden, beeinträchtigten die
Zuckergeschäfte der Vereinigten Staaten.
Bruch mit
den Vereinigten Staaten
Als
die Castro-Regierung 1960 amerikanische Vermögenswerte von schätzungsweise
einer Milliarde US-Dollar enteignete, reagierte Washington mit der Verhängung
eines Handelsembargos. Im Januar 1961 wurden alle diplomatischen Beziehungen
abgebrochen. Am 17. April desselben Jahres landeten konterrevolutionäre
Exilkubaner, die von den USA unterstützt und ausgebildet worden waren, im Süden
Kubas. Die Invasion
in der Schweinebucht scheiterte; 90 Eindringlinge wurden getötet und
rund 1 200 gefangen genommen. Die Gefangenen wurden mit Hilfe der
US-Regierung 1962 für rund 53 Millionen US-Dollar in Form von
Lebensmitteln und Medizin freigekauft.
Die
Kuba-Krise
Das
verhängte Handelsembargo beschleunigte die wirtschaftliche und militärische
Annäherung Kubas an die Sowjetunion. Die Stationierung sowjetischer Raketen auf
Kuba führte im Herbst 1962 an den Rand des 3. Weltkrieges (Kubakrise). Der
amerikanische Präsident John
F. Kennedy verkündete eine Seeblockade der Insel, um weitere
sowjetische Waffenlieferungen zu unterbinden. Nach zähen Verhandlungen stimmte
der sowjetische Ministerpräsident Nikita
Chruschtschow am 28. Oktober zu, die Waffen zu demontieren und
abzuziehen. Die Beziehungen zwischen den USA und Kuba blieben feindlich gesinnt.
Die Schweizer Botschaft in Kuba übernahm eine Mittlerrolle zwischen beiden
Regierungen. 1965 einigte man sich darauf, dass kubanische Staatsangehörige,
die das Land verlassen wollten, in die USA auswandern durften. Über 260 000 Menschen
verließen das Land, bevor die Luftbrücke im April 1973 offiziell beendet
wurde.
Trotz
verschiedener Anstrengungen Kubas, die amerikanischen Streitkräfte aus ihrem
Marinestützpunkt in Guantánamo
Bay zu verdrängen, blieb der Stützpunkt bestehen.
Zeit der
Isolation
Die
von Castro verfolgte Politik isolierte Kuba von Lateinamerika. Das Land wurde
1962 aus der OAS (Organization of American States) ausgewiesen. Während
der sechziger Jahre unterstützte Kuba Aufstände in Venezuela, Guatemala und
Bolivien. Che Guevara führte 1967 in Bolivien eine Guerillatruppe an. Er wurde
gefangen genommen und hingerichtet.
Kuba
war weiterhin in großem Maß von der Wirtschaftshilfe der Sowjetunion und deren
Blockstaaten abhängig. 1972 unterzeichnete Kuba verschiedene
Wirtschaftsabkommen mit der UdSSR. Kuba wurde Mitglied im Rat
für gegenseitige Wirtschaftshilfe (COMECON).
Der
erste Kongress der kubanischen Kommunistischen Partei wurde Ende 1975
abgehalten. Im folgenden Jahr wurde eine neue Staatsverfassung angenommen. Neben
anderen Bestimmungen wurde auch die Zahl der Provinzen von sechs auf 14 erhöht
und eine indirekt gewählte Nationalversammlung geschaffen. Diese trat im
Dezember 1976 zu ihrer ersten Sitzung zusammen und wählte Castro zum Staats-
und Regierungschef.
Internationale Rolle
Mitte
der siebziger Jahre löste sich Kuba aus der diplomatischen Isolation. In San
José (Costa Rica) verabschiedete die OAS im Juli 1975 eine Resolution, die
bewirkte, dass das Handelsembargo aufgehoben wurde. Die Beziehungen zu den
Vereinigten Staaten verbesserten sich langsam; die USA warnten Kuba jedoch, dass
die Beziehungen erst normalisiert werden könnten, wenn die US-Ansprüche auf
verstaatlichtes Vermögen geregelt seien. Weiterhin forderte die US-Regierung,
dass Kuba seine Aktivitäten auf dem afrikanischen Kontinent beenden sollte.
Die
kubanische Anwesenheit in Afrika begann Mitte der sechziger Jahre. 1975
engagierten sich kubanische Truppen in Angola und Äthiopien. 1980 hatte Kuba
seine Aktivitäten bis in den Nahen Osten (Südjemen) ausgeweitet. Trotz der
Beziehungen zur UdSSR war Kuba 1979 Gastgeber für das Treffen der blockfreien
Staaten. Castro wurde für drei Jahre zum Führer des Staatenbündnisses gewählt.
1980
lockerte Castro vorübergehend die Ausreisebeschränkungen. 125 000 Menschen
flohen in die Vereinigten Staaten. Die US-Regierung beschuldigte Kuba, die
linken Rebellen in El Salvador zu unterstützen; weiterhin kritisierte sie das
kubanische Engagement in Nicaragua.
Der
sowjetische Führer Michail Gorbatschow besuchte im April 1989 Habana. Die UdSSR
und Kuba unterzeichneten einen 25-jährigen Freundschaftsvertrag. Castro lehnte
jedoch ausdrücklich die Anwendbarkeit politischer und wirtschaftlicher Reformen
nach sowjetischem Muster für sein Land ab. Im Juli wurden vier Armeeoffiziere
hingerichtet und zehn weitere zu Gefängnisstrafen verurteilt (offizielle Begründung:
illegaler Drogenhandel).
Nach
dem Zusammenbruch der Sowjetunion und dem Wegfall sowjetischer Wirtschaftshilfe
fiel das Land in eine schwere Wirtschaftskrise. Seit 1986 verfolgte Castro eine
Politik, die im Gegensatz zur sowjetischen Reformpolitik die Rücknahme
privatwirtschaftlicher Initiativen vorsah.
Nachdem
die Vereinigten Staaten ihre Sanktionen gegen Kuba noch verschärft hatten,
billigte die Vollversammlung der Vereinten Nationen im November 1992 eine
Resolution, die das Ende des US-Embargos forderte. Bis 1993 waren alle
sowjetischen Truppen, die während der Kubakrise nach Kuba entsandt worden
waren, abgezogen.
1993
und 1994 gab es weitere Flüchtlingswellen. Tausende riskierten die lebensgefährliche
Überfahrt zum amerikanischen Festland. Die US-Regierung errichtete Flüchtlingslager
in Guántanamo Bay und auf benachbarten Inseln. Aufgrund der enorm hohen Flüchtlingszahlen
verschärfte die US-Regierung Mitte 1994 erneut ihre Sanktionen gegen Kuba.
Ende
Februar 1996 wurden zwei US-amerikanische Kleinflugzeuge, die in kubanisches
Hoheitsgebiet vordrangen, von Abfangjägern abgeschossen. Die vier sich an Bord
befindenden Exilkubaner kamen dabei ums Leben. Daraufhin verschärften die USA
die Wirtschaftssanktionen gegen Kuba.
Bei
den Parlamentswahlen vom Januar 1998 wurde die kubanische Führung bestätigt. Für
jeden Sitz im Parlament hatte es nur einen Kandidaten gegeben. Durch im Laufe
des Jahres 1999 verabschiedete Gesetze wurde das Strafrecht erheblich verschärft.
"Kuba (Staat)," Microsoft® Encarta® Online Encyclopedia 2001
http://encarta.msn.com © 1997-2001 Microsoft Corporation. All rights reserved.