Ägypten
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Ägypten,
amtlich Arabische Republik Ägypten (zwischen 1958 und 1971 Vereinigte Arabische
Republik), Republik im Nordosten Afrikas. Ägypten grenzt im Norden an das Mittelmeer,
im Osten an Israel und das Rote
Meer, im Süden an die Republik Sudan
und im Westen an Libyen.
Der östliche Teil der Grenze zur Republik Sudan ist umstritten. Ägypten
umfasst im Nordosten auch die vom Suezkanal
durchschnittene Landbrücke nach Asien mit der Halbinsel
Sinai. Die Gesamtfläche des Landes beträgt 997 739 Quadratkilometer.
Die Hauptstadt von Ägypten ist Kairo.
Land
Die
maximalen Ausdehnungen des Staates betragen in Nord-Süd-Richtung etwa 1 100 Kilometer
und in Ost-West-Richtung etwa 1 250 Kilometer.
Physische
Geographie
Ägypten
lässt sich in fünf naturräumliche Einheiten gliedern; dies sind die Libysche
Wüste im Westen, die Arabische
Wüste im Osten, das vom Nil
in das Wüstenplateau eingeschnittene Niltal, das etwa 22 000 Quadratkilometer
große Nildelta nördlich von Kairo sowie die von den Meeresarmen Golf
von Suez und Golf
von Akaba umschlossene Halbinsel Sinai.
Weniger
als 10 Prozent der Staatsfläche Ägyptens sind besiedelt oder werden
landwirtschaftlich genutzt. Bei diesen Gebieten handelt es sich um das Niltal,
das Nildelta sowie um verschiedene Oasen in den ausgedehnten Wüsten. Die Breite
des Niltals nimmt in Richtung der Mündung zu; sie beträgt zwischen einem
Kilometer in der Nähe von Assuan und mehr als 20 Kilometern südlich von
Kairo. Mehr als 90 Prozent des Landes bestehen aus Wüstengebieten; dazu
gehören die Libysche Wüste im Westen, ein Teil der Sahara,
sowie die Arabische Wüste (auch als Östliche Wüste bezeichnet), die im Osten
durch das Rote Meer und den Golf von Suez begrenzt wird.
Bei
der Libyschen Wüste (auch als Westliche Wüste bezeichnet) handelt es sich um
eine ausgedehnte Sandwüste, für die häufig auch der Name „Großes
Sandmeer" verwendet wird und die etwa zwei Drittel der gesamten Staatsfläche
einnimmt. Hier befinden sich mehrere Senken, die unterhalb des Meeresspiegels
liegen. Dazu gehört die Kattarasenke (Munkhafad
al-Quattarah) mit einer Fläche von etwa 19 425 Quadratkilometern,
die bis 133 Meter unter Meereshöhe reicht und damit den tiefsten Punkt des
afrikanischen Kontinents markiert. In der Libyschen Wüste liegen auch die Oasen
Siwa, El Kharga, El Bahariya, Farafra und Dakhla.
Der
größte Teil der Arabischen Wüste wird von einem Plateau eingenommen, das allmählich
vom Nil aus nach Osten hin ansteigt und dessen zerklüftete Gipfel nahe dem
Roten Meer Höhen von mehr als 2 000 Metern über dem Meeresspiegel
erreichen. Zur Küste am Roten Meer hin fällt das Gebiet östlich des Nil steil
ab. Die Arabische Wüste ist der westliche Teil einer ausgedehnten Aufwölbungszone,
deren zentraler Teil während der geologischen Periode des Tertiär
einbrach und heute den Graben des Roten Meeres bildet.
Im
äußersten Süden nahe der Grenze zur Republik Sudan erstreckt sich die Nubische
Wüste, eine ausgedehnte Sandwüste. Auch der Norden der Sinai-Halbinsel
wird von Sandwüste eingenommen. Im südlichen Teil der Sinai-Halbinsel befindet
sich mit dem 2 637 Meter hohen Djebel Katrinah (Gebel Katharina) die höchste
Erhebung in Ägypten. Auch der Berg
Sinai liegt auf dieser Halbinsel, wo laut Altem Testament Moses
die Zehn
Gebote in Empfang nahm. Durch den Suezkanal besteht eine Verbindung zwischen
Mittelmeer und Rotem Meer.
Flüsse
und Seen
Der
Nil durchfließt Ägypten von der Republik Sudan kommend auf einer Länge von
circa 1 545 Kilometern in nördlicher Richtung bis zu seiner Mündung
in das Mittelmeer. Die Gesamtlänge des Flusses beträgt 6 671 Kilometer.
Von der Südgrenze des Landes bis nach Kairo fließt der Nil durch ein nach
Norden breiter werdendes Tal. Südlich der Stadt Idfu ist das Niltal kaum mehr
als drei Kilometer breit, zwischen Idfu und Kairo weitet es sich auf etwa 23 Kilometer.
Im Grenzgebiet zwischen Ägypten und der Republik Sudan liegt der Nassersee,
zu dem der Nil durch den Bau des Assuan-Hochdammes
aufgestaut wurde, um die Abflussmengen zu steuern. Der See ist etwa 480 Kilometer
lang und maximal 16 Kilometer breit. Der überwiegende Teil des Sees liegt
auf ägyptischem Staatsgebiet.
Der
Großteil der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche befindet sich am Westufer des
Flusses. Nördlich von Kairo bildet der Fluss ein ausgedehntes Delta
mit zahlreichen Kanälen und Mündungsarmen, das am Mittelmeer etwa 250 Kilometer
breit ist. Die beiden wasserreichsten Mündungsarme heißen Rosette (arabisch Rashid)
und Damiette (arabisch Dumyat). Aufgrund der früher großen Mengen von
den Flussarmen abgelagerten Schlammes ist diese Region die fruchtbarste des
Landes. Durch den Assuan-Hochdamm wird die mittlere Abflussmenge des Nil
herabgesetzt, wodurch mehrere Ernten im Jahresverlauf möglich sind. Die ökologischen
Auswirkungen der schwerwiegenden Eingriffe in den Naturhaushalt des Niltals sind
drastisch. Die überaus hohe Verdunstung des Stausees kann das lokale Klima
beeinträchtigen. Die Regulierung der Wasserführung verschlechtert die
Bodenqualität, da die Überflutung der ufernahen Bereiche mit fruchtbarem
Nilschlamm ausbleibt. Im küstennahen Deltagebiet ist die Versalzung des Bodens
ein bedeutendes Problem. Außerdem ging die Fischerei im Mündungsbereich wegen
der Nährstoffverarmung des Nilwassers zurück.
In
der Nähe der Küste befinden sich im Deltagebiet vier flache Brackwasserseen.
Ein weiterer größerer See, Birkat Qarun, liegt am Rand der Libyschen Wüste nördlich
der Stadt El Faiyum (Faijum). Geographisch lässt sich das Niltal in zwei
Regionen einteilen: Oberägypten und Unterägypten. Mit Unterägypten wird im
Allgemeinen das Deltagebiet bezeichnet, mit Oberägypten das Niltal südlich von
Kairo.
Die
Länge der ägyptischen Meeresküsten beträgt zwar rund 2 450 Kilometer
– zwei Drittel davon am Roten Meer –, die zur Anlage von Häfen geeigneten
Buchten beschränken sich aber auf das Deltagebiet des Nil. Der Isthmus
von Suez, der die Sinai-Halbinsel mit dem afrikanischen Festland verbindet,
wird vom Suezkanal
durchschnitten, der das Mittelmeer mit dem Golf von Suez verbindet. Anfang 1997
wurde ein ehrgeiziges Kanalbauprojekt gestartet. Dabei soll Wasser des Nil zu
vier Oasen in der Libyschen Wüste geleitet werden. Präsident Mubarak verglich
das Milliardenprojekt mit dem Bau des Assuan-Staudammes.
Klima
Die
Lage Ägyptens im subtropischen Trockengürtel bewirkt regenarmes Klima mit heißen
Sommern und milden Wintern. Der überwiegende Teil Ägyptens ist klimatisch
durch lang anhaltende Trockenheit und ganzjährig hohe Sonneneinstrahlung geprägt.
Im nördlichen Teil des Landes herrscht das für den Mittelmeerraum typische
Winterregenklima. Der Küstenstreifen am Mittelmeer und das Nildelta erhalten während
der kalten Jahreszeit Niederschläge, deren Jahressumme jedoch meist 200 Millimeter
unterschreitet. Hier liegen auch die regenreichsten Gebiete des Landes. Nur
vereinzelt bringen Kaltlufteinbrüche von Norden her Niederschläge bis weit in
das Landesinnere. Südlich von Kairo regnet es demgegenüber sehr selten, in
vielen Regionen können Niederschläge auch über mehrere Jahre ausbleiben.
Die
mittlere Januartemperatur liegt in Kairo bei 12 °C, die des Juli bei 27 °C.
Nach Süden hin steigen die Temperaturen; in Assuan betragen die Werte 15 °C
im Januar und 32 °C im Juli. In den Wüstengebieten kommt es zu extremen
Temperaturunterschieden zwischen Tag und Nacht. Die Tageshöchstwerte können
mehr als 50 °C erreichen; nachts sinken die Werte häufig auf unter 5 °C.
Flora und Fauna
Aufgrund
der überwiegend trockenen Bedingungen und der intensiven landwirtschaftlichen
Nutzung setzt sich die Flora weitgehend aus Kulturpflanzen zusammen.
Vegetationsreich sind in Ägypten vor allem Nildelta, Niltal und Oasen. Die am
weitesten verbreitete Baumart ist die Dattelpalme. Zu den wenigen einheimischen
Bäumen zählen ferner Maulbeerbäume, Tamarisken,
Akazien und Johannisbrotbäume.
Daneben wurden Baumarten eingeführt, die ursprünglich nicht in Ägypten
beheimatet waren. Dazu gehören Zypressen, Ulmen, Eukalyptus, Mimosen und
verschiedene Obstbäume. Auf den Schwemmlandböden insbesondere des Deltagebiets
gedeiht eine vielfältige Pflanzenwelt, die auch Weinreben, verschiedene Gemüse
und Blumen (z. B. Lotos, Jasmin, Rosen) umfasst. Typische Pflanzen in den
Trockengebieten sind Halfagras und verschiedene Dornstraucharten. Die einst an
weiten Teilen des Nilufers wachsende Papyrusstaude
tritt heute nur noch im äußersten Süden des Landes verbreitet auf.
Wegen
des trockenen Klimas gibt es in Ägypten nur wenige einheimische Wildtierarten.
In den Wüstengebieten leben Gazellen, Springmäuse,
Echsen und Skorpione; vor allem im Deltagebiet sowie in den Bergen entlang des
Roten Meeres sind Wüstenfüchse, Hyänen, Schakale, Mungos,
Wildesel und Wildschweine verbreitet. Die im Altertum zahlreichen Krokodile und
Nilpferde finden heute nur noch am Oberen Nil geeigneten Lebensraum.
Insbesondere im Nildelta und im Niltal gibt es eine große Artenvielfalt an Vögeln.
Dazu gehören Nektarvögel,
verschiedene Reiher (u. a. Silber-, Seiden-, Küsten-, Nacht- und
Kuhreiher), Dommeln, Löffler,
Pelikane, Flamingos, Kragentrappen,
Wiedehopfe und Limikolen wie Regenpfeifer, Rennvögel und Schnepfen. Zu den
Greifvögeln zählen u. a. Gleitaar, Lanner- und Wüstenfalke, Geier (Bart-
und Schmutzgeier) sowie Adler (Stein-, Schell-, Habichts- und Fischadler). Im
Nil und in den Seen des Deltagebiets leben etwa 100 verschiedene Fischarten.
Bevölkerung
Die
Einwohnerzahl Ägyptens beträgt etwa 68,5 Millionen (2000). Fast 99 Prozent
der Bevölkerung leben im Gebiet des Niltales, das weniger als 4 Prozent
der gesamten Staatsfläche umfasst. Die durchschnittliche Bevölkerungsdichte
liegt bei 69 Einwohnern pro Quadratkilometer. Die Siedlungsdichte im Niltal
nimmt von Norden nach Süden ab. Das Nildelta gehört zu den am dichtesten
besiedelten Gebieten der Welt. Die Bevölkerung Ägyptens wächst rasch an; das
jährliche Bevölkerungswachstum liegt bei 1,78 Prozent. Die
durchschnittliche Lebenserwartung beträgt bei Männern 60,7 Jahre, bei
Frauen 64,8 Jahre (2000).
Die
meisten Ägypter stammen von der hamitosemitischen Völkergruppe ab, die schon
das alte Ägypten besiedelte und sich mit den Arabern,
die das Gebiet im 7. Jahrhundert n. Chr. erobert hatten, vermischte.
Daneben finden sich insbesondere in Unterägypten Elemente anderer Eroberervölker
wie der Griechen, der Römer und der Türken. Aufgrund dieser ethnischen
Vielfalt weisen die Bewohner des Niltales andere Merkmale auf als die anderen
Mittelmeervölker der Region. Das Volk der Nubier bildet eine bedeutende
Minderheit in den südlichen Landesteilen. Einige nomadische und halbnomadische
Hirtenvölker, insbesondere die Beduinen,
leben weiterhin in den Wüstengebieten, wo sie ihre alten Traditionen und
Sozialstrukturen weitgehend erhalten haben.
Wichtige Städte
Etwa
45 Prozent der ägyptischen Bevölkerung leben in Städten (1998).
Hauptstadt des Landes ist Kairo mit einer Einwohnerzahl von circa 6,79 Millionen
Einwohnern (1998) und rund 15 Millionen in der Agglomeration. Weitere
bedeutende Städte sind: Alexandria
(3,33 Millionen), die wichtigste Hafenstadt, Gise
(4,78 Millionen), ein Industriezentrum in der Nähe von Kairo, Port
Said an der Mittelmeereinfahrt in den Suezkanal (469 000) und Suez
(417 000), die Stadt am Südende des Kanals.
Sprache
Die
Amtssprache ist Arabisch.
In einigen Oasenstädten im Westen werden auch Berbersprachen
gesprochen. Als Handelssprachen sind Englisch und Französisch verbreitet.
Religion
Der
Islam
ist Staatsreligion; die Verfassung garantiert jedoch die freie Religionsausübung.
Etwa 90 Prozent der Ägypter sind sunnitische
Muslime. Nach den offiziellen ägyptischen Schätzungen stellen die christlichen
Kopten
mit weniger als drei Millionen Gläubigen die größte religiöse Minderheit;
die koptische Kirche selbst gibt die Zahl ihrer Mitglieder mit sieben Millionen
an. Weniger als 1 Prozent der Bevölkerung gehört der
griechisch-orthodoxen, der katholischenoder der armenischen Kirche bzw.
verschiedenen protestantischen Kirchen an. Daneben gibt es eine kleine jüdische
Gemeinde.
Soziales
Trotz
gewaltiger Fortschritte im Gesundheitswesen sind insbesondere die ländlichen
Gebiete immer noch eine krasse medizinisch oft noch unterversorgt. Seit den
sechziger Jahren wurden vom Gesundheitsministerium Anstrengungen unternommen, um
in abgelegenen Gebieten so genannte Gesundheitseinheiten für jeweils 15 000
bis 20 000 Menschen zu schaffen. Ziel dieser Zentren ist die
Koordination der medizinischen, schulischen, sozialen und landwirtschaftlichen
Betreuung durch Dorfräte. Es wurden große Erfolge bei der Bekämpfung von Cholera,
Pocken
und Malaria
erzielt. Krankheiten wie die Bilharziose
sind dagegen immer noch weit verbreitet. 1959 wurde ein
Sozialversicherungssystem eingeführt, das seitdem permanent ausgebaut wurde.
Ein
großes Problem stellt das Bevölkerungswachstum dar, inklusive der Remigration
hinzu: Vor allem während der vergangenen Jahre kehrten viele im Ausland –
vornehmlich im Irak und in Kuwait – arbeitende Ägypter in ihre Heimat zurück.
Um die zunehmende Ausbreitung des Großraumes Kairo zu verlangsamen, wurden während
der letzten Jahrzehnte mehrere so genannte Entlastungsstädte im Umland
der Hauptstadt angelegt.
Bildung
und Schulwesen
Die
Dauer der Schulpflicht in Ägypten beträgt 8 Jahre (1998); der Besuch der
Schule ist kostenlos. Nach der Grundschule besuchen die Kinder entweder eine
allgemein bildende oder berufsbildende Sekundarschule, die auf eine weiterführende
Schule oder einen technischen bzw. landwirtschaftlichen Berufsabschluss
vorbereitet. Die weiterführenden Schulen fächern sich in ähnlicher Weise in
vier unterschiedliche Schultypen auf, deren Lehrpläne darauf abzielen, die Schüler
auf die Universität oder den Besuch einer Fachhochschule vorzubereiten. Der
Alphabetisierungsgrad beträgt 55,3 Prozent (2000). Das traditionelle
Geschlechterrollenverständnis ist die wesentliche Ursache dafür, dass der
Alphabetisierungsgrad der weiblichen Bevölkerung (43,7 Prozent) weit
hinter dem der Männer (66,6 Prozent) liegt .
In
Ägypten gibt es 13 Universitäten. Die 970 n. Chr. gegründete
islamische Al-Azhar-Universität
ist die älteste Hochschule der Welt, die ihren Vorlesungsbetrieb bis zum
heutigen Tag ohne Unterbrechung aufrechterhalten hat. 1961 wurden neben dem
bestehenden Lehrstuhl für Islamstudien auch noch Fakultäten für Medizin,
Betriebswirtschaft und Landwirtschaft gegründet. Seit 1962 sind auch Frauen zum
Studium zugelassen. Die 1950 gegründete Ayn-Shams-Universität in Kairo wird
von etwa 100 000 Studenten, die Universität Kairo (1908) von mehr als
76 000 Studenten besucht. Zu den weiteren führenden Universitäten
gehören die Universität von Alexandria (1942), die Universität Asyut (1957)
und die Amerikanische Universität in Kairo (1919). Daneben gibt es zahlreiche
Fachhochschulen sowie Kunst- und Musikakademien.
Kultureinrichtungen
Seit
Beginn der sechziger Jahre widmen sich zwei staatliche Tanzgruppen dem
Volkstanz. Ägypten ist das Land mit der größten Filmindustrie der arabischen
Welt. Es gibt ein staatliches Filmunternehmen sowie zahlreiche private
Produktionsfirmen. Zu den zahlreichen hervorragend ausgestatteten Museen in
Kairo gehört das Ägyptische
Museum mit seinen reichhaltigen Sammlungen aus beinahe sämtlichen Epochen
des alten Ägypten.
Kunst
Das
Land verfügt über ein reichhaltiges kulturelles Erbe (siehe ägyptische
Kunst und Architektur; ägyptische
Literatur).
Medien
Ägypten
hat das fortschrittlichste Pressewesen in der gesamten arabischen Welt. Kairo
ist das größte Verlagszentrum im Nahen Osten. Sämtliche Zeitungen und
Zeitschriften stehen unter Kontrolle des Staates; der auch Miteigentümer sämtlicher
Verlage ist. Die einflussreichste Zeitung ist die amtliche, regierungsnahe Al-Ahram
(tägliche Auflage 900 000). Die Gesamtauflage der 17 Tageszeitungen
des Landes beträgt mehr als 3,1 Millionen Exemplare. Im Mai 1995 wurde ein
neues Pressegesetz verabschiedet, dem zufolge die Verleumdung von Personen des
öffentlichen Lebens sowie die Veröffentlichung von falschen Informationen mit
Gefängnisstrafen von bis zu fünf Jahren bestraft werden können. Nach Meinung
der oppositionellen Gruppen soll durch dieses Gesetz die Pressefreiheit
drastisch eingeschränkt werden.
Die
1956 gegründete ägyptische Nachrichtenagentur Middle East News Agency
ist auch für andere Länder der arabischen Welt tätig. Eine staatliche
Rundfunkgesellschaft bietet Programme in Arabisch, Englisch und Französisch,
aber auch in anderen Sprachen an. Das Fernsehen wurde 1960 eingeführt und steht
unter staatlicher Kontrolle. Das Programmangebot ist auf drei Sender verteilt.
Verwaltung und Politik
Ägypten
ist seit 1953 eine Präsidialrepublik und wird gemäß der am 11. September
1971 in Kraft getretenen Verfassung regiert. Die Verfassung sieht einen
sozialistischen arabischen Staat mit dem Islam als Staatsreligion vor. Daneben
werden die soziale Solidarität, die Chancengleichheit und die staatliche
Kontrolle der Produktionsmittel betont.
Exekutive
Staatsoberhaupt
ist der Präsident, der von der Nationalversammlung nominiert und von der Bevölkerung
in allgemeinen Wahlen auf sechs Jahre bestätigt wird. Er bestimmt die
Richtlinien der Politik und überwacht deren Ausführung. Er kann die
Nationalversammlung auflösen, Kabinettsmitglieder ernennen und entlassen, an
Kabinettssitzungen teilnehmen und Notstandsgesetze erlassen, die aber innerhalb
von 60 Tagen im Rahmen einer Volksabstimmung bestätigt werden müssen. Der
Präsident hat zudem das Recht, mit Billigung der Nationalversammlung den Krieg
zu erklären, Verträge zu ratifizieren, Begnadigungen auszusprechen und
Volksentscheide auszuschreiben. Daneben ist er Oberbefehlshaber der Streitkräfte.
Legislative
Das
ägyptische Parlament, die aus einer Kammer bestehende Nationalversammlung,
setzt sich aus 454 Mitgliedern zusammen; 444 von ihnen werden für eine
Amtszeit von fünf Jahren gewählt, zehn weitere werden vom Präsidenten
ernannt. Bei der Hälfte der Abgeordneten muss es sich um Arbeiter und Bauern
handeln, daneben ist ein bestimmter Prozentsatz der Sitze Frauen vorbehalten. Zu
den Vollmachten der Nationalversammlung gehören die Genehmigung des Haushalts,
die Einsetzung von Untersuchungsausschüssen, die Erhebung von Steuern sowie die
Billigung von Regierungsprogrammen. Das Parlament kann auch dem Kabinett oder
einzelnen Kabinettsmitgliedern das Vertrauen entziehen. Der Nationalversammlung
steht die so genannte Schura zur Seite. Dieses beratende Gremium umfasst
210 Mitglieder, von denen 57 vom Staatspräsidenten ernannt werden.
Judikative
Das
Rechtssystem Ägyptens basiert sowohl auf Elementen der islamischen Scharia
als auch des englischen und französischen Rechts. Die Gerichte sind in mehrere
Kategorien aufgeteilt: Höchste juristische Instanz ist der Oberste Gerichtshof.
Über Verfassungsfragen entscheidet ein Verfassungsgericht. Der Kassationshof
ist das höchste Gericht bei Straf- und Zivilverfahren; er setzt sich aus dem Präsidenten,
41 Vizepräsidenten und 92 Richtern zusammen. Unterhalb des
Kassationshofes gibt es sieben Appellationshöfe, die sich in den wichtigsten
Provinzen befinden. In jeder Provinz befindet sich ein Primary Tribunal für
Straf- und Zivilsachen. Außerdem gibt es auf Kreisebene noch die Summary
Tribunals, die den Primary Tribunals untergeordnet sind und von einem
Einzelrichter geleitet werden.
Kommunalverwaltung
Ägypten
gliedert sich in 26 Provinzen (Gouvernorate), die jeweils von einem
vom Präsidenten ernannten Gouverneur regiert werden. Den Gouverneuren stehen
Provinzversammlungen zur Seite, deren Mitglieder größtenteils gewählt werden.
Der starke Zentralismus in Ägypten soll zugunsten einer größeren
Selbstverwaltung auf regionaler Ebene abgebaut werden.
Politik
Zwischen
1961 und 1977 war die Arabische Sozialistische Union (ASU) als einzige
politische Partei in Ägypten zugelassen. Als 1977 das Mehrparteiensystem eingeführt
wurde, wurde die ASU von verschiedenen neuen Parteien ersetzt. Führende
politische Gruppe ist die Nationaldemokratische Partei (NDP), die in der
Nationalversammlung und in der Schura über eine große Mehrheit verfügt. Zu
den anderen politischen Gruppierungen gehören die (nominell illegale)
fundamentalistisch-islamische Muslimbruderschaft und die linksgerichtete
Sozialistische Partei der Arbeit.
Verteidigung
In
Ägypten besteht für Männer zwischen dem 18. und dem 30. Lebensjahr eine
dreijährige Wehrpflicht. Die Gesamtstärke der Streitkräfte beträgt etwa 450 000 Soldaten
(1998). Das Heer umfasst circa 320 000, die Marine rund 20 000, die
Luftwaffe etwa 30 000 und die Luftabwehr etwa 80 000 Soldaten.
Die Stärke der Reservearmee beträgt etwa 300 000 Soldaten. Während
des Golfkrieges 1991 unterstützte Ägypten die Alliierten mit Truppen.
Wirtschaft
1961
wurde eine Reihe von Gesetzen zur Verstaatlichung der ägyptischen Wirtschaft
erlassen. Der Außenhandel, das Banken- und Versicherungswesen sowie die meisten
Produktionsbetriebe gingen in staatliche Hand über. Zwar blieben
Landwirtschaft, städtischer Immobilienbesitz und bestimmte Produktionsbranchen
weiterhin in Privatbesitz, dieser wurde jedoch mit strengen Auflagen verknüpft.
Ein 1960 durchgesetzter Plan zur wirtschaftlichen Entwicklung sorgte für eine
beträchtliche Ausweitung der Industrieproduktion in den darauf folgenden fünf
Jahren. 1965 folgte diesem Plan ein Siebenjahresplan, der zum Teil aufgrund
ausbleibender ausländischer Investitionen weniger erfolgreich war, 1967 folgte
ein relativ gemäßigter Dreijahresplan. Die im Sechstagekrieg gegen Israel 1967
erlittenen Verluste (siehe Abschnitt „Die Kriege der sechziger Jahre")
sowie die darauf folgende allgemeine wirtschaftliche Krise verzögerten die
gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Die
wirtschaftlichen Schwierigkeiten waren einer der wichtigsten Auslöser für die
Friedenspolitik gegen Ende der siebziger Jahre: Der Staat konnte sich keinen
neuen Krieg mehr leisten. Zwar war gegen Ende der siebziger, Anfang der
achtziger Jahre ein großes Wirtschaftswachstum zu verzeichnen, doch seit dem
Fallen der Ölpreise Mitte der achtziger Jahre und vor allem auch seit der
Golfkrise 1990 befindet sich Ägypten in einer schwierigen wirtschaftlichen
Lage. Mitte der neunziger Jahre beliefen sich die jährlichen
Entwicklungshilfeleistungen auf vier Milliarden US-Dollar. Ägypten reagierte
darauf mit der Privatisierung von mehr als 300 staatlichen Unternehmen und mit
Strukturreformen.
Wesentliche
Einnahmequellen des Landes sind die Erlöse aus dem Export von Erdöl sowie die
Gebühren für die Benutzung des Suezkanals. Darüber hinaus sind auch die Überweisungen
von im Ausland arbeitenden Ägyptern sowie der Tourismus von großer Bedeutung.
Mit Ausnahme der Suezkanalgebühren sind diese Einnahmen jedoch starken
Schwankungen unterworfen. Während der vergangenen Jahre sank die Zahl der in
anderen Ländern arbeitenden Ägypter. Der Preis für Erdöl ist von zahlreichen
politischen und wirtschaftlichen Faktoren abhängig. Terroranschläge
islamischer Extremisten auf Touristen führten wiederholt zu sinkenden
Besucherzahlen.
Das
Bruttoinlandsprodukt
(BIP) beträgt 82 710 Millionen US-Dollar (1998). Hiervon
erwirtschaftete die Dienstleistungsbranche 50,2 Prozent und die Industrie
32,3 Prozent, in der Landwirtschaft wurden 17,5 Prozent erzielt. Aus
diesen Daten lässt sich das BIP pro Einwohner zu 1 350 US-Dollar
errechnen.
Landwirtschaft![]()
Ägypten
ist vorwiegend landwirtschaftlich geprägt; etwa 40 Prozent der erwerbstätigen
Bevölkerung leben von Ackerbau und Viehhaltung. Jedoch ist nur ein kleiner Teil
der Staatsfläche agrarisch nutzbar; die landwirtschaftliche Nutzfläche beschränkt
sich auf nur etwa 3 Prozent. Kultiviert werden das Niltal, das Nildelta und
einige Oasen, die hoch anstehendes Grundwasser für die Bewirtschaftung des
Landes nutzen. Der Grundbesitz wurde durch das Landreformgesetz von 1952
grundlegend umstrukturiert, der individuelle Bodenbesitz wurde auf eine Fläche
von etwa 80 Hektar begrenzt. Diese Fläche wurde 1961 auf etwa 40 Hektar
verringert und 1969 noch einmal auf etwa 20 Hektar halbiert. Die vom Staat
beschlagnahmten Ländereien wurden zwar an die Fellachen
(Kleinbauern) verteilt, doch das wirtschaftliche Gefälle zwischen mittelständischen
Bauern und Fellachen besteht unverändert fort. Auf Betreiben der Regierung
wurde durch Urbarmachung, Bewässerung (insbesondere seit Abschluss der
Bauarbeiten am Assuan-Hochdamm) und den Einsatz moderner Technik (Kunstdünger
und landwirtschaftliche Geräte) die Gesamtfläche des landwirtschaftlich
nutzbaren Landes vergrößert. Der verstärkte Einsatz von Kunstdünger ist seit
dem Ausbleiben der Ablagerung von nährstoffreichem Schlamm nötig.
Das
ägyptische Kulturland gehört zu den ertragreichsten Böden der Welt. Ägypten
ist der weltweit wichtigste Produzent von langfaseriger Baumwolle. Zu den
weiteren wichtigen Anbauprodukten zählen Mais, Zuckerrohr, Weizen, Reis und
Tomaten. Daneben werden Wassermelonen, Hirse, Gerste, Zwiebeln, Gemüse,
Zitrusfrüchte, Mangos, Datteln, Feigen und Wein angebaut. Die Viehhaltung
umfasst vorwiegend Schafe, Ziegen, Esel und Hühner. Darüber hinaus ist die
Zucht von Arbeits- und Lasttieren wie Rindern und Büffeln bedeutend.
Obwohl
auch durch die Regulierung der Wasserführung des Nil in den meisten Regionen
mehrere Ernten im Jahr möglich sind, kann der Agrarsektor den Bedarf der
heimischen Bevölkerung an Grundnahrungsmitteln nicht decken. Trotz
systematischer Ausweitung des Kulturlandes sind nach wie vor hohe Importe von
Nahrungsmitteln notwendig.
Fischerei
In
Ägypten gibt es eine bedeutende Fischereiindustrie. Zu den fischreichsten Gewässern
gehören die flachen Seen im Deltagebiet, der See Birkat Qarun und das Rote
Meer. Die früher ergiebigen Sardinenschwärme entlang der Mittelmeerküste sind
seit der Fertigstellung des Assuan-Hochdammes und den nachfolgenden ökologischen
Veränderungen größtenteils verschwunden.
Bergbau
Ägypten
verfügt über zahlreiche Bodenschätze. Heute spielt vor allem die Förderung
von Erdöl eine große Rolle. Erdöl und dessen Produkte gehören zu den
wichtigsten Exportgütern des Landes (der Anteil am Export lag 1996 bei nahezu
48 Prozent). Bedeutende Ölvorkommen gibt es z. B. in den Küstenregionen
des Roten Meeres, in El Alamein am Mittelmeer und auf der Sinai-Halbinsel.
Die durchschnittliche Jahresfördermenge liegt bei etwa 46 Millionen Tonnen
Erdöl. Daneben werden jährlich etwa 13,9 Milliarden Kubikmeter Erdgas gefördert
(1998). Weitere Bodenschätze sind beispielsweise Phosphate, Manganerz, Eisenerz
und Titan. 1991 wurde in der Umgebung der Stadt Assuan mit dem Abbau von Uranerz
begonnen.
Industrie
Im
Vergleich zu anderen Ländern Afrikas ist die Industrialisierung Ägyptens
relativ fortgeschritten. Rund ein Fünftel (um 20 Prozent) aller Erwerbstätigen
ist in der Industrie beschäftigt und erzielt knapp 22 Prozent des
Bruttoinlandproduktes. Neben der Erdölförderung sowie der Erdölverarbeitung zählen
vor allem die Textil- und die Metallindustrie zu den wichtigen Industriezweigen
des Landes. Die Produktion konzentriert sich dabei auf die Ballungsgebiete im
Nildelta, vorwiegend Kairo und Alexandria.
Zu
den industriellen Erzeugnissen des Landes gehören z. B. Erdölprodukte,
Baumwollgarn, Jutegarn und -stoffe, Wollgarn, Metallerzeugnisse, Schwefelsäure,
Stickstoffdünger, Papier, Zement, Autoreifen sowie Fernsehgeräte. Zu den
kleineren Gewerbebetrieben mit gesamtwirtschaftlicher Bedeutung gehören
Gerbereien, Brauereien, keramische Werkstätten und Parfümfabriken.
Währung
und Bankwesen
Die
offizielle Währung ist das Ägyptische Pfund zu 100 Piaster. Die 1961 gegründete
Ägyptische Zentralbank kontrolliert die Bankgeschäfte der Regierung, die
Privatbanken sowie die Zentralnotenbank. Es gibt mehr als 200 inländische und
ausländische Banken.
Außenhandel
Die
Handelsbilanz Ägyptens ist negativ. Die Ausgaben für die Einfuhr von Gütern
übersteigen bei weitem die Erträge durch den Export. Allein 1996 importierte
Ägypten Güter im Wert von mehr als 19 Milliarden US-Dollar, während sich
die Exporteinnahmen auf rund 5,2 Milliarden US-Dollar beliefen.
Zu
den wichtigsten Importgütern gehören landwirtschaftliche Produkte, Fahrzeuge,
chemische Erzeugnisse, Maschinen für den Bergbau sowie Metallwaren. Die
wichtigsten Lieferstaaten dieser Güter sind die USA, Deutschland, Italien,
Frankreich und Japan. Aufgrund des rapiden Bevölkerungswachstums wurde das Land
in zunehmendem Maße von Lebensmittelimporten abhängig, insbesondere von
Weizen, Mehl und Fleisch. Zu den wichtigsten Exportgütern zählen Rohöl und
Erdölprodukte, die knapp die Hälfte der Exporterlöse einbringen; darüber
hinaus werden auch Rohbaumwolle, Baumwollgarn und -stoffe sowie Nahrungsmittel
ausgeführt. Die Hauptabnehmerländer für diese Erzeugnisse sind Italien, die
USA, Deutschland, Großbritannien, Frankreich und die Türkei.
Gewerkschaften
Die
offizielle ägyptische Arbeiterorganisation ist die Egyptian Trade Union
Federation, die etwa fünf Millionen Mitglieder hat. Die Arbeiterschaft wird auf
etwa 15,3 Millionen Menschen geschätzt, die Arbeitslosenquote beträgt
etwa 17,5 Prozent.
Verkehrswesen
Das
staatliche ägyptische Eisenbahnnetz hat eine Länge von 4 976 Kilometern
(1997). Die Hauptlinie verbindet Assuan und verschiedene Orte im nördlichen
Niltal mit Alexandria an der Mittelmeerküste. Die wichtigste Binnenwasserstraße
des Landes ist der Nil, der auf seiner gesamten Länge in Ägypten schiffbar
ist. Daneben gibt es schiffbare Kanäle mit einer Gesamtlänge von etwa 1 600 Kilometer
und mehr als 17 700 Bewässerungskanäle im Nildelta, die intensiv zu
Transportzwecken genutzt werden. In kleinerem Umfang spielen in den Wüstengebieten
auch Karawanen für den Warentransport eine Rolle. Die wichtigste Hafenstadt ist
Alexandria, gefolgt von Port Said und Suez, die alle von zahlreichen
Schifffahrtsgesellschaften angelaufen werden. Der Suezkanal
war zwischen 1967 und 1975 gesperrt, heute sind die Gebühren für die
Durchfahrt eine wichtige Einnahmequelle des Staates. Ein Straßentunnel unter
dem Kanal verbindet die Sinai-Halbinsel mit dem ägyptischen Kernland.
Kairo
und Alexandria sind über zwei Fernstraßen miteinander verbunden. Weitere
Fernstraßen verbinden Kairo mit Port Said, Suez und El Faiyum. Die Gesamtlänge
des Straßen- und Fernstraßennetzes beträgt etwa 64 000 Kilometer
(1998); 52 Prozent davon sind befestigt. Die staatliche Fluglinie Egypt Air
bietet Inlands- und Auslandsflüge an, es gibt in ganz Ägypten etwa 80 Flugplätze.
Wichtige Flughäfen sind u. a. Kairo, Alexandria, Port Said, Abu Simbel,
Assuan und Luxor.
Tourismus
Der
Fremdenverkehr stellt für Ägypten eine wichtige Devisenquelle dar. 1997
besuchten vier Millionen Auslandsgäste das Land, die Einnahmen beliefen sich
umgerechnet auf 3,8 Milliarden US-Dollar. Zu den bevorzugten Reisezielen
der Besucher Ägyptens zählen vor allem die Hauptstadt Kairo und die Pyramiden
von Gise und Luxor mit dem Tal
der Könige und den zahlreichen erhaltenen Tempeln. Darüber hinaus ist auch
der Bade- und Tauchtourismus am Roten Meer von großer Bedeutung. Zu diesem
Zweck wurden während der vergangenen Jahre verschiedene Ferienorte angelegt.
Schweren Schaden nahm die Fremdenverkehrsbranche durch mehrere Terroranschläge
muslimischer Extremisten auf Touristen. So ging beispielsweise nach dem Massaker
von Luxor
im November 1997 die Zahl ausländischer Gäste innerhalb kurzer Zeit drastisch
zurück. Erst in der zweiten Jahreshälfte von 1998 stiegen die Besucherzahlen
wieder auf Vorjahresniveau an, und 1999 wurde ein Zuwachs um nahezu 40 Prozent
gegenüber dem Vorjahr erreicht.
Energie
Zur
Deckung des Hauptbedarfs an elektrischer Energie (mehr als 70 Prozent) wird
durch Verbrennung von Erdgas oder Erdöl in Wärmekraftwerken Strom erzeugt. Den
Restbedarf decken Wasserkraftwerke wie das 1970 am Assuan-Hochdamm fertig
gestellte Werk.
Geschichte
Die
genauen Ursprünge der altägyptischen Kultur lassen sich nicht mit Sicherheit
angeben. Archäologische Funde weisen darauf hin, dass die frühen Bewohner des
Niltales von den Kulturen Vorderasiens abstammen. Wenn man die Entwicklung der
ägyptischen Kultur und ihrer Grundlagen beschreiben möchte, ist man größtenteils
auf archäologische Funde wie Ruinen, Gräber und Monumente angewiesen. Hieroglypheninschriften
haben wertvolle Informationen geliefert.
Die
Grundlage für das Studium der dynastischen Zeit der ägyptischen Geschichte
zwischen der 1. Dynastie und der ptolemäischen Zeit bildet die Aegyptiaca
von Manetho. Dabei handelt es sich um einen ptolemäischen Priester aus dem 3. Jahrhundert
v. Chr., der die Herrscher des Landes in 30 Dynastien einteilte, die
in etwa den jeweiligen Herrscherfamilien entsprechen. Einigkeit herrscht im
Allgemeinen über die Einteilung der ägyptischen Geschichte bis zu den
Eroberungen von Alexander
dem Großen: das Alte, das Mittlere und das Neue Reich mit den
entsprechenden Zwischenzeiten, gefolgt von der Spätzeit und der ptolemäischen
Zeit.
Vorzeit
Seit
etwa 60 000 Jahren tritt der Nil alljährlich über die Ufer und
hinterlässt fruchtbares Schwemmland; dies wurde erst in der Neuzeit durch den
Bau von Dammanlagen eingeschränkt. Die Gebiete in der Nähe der Überschwemmungsebene
wurden eine wichtige Wasser- und Nahrungsmittelquelle. Mit der Zeit schränkten
Klimawechsel und längere Trockenzeiten das Siedlungsgebiet immer weiter auf das
Niltal ein. Vom Chalkolithikum (die Kupferzeit, die etwa 4000 v. Chr.
begann) bis zum Beginn des Alten Reiches nutzten die Menschen offenbar weitere
Landstriche über das Niltal hinaus.
Im
7. Jahrtausend v. Chr. herrschten in Ägypten milde klimatische
Bedingungen; in den Wüstengebieten Oberägyptens und Unterägyptens wurden
Siedlungen aus dieser Zeit gefunden. Auch in der Nubischen Wüste in der
heutigen Republik Sudan wurden ähnliche Siedlungsreste freigelegt. Anhand der
in Gräbern gefundenen Keramik aus dem 4. Jahrtausend v. Chr. (der prädynastischen
Zeit) lässt sich eine relativ stimmige zeitliche Abfolge rekonstruieren. Die prädynastische
Zeit wird eingeleitet durch die Einigung des Landes unter einem König. Sie wird
im Allgemeinen in drei Abschnitte unterteilt, die sich jeweils auf den Fundort
bedeutenden archäologischen Materials beziehen: Badari, Amrati (Negade I)
und Gerze (Negade II und III). In den nördlichen Ausgrabungsstätten (aus
der Zeit um etwa 5500 v. Chr.) wurde datierbares archäologisches Material
zutage gefördert, das auf eine gewisse kulturelle Kontinuität schließen lässt.
Frühe
dynastische Zeit (Vorzeit)
Archäologische
Funde deuten darauf hin, dass gegen Ende der gerzeanischen Zeit (etwa 3200 v. Chr.)
eine beherrschende politische Macht aufkam, die das erste vereinigte Reich des
alten Ägypten errichtete. Die frühesten bekannten Inschriften in
Hieroglyphenform stammen aus dieser Zeit, auf den Monumenten finden sich die
Namen der ersten Herrscher. Diese Zeit begann mit der Dynastie 0, repräsentiert
durch 13 Herrscher, sie endete mit König Narmer (etwa 3100 v. Chr.).
Darauf folgten die 1. und die 2. Dynastie (um 3100 bis 2755 v. Chr.)
mit mindestens 17 Königen. Während der 1. und 2. Dynastie wurden
auch die ersten gewaltigen Begräbnisanlagen (Vorläufer der Pyramiden) in
Sakkara und Abydos
angelegt.
Altes
Reich
Das
Alte Reich (um 2755 bis 2255 v. Chr.) umfasste fünf Jahrhunderte, von der
3. bis zur 6. Dynastie. Die Hauptstadt war Memphis
im Norden. Die Herrscher standen an der Spitze eines streng organisierten
Beamtenstaates. Eine wichtige Rolle spielte die Religion, wie sie durch die ägyptische
Mythologie überliefert ist. Staatsform war eine Theokratie, in der die Pharaonen,
wie die Herrscher genannt wurden, sowohl absolute weltliche Herrscher waren als
auch als Götter verehrt wurden.
Goldenes
Zeitalter
Die
3. Dynastie wurde repräsentiert durch das Haus Memphis, dessen zweiter
Herrscher Djoser (Regierungszeit um 2737 bis 2717 v. Chr.) den Bestand der
nationalen Einheit in den Vordergrund rückte. Sein Architekt Imhotep verwendete
Steinblöcke statt der traditionellen Lehmziegel und gestaltete damit den ersten
monumentalen Steinbau. Dessen zentrales Element, die Stufenpyramide, war Djosers
Grab. Zur Regelung der Staatsangelegenheiten und der Bauprojekte entwickelte der
König eine effektive Bürokratie. Eine kulturelle Blütezeit begann.
Die
4. Dynastie begann mit König Snofru,
zu dessen Bauprojekten die ersten Pyramiden
in Dahschur (südlich von Sakkara) gehörten. Snofru war der erste Kriegerkönig,
über den umfangreiche Dokumente erhalten sind, er führte Feldzüge in Nubien
und Libyen
sowie auf der Halbinsel Sinai. Durch die Förderung von Handel und Bergbau vergrößerte
sich der Wohlstand im Reich. Nachfolger Snofrus war sein Sohn Khufu
(oder Cheops), der die Große Pyramide in Gise
erbauen ließ. Obwohl von seiner Regierungszeit kaum etwas bekannt ist, legt
dieses Bauwerk nicht nur Zeugnis von seiner Macht ab, sondern beweist auch die
Effektivität der Verwaltung. Khufus Sohn Redjedef, der etwa von 2613 bis 2603
v. Chr. regierte, führte das Sonnensymbol (Ra
oder Re) in den königlichen Titel und die Religion ein. Khafre
(oder Chephren), ein weiterer Sohn Khufus, folgte seinem Bruder auf dem Thron
und ließ in Gise eine Nekropole erbauen. Zu den weiteren Herrschern der
Dynastie gehörte Menkaure (oder Mykerinos), dessen Regierungszeit auf etwa 2578
bis 2553 v. Chr. datiert wird. Er ist insbesondere durch die kleinste der
drei großen Pyramiden in Gise bekannt.
Unter
der 4. Dynastie gelangte die ägyptische Kultur zu ihrer Blütezeit, die
sich auch noch auf die 5. und 6. Dynastie erstreckte. Die hervorragenden
Leistungen auf dem Gebiet der Baukunst wurden durch Fortschritte auf fast allen
anderen Gebieten ergänzt: in der Architektur, der Bildhauerei, der Malerei, der
Navigation, des Kunsthandwerkes und der Wissenschaft sowie der Astronomie.
Astronomen der Memphis-Dynastie entwickelten den ersten Sonnenkalender, der das
Jahr in 365 Tage einteilte. Die Ärzte des Alten Reiches verfügten auch über
beträchtliche medizinische Kenntnisse und chirurgische Fähigkeiten.
Beginn des
Niedergangs
Auch
wenn in der 5. Dynastie der Wohlstand durch extensiven Außenhandel und
militärische Vorstöße nach Asien gewahrt bleiben konnte, wurde die Abnahme
der königlichen Macht durch übermäßige Bürokratisierung und Machtzuwachs
der nichtköniglichen Verwalter offenkundig. In den Grabkammern des letzten Königs
dieser Dynastie in Sakkra, Unas (2428-2407 v. Chr.), fand man
Zauberformeln, die in die Wände eingemeißelt wurden. Derartige Texte fand man
auch in den Königsgräbern der 6. Dynastie. Mehrere Inschriften von
Beamten der 6. Dynastie weisen auf den abnehmenden Einfluss der Monarchie
hin, es gibt sogar Anzeichen für eine Konspiration gegen König Pepi I.
(Regierungszeit um 2395 bis 2360 v. Chr.), an der seine Gemahlin beteiligt
war. Man nimmt an, dass in den letzten Regierungsjahren von Pepi II.
(Regierungszeit um 2350 bis 2260 v. Chr.) die Macht in den Händen eines
Ministers lag. Die zentrale Gewalt über die Wirtschaft wurde durch die Gewährung
von Steuerbefreiungen untergraben. Die Nomes (Bezirke) wurden rasch mächtiger,
als die Nomarchs (Statthalter) nicht mehr länger von Zeit zu Zeit in
verschiedene Nomes versetzt wurden.
Erste
Zwischenzeit
Die
7. Dynastie markiert den Beginn der Ersten Zwischenzeit. Da es in dieser
Zeit zu sozialen Unruhen kam, weiß man über die 7. und 8. Dynastie sehr
wenig. Sicher ist nur, dass beide Dynastien, die in Memphis ihren Regierungssitz
hatten, nur etwa 25 Jahre Bestand hatten. Zu dieser Zeit hatten die mächtigen
Nomarchen ihre Bezirke fest unter Kontrolle, und Splittergruppen aus dem Norden
und Süden rangen um die Macht. Während der Herakleopolitenzeit (9. und 10. Dynastie)
weiteten die Nomarchen nahe Herakleopolis ihre Macht nach Norden hin bis nach
Memphis (sogar bis in das Nildelta) und im Süden nach Asyut
(Lycopolis) aus. Die rivalisierenden Nomarchen aus Theben
errichteten die 11. Dynastie, indem sie das Gebiet von Abydos bis
Elephantine in der Nähe von Syene (dem heutigen Assuan)
kontrollierten. Der erste Teil dieser Dynastie – die erste des Mittleren
Reiches – überschneidet sich mit dem letzten Teil der 10. Dynastie.
Mittleres
Reich
Ohne
Zentralregierung war die Verwaltung nicht mehr effektiv, und die einzelnen
Regionen verfolgten ihre eigenen Ziele. Die ägyptische Kunst wurde regionaler,
und es wurden keine größeren Nekropolen mehr angelegt. Auch die Religion wurde
demokratisiert, da die Bürger Privilegien beanspruchten, die bislang allein dem
Monarchen vorbehalten waren. So konnten sie beispielsweise Zauberformeln, die
von den königlichen Pyramidentexten abgeleitet waren, auf ihren eigenen Särgen
und Gräbern anbringen.
Wiedervereinigung
Zwar
schließt das Mittlere Reich (2134-1784 v. Chr.) die gesamte 11. Dynastie
mit ein, genau genommen beginnt es aber erst mit der Wiedervereinigung des
Landes unter Mentuhotep II. (Regierungszeit 2061-2010 v. Chr.). Die
ersten Herrscher dieser Dynastie versuchten, ihre Kontrolle von Theben aus
sowohl nach Norden als auch nach Süden auszudehnen, aber es sollte schließlich
Mentuhotep überlassen bleiben, den Wiedervereinigungsprozess etwa um 2047 v. Chr.
abzuschließen. Mentuhotep regierte mehr als 50 Jahre lang und konnte trotz
gelegentlicher Aufstände das ganze Reich unter Kontrolle halten. Er ersetzte
einige Nomarchen und beschnitt die noch immer beträchtliche Macht der Nomes.
Die Hauptstadt war Theben, und sein Grabtempel in Deir el Bahri enthielt sowohl
traditionelle als auch regionale Elemente.
Die
Regierungszeit des ersten Königs der 12. Dynastie, Amenemhet I.,
verlief friedlich. Er errichtete seine Hauptstadt in der Nähe von Memphis und
stellte im Gegensatz zu Mentuhotep seine Verbindung zu Theben zugunsten der
nationalen Einheit in den Hintergrund. Dennoch behielt der wichtige thebanische
Gott Amun
die Vorherrschaft gegenüber den anderen Gottheiten. Amenemhet forderte Loyalität
von den Nomes, baute die Verwaltung wieder auf und förderte die Ausbildung von
Schriftgelehrten und Verwaltungsbeamten. Während der letzten zehn Jahre seiner
Regierungszeit herrschte Amenemhet zusammen mit seinem Sohn. In der zeitgenössischen
Erzählung „Die Geschichte von Sinuhe" wird darauf angespielt, dass der König
ermordet wurde.
Amenemhets
Nachfolger führten seine Programme fort. Sein Sohn Sesostris I.
(Regierungszeit 1962-1928 v. Chr.) legte in ganz Nubien
Festungen an und förderte den Handel mit anderen Ländern. Er schickte
Gouverneure nach Palästina
und Syrien und führte im Westen Krieg gegen die Libyer. Sesostris II.
(Regierungszeit 1895-1878 v. Chr.) beanspruchte Land im Gebiet von El Faiyum.
Sein Nachfolger Sesostris III. (Regierungszeit 1878-1843 v. Chr.) ließ
einen Kanal am ersten Nilkatarakt graben, stellte ein stehendes Heer auf (das er
gegen die Nubier einsetzte) und baute neue Festungen an der Südgrenze. Er
teilte die Verwaltung in drei mächtige geographische Einheiten ein, die jeweils
von einem dem Wesir unterstehenden Beamtenstab kontrolliert wurden, und weigerte
sich, die Provinzadeligen anzuerkennen. Amenemhet III.
führte die Politik seiner Vorgänger fort und weitete die Landreform aus.
Unter
den thebanischen Königen erfolgte eine kulturelle Renaissance. Architektur,
Kunst und Schmuck dieser Zeit weisen ein außergewöhnlich hohes Maß an
Kunstfertigkeit auf; zudem gilt diese Periode als das goldene Zeitalter der ägyptischen
Literatur.
Zweite
Zwischenzeit
Die
Herrscher der 13. Dynastie – etwa 50 im Lauf von 120 Jahren –
waren zwar schwächer als ihre Vorgänger, konnten aber dennoch die Kontrolle über
Nubien und die Verwaltung der Zentralregierung aufrechterhalten. Am Ende ihrer
Herrschaft wurde ihre Macht aber nicht nur durch die rivalisierende 14. Dynastie
herausgefordert, die die Kontrolle über das Deltagebiet übernahm, sondern auch
von den aus dem westlichen Asien kommenden Hyksos.
Zu Beginn der 13. Dynastie gab es eine große Hyksos-Bevölkerung in Nordägypten.
Als die Zentralregierung immer schwächer wurde, ermöglichte ihre Anwesenheit
die Zuwanderung von Völkern der Küste Phönikiens
und Palästinas und die Errichtung einer Hyksos-Dynastie. Mit dieser wird der
Beginn der Zweiten Zwischenzeit markiert, eine Phase der Unruhe und Uneinigkeit,
die etwa 215 Jahre anhielt. Die Hyksos der 15. Dynastie regierten von
ihrer im östlichen Delta gelegenen Hauptstadt Avaris aus und behielten dabei
die Kontrolle über die mittleren und nördlichen Teile des Landes. Zur selben
Zeit existierte im Deltagebiet und in Mittelägypten bereits die 16. Dynastie,
die aber vermutlich von den Hyksos abhängig war. Unabhängig davon gab es eine
dritte Macht, die zur selben Zeit existierte, nämlich die thebanische 17. Dynastie,
die in dem Gebiet zwischen Elephantine und Abydos herrschte. Der thebanische
Herrscher Kamose (Regierungszeit um 1576 bis 1570 v. Chr.) bekämpfte die
Hyksos erfolgreich, seinem Bruder Amosis I.
gelang es schließlich, sie zu unterwerfen und Ägypten wieder zu vereinigen.
Neues
Reich
Die
Vereinigung des Landes und die Gründung der 18. Dynastie unter Amosis I.
markiert den Beginn des Neuen Reiches (1570-1070 v. Chr.). Amosis stellte
die Grenzen, Staatsziele und die Verwaltung des Mittleren Reiches wieder her und
nahm das Landnahmeprogramm wieder auf. Mit Unterstützung der Streitkräfte, die
entsprechend entlohnt wurden, sorgte er für ein Machtgleichgewicht zwischen den
Nomarchen und der Zentralgewalt. Der Einfluss der Frauen im Neuen Reich zeigt
sich an den hohen Titeln und Machtpositionen, die die Mütter und die Frauen der
Könige innehatten.
Die Könige
der 18. Dynastie
Als
Amenophis I. (Regierungszeit 1551-1524 v. Chr.) die volle
Regierungsgewalt erhielt – er war zuvor fünf Jahre lang Mitregent gewesen
–, begann er die Grenzen Ägyptens nach Nubien und Palästina vorzuschieben.
Amenophis, der gewaltige Bauwerke in El-Karnak
in Auftrag gab, ließ sein Grab im Gegensatz zu seinen Vorgängern von seinem
Begräbnistempel trennen. Mit ihm setzte der Brauch ein, die letzte Ruhestätte
der Pharaonen zu verbergen. Unter Thutmosis I.
wurden die Fortschritte des neuen imperialen Zeitalters fortgesetzt und die
Vorrangstellung des Gottes Amun betont. Er hatte das erste Grab im Tal
der Könige. Thutmosis II.,
ein von einer Nebenfrau geborener Sohn, war sein Nachfolger. Er hatte die
Prinzessin Hatschepsut
geheiratet, um seine Ansprüche auf den Thron zu unterstreichen, und führte das
Werk seiner Vorfahren fort. Als er 1504 v. Chr. starb, war sein Erbe Thutmosis III.
noch im Kindesalter, und so führte Hatschepsut für ihn die Reichsgeschäfte.
Noch vor Ablauf eines Jahres übernahm sie die Pharaonenwürde, später
regierten Mutter und Sohn gemeinsam. Als Thutmosis III. nach Hatschepsuts
Tod 1483 v. Chr. die Alleinherrschaft übernahm, verfolgte er zunächst das
Ziel, Syrien und Palästina zurückzuerobern, die während der gemeinsamen
Herrschaft abgefallen waren, und sorgte für eine Vergrößerung seines
Herrschaftsgebiets. Seine Annalen im Tempel bei Karnak weisen auf viele seiner
Kriegszüge hin. Fast 20 Jahre nach dem Tod von Hatschepsut ordnete er die
Entfernung ihres Namens und ihres Bildes aus sämtlichen Aufzeichnungen an.
Amenophis II. (Regierungszeit 1453-1419 v. Chr.) und Thutmosis IV.
versuchten, die in Asien eroberten Gebiete gegen die immer stärker werdenden
Mitanni und Hethiter
zu halten.
Amenophis III.
(Regierungszeit 1386-1349 v. Chr.) sorgte für eine fast vier Jahrzehnte
dauernde Friedensperiode, während der Kunst und Architektur eine Blüte
erlebten. Durch Diplomatie erhielt er ein Gleichgewicht der Kräfte mit den ägyptischen
Nachbarstaaten und sorgte für den Bau des großen Amuntempels in Luxor. Sein
Sohn und Nachfolger Echnaton
(Amenophis IV.) war ein religiöser Reformer, der sich der Macht der
Amunpriester widersetzte. Echnaton verließ die Hauptstadt Theben und gründete
mit Akhenaton eine neue Hauptstadt (das heutige Amarna)
zu Ehren von Aton, des Sonnengottes, der im Zentrum seiner monotheistischen
Religion stand. Zum Ende seiner Herrschaft wurde die religiöse Erneuerung nach
und nach rückgängig gemacht, und sein Schwiegersohn Tutanchamun
verlegte die Hauptstadt wieder nach Theben. Tutanchamun ist heute vor allem
wegen seines reich ausgestatteten Grabmals bekannt, das von den britischen Archäologen
Howard
Carter und George Herbert, dem 5. Earl von Carnarvon, 1922 fast
unversehrt aufgefunden wurde. Die 18. Dynastie endete mit Haremheb
(Regierungszeit 1321-1293 v. Chr.).
Die
Ramessidenzeit
Der
Begründer der 19. Dynastie, Ramses I. (Regierungszeit 1293-1291 v. Chr.)
hatte seinem Vorgänger als Befehlshaber der Armee gedient. Nach einer
Regierungszeit von nur zwei Jahren folgte ihm sein Sohn Sethos I.
(Regierungszeit 1291-1279 v. Chr.) nach. Dieser unternahm Kriegszüge gegen
Syrien und Palästina sowie gegen die Libyer und Hethiter. Er baute ein
Heiligtum in Abydos. Wie sein Vater favorisierte er die Hauptstadt Pi-Ramesse
(das heutige Qantir) im Deltagebiet. Sein Nachfolger war einer seiner Söhne, Ramses II.,
der fast 67 Jahre lang regierte. Er war für einen Großteil der Bauten in Luxor
und Karnak verantwortlich und gab auch das Ramesseum (seinen Begräbnistempel in
Theben), die Felsentempel von Abu
Simbel sowie heilige Stätten in Abydos und Memphis in Auftrag. Nach Kämpfen
mit den Hethitern schloss Ramses einen Friedensvertrag und heiratete eine
hethitische Prinzessin. Sein Sohn Mernephtah (Regierungszeit 1212-1202 v. Chr.)
besiegte die Invasoren aus der Ägäis, die im 13. Jahrhundert in
Vorderasien einfielen. Aus Quellen geht hervor, dass dabei das Gebiet des
heutigen Israel
verwüstet wurde. Die späteren Herrscher mussten sich immer wieder mit Aufständen
unterworfener Völker auseinander setzen.
Der
zweite Herrscher der 20. Dynastie war Ramses III.
Seine militärischen Siege sind auf den Wänden seines Totentempels in Medinet
Habu in der Nähe von Theben dargestellt. Nach seinem Tod zerfiel das Reich,
hauptsächlich aufgrund der zunehmenden Macht der Amunpriesterschaft und des
Militärs. Ein hoher Priester und Militärbefehlshaber ließ sich sogar mit den
königlichen Insignien darstellen.
Dritte
Zwischenzeit
Die
Dritte Zwischenzeit beginnt mit der 21. Dynastie und endet mit der 24. Dynastie.
Die Könige rangen von der Hauptstadt Tanis
im Norden des Landes aus mit einer Reihe von Hohepriestern im südlichen Theben,
mit denen sie verwandt waren, um die Macht. Die Herrscher der 21. Dynastie
dürften zum Teil libysche Vorfahren gehabt haben, die 22. Dynastie wurde
jedenfalls von libyschen Fürsten begründet. Als die Herrschaft der Libyer Schwächen
zeigte, wurde sie von mehreren Mächten herausgefordert. Die nächsten beiden
Dynastien, die 23. und die 24. Dynastie, herrschten teilweise zeitgleich
mit der 22. Dynastie, und die 25. Dynastie (Kuschiten) kontrollierte
gegen Ende der 22. und 24. Dynastie große Teile Ägyptens.
Spätzeit
Die
so genannte Spätzeit beginnt mit der Herrschaft der 25. Dynastie und endet
mit der 31. Dynastie. Die Kuschiten regierten von etwa 767 v. Chr. an,
bis sie 671 v. Chr. von den Assyrern vertrieben wurden. Zu Beginn der 26. Dynastie
wurde die Fremdherrschaft durch Psammetich I.
wieder beseitigt. Die Kultur erlebte noch einmal eine Blütezeit, die an frühere
Epochen erinnerte. Nach der Niederlage des letzten ägyptischen Königs gegen Kambyses II.
525 v. Chr. wurde Ägypten unter der 27. Dynastie persische Provinz.
Zwar gelang es den Ägyptern während der 29. und der 30. Dynastie ihre
Unabhängigkeit wieder herzustellen, aber die Könige der 30. Dynastie
waren endgültig die letzten ägyptischen Pharaonen. Bei der 31. Dynastie,
die in dem Geschichtswerk Manethos nicht aufgeführt ist, handelt es sich
bereits um die zweite persische Herrschaft.
Griechische
und römische Zeit
Die
Besetzung Ägyptens durch die Truppen Alexanders des Großen 332 v. Chr.
beendete die Perserherrschaft. Alexander ernannte Cleomenes von Naucratis, einen
Ägypter griechischer Abstammung, sowie seinen makedonischen General, den späteren
Ptolemaios I.,
zu Statthaltern des Landes. Obwohl auch zwei ägyptische Gouverneure eingesetzt
wurden, riss Ptolemaios die Herrschaft an sich und regierte das Land nach
wenigen Jahren mit absoluter Macht.
Das Haus
der Ptolemäer
Nach
dem Tod Alexanders 323 v. Chr. konnte sich Ptolemaios in Ägypten gegen die
rivalisierenden Generäle durchsetzen, die das Reich Alexanders unter sich
aufteilen wollten. 305 v. Chr. nahm er den Königstitel an und begründete
das Haus
der Ptolemäer, dem er seinen Namen gab. Das ptolemäische Ägypten gehörte
zu den Großmächten der hellenistischen Welt und konnte zuweilen seine Macht
bis nach Syrien, Kleinasien, Zypern,
Libyen und Phönikien ausdehnen.
Da
den einheimischen ägyptischen Herrschern während der ptolemäischen Herrschaft
größtenteils nur eine untergeordnete Rolle zufiel, kam es immer wieder zu
Rebellionen, die jedoch allesamt rasch unterdrückt werden konnten. Während der
Regierungszeit von Ptolemäus VI.
wurde Ägypten nach Eroberung durch Antiochos IV.
169 v. Chr. syrisches Protektorat. Die Römer zwangen Antiochos jedoch zur
Aufgabe des Landes, es wurde in der Folgezeit zwischen Ptolemaios VI. und
seinem jüngeren Bruder Ptolemaios VIII.
aufgeteilt. Nach dem Tod des älteren Bruders 145 v. Chr. übernahm dieser
die Alleinherrschaft.
Die
folgenden Ptolemäer konnten zwar Reichtum und Status Ägyptens halten, verloren
aber zunehmend Territorium an Rom. Kleopatra VII.
war die letzte Ptolemäerin. In einem Versuch, die drohende Besetzung Ägyptens
durch römische Truppen zu verhindern, verbündete sie sich zunächst mit Julius
Caesar und später mit Antonius,
konnte das Ende aber nur kurzzeitig aufhalten. Nachdem ihre Streitkräfte den römischen
Legionen unter Oktavian (dem späteren Kaiser Augustus)
unterlegen waren, beging Kleopatra 30 v. Chr. Selbstmord.
Römische
und byzantinische Zeit
Nach
dem Tod Kleopatras wurde Ägypten fast sieben Jahrhunderte lang vom Römischen
Reich beherrscht (mit Ausnahme der kurzen Regierungszeit der Königin Zenobia
von Palmyra im 3. Jahrhundert n. Chr.). Das Land wurde wirtschaftlich
ausgebeutet, es diente als „Kornkammer Roms". Das Ägypten unter römischer
Herrschaft wurde von einem Präfekten verwaltet, dessen Kompetenzen als militärischer
Oberbefehlshaber und oberster Richter denen der früheren Pharaonen entsprachen.
Die umfassenden Machtbefugnisse des Präfekten wurden später jedoch unter dem
Kaiser Justinian
aufgeteilt, der im 6. Jahrhundert n. Chr. die Streitkräfte einem
eigenen Befehlshaber unterstellte, der ihm persönlich verantwortlich war.
Während
der römischen Zeit erlebte Ägypten eine relativ friedliche Epoche, nur die Südgrenze
bei Assuan wurde gelegentlich von den Äthiopiern attackiert. Zur Zeit der
Herrschaft der Ptolemäer war die Bevölkerung hellenisiert worden und umfasste
inzwischen große griechische, jüdische und andere kleinasiatische
Minderheiten. In dieser Zeit entwickelte sich auch aus dem damaligen Ägyptisch
unter griechischem und semitischem Einfluss die koptische
Sprache. Die verschiedenen Kulturen wuchsen jedoch nicht zu einer homogenen
Gesellschaft zusammen, so dass es häufig zu internen Auseinandersetzungen kam.
212 n. Chr. verlieh der römische Kaiser Caracalla
der gesamten Bevölkerung das römische Bürgerrecht.
Die
von Alexander dem Großen gegründete Mittelmeerhafenstadt Alexandria blieb wie
unter den Ptolemäern Hauptstadt. Die Stadt gehörte zu den bedeutendsten
Handelsstädten des Römischen Reiches, hier wurde insbesondere der Handel
zwischen Indien, der Arabischen Halbinsel und dem Mittelmeerraum abgewickelt.
Daneben beherbergte die Stadt die große Alexandrinische Bibliothek und das
angeschlossene Museum. Die Stadt hatte zu der Zeit 300 000 Einwohner
(die Sklaven nicht mitgerechnet).
Ägypten
wurde zu einem wirtschaftlichen Stützpfeiler des Römischen Reiches, und zwar
nicht nur aufgrund der Getreideproduktion, sondern auch aufgrund der Herstellung
von Glas- und Metallwaren. Daneben wurden über den Handel Gewürze, Parfüm,
Edelsteine und seltene Metalle aus den Häfen des Roten Meeres eingeführt. Das
Land wurde auch durch die Erhebung von Steuern ausgebeutet.
Um
das Volk zu kontrollieren und das machtvolle Priestertum nicht gegen sich
aufzubringen, schützten die römischen Kaiser die alte Religion. Sie führten
die unter den Ptolemäern begonnenen Tempelbauten weiter, schmückten sie aus
und ließen ihre Namen als Pharaonen eingravieren. In Isna, Kawn Umbu, Dandarah
und Philae haben sich solche Kartuschen erhalten. Der ägyptische Isis-
und Serapis-Kult
breitete sich in der gesamten griechisch-römischen Welt aus. Ägypten war zudem
ein wichtiges Zentrum des frühen Christentums und das erste Zentrum des
christlichen Mönchstums. Die koptische Kirche, die für den Monophysitismus
eintrat, spaltete sich im 5. Jahrhundert vom übrigen Christentum ab.
Während
des 7. Jahrhunderts wurde die Macht des Byzantinischen
Reiches von den aus Persien
kommenden Sassaniden herausgefordert, die Ägypten 616 n. Chr. eroberten.
Sie konnten zwar 628 wieder vertrieben werden, doch kurz darauf, 642, fiel das
Territorium an die Araber, die mit dem Islam eine neue Religion ins Land
brachten und ein neues Kapitel der ägyptischen Geschichte einläuteten.
Ägypten
unter dem Kalifat
Da
die koptischen Christen in Ägypten unter der religiösen Intoleranz und der
starken Besteuerung durch die Byzantiner zu leiden hatten, setzten sie den
arabischen Eroberern keinen nennenswerten Widerstand entgegen. Daraufhin wurde
ein Vertrag mit dem Kalifat
unterzeichnet, in dem sich die Ägypter zur Entrichtung einer Kopfsteuer (Jizyah)
verpflichteten und die Araber im Gegenzug die religiösen Praktiken sowie das
Existenzrecht und das Eigentum der Kopten anerkannten. Neben der Kopfsteuer
hatte die männliche Bevölkerung (schätzungsweise sechs bis acht Millionen
Menschen) die Kharaj zu bezahlen, eine Steuer, die auf landwirtschaftlich
genutztes Land erhoben wurde.
Kommunalverwaltung
Die
Araber führten keine Änderungen in der Verwaltung durch. Sie übernahmen von
den Byzantinern das dezentrale System der Provinzgouverneure, die einem
Hauptgouverneur in der Hauptstadt Alexandria unterstanden. Sie verlegten jedoch
die Hauptstadt an einen zentraleren Ort, nach Fustat („das Zelt"), wenige
Kilometer südlich des heutigen Kairo.
Die
nächsten zwei Jahrhunderte wurde Ägypten von Gouverneuren regiert, die durch
den Kalifen (Führer der Muslimgemeinschaft) ernannt wurden. Bei diesem System
wechselten sich großzügige Herrschaft mit Phasen religiöser Unterdrückung
ab. Die Einwanderung arabischer Stämme und die Verdrängung der koptischen
Sprache durch das Arabische führte schließlich zu einer langsamen Arabisierung
des Koptisch sprechenden, christlichen Ägyptens in ein größtenteils
islamisches, Arabisch sprechendes Land. Das Koptische wurde zur Sprache der
Liturgie.
Interne
Auseinandersetzungen
Unter
den Abbasiden-Kalifen
wurden die Gouverneure immer nur für kurze Zeit ernannt. Es kam zu einer Reihe
von Aufständen, die durch Konflikte zwischen zwei muslimischen Gruppierungen
entstanden, die sich hier niedergelassen hatten: die orthodoxe Mehrheit der
Sunniten und die Minderheit der Schiiten.
Mehrmals erhoben sich auch die Kopten, um gegen die übermäßige Besteuerung zu
protestieren. Solche Aufstände wurden vonseiten der Regierung meist mit
Repression und Verfolgung beantwortet. Die innere Lage verschlechterte sich
gegen Ende des 8. Jahrhunderts so sehr, dass sich eine Gruppe neuer
Einwanderer aus Andalusien
mit einem arabischen Stamm verbündete und Alexandria belagerte. Die Belagerung
wurde so lange aufrechterhalten, bis ein Heer aus Bagdad
eintraf und die Aufständischen nach Kreta vertrieb. Die Aufstände der Kopten
hielten an, bis es dem Kalifen Abdullah al-Mamun mit Hilfe einer türkischen
Armee gelang, die Revolten 832 niederzuschlagen. Skrupellose Gouverneure
beuteten die Bevölkerung rücksichtslos aus. Das einzige Bollwerk gegen diese
Unterdrückung war der Kadi, der höchste Richter der religiösen
Gerichtsbarkeit, der das heilige Gesetz der Scharia bei Machtmissbrauch und
Habgier der Gouverneure anwendete. Der Handel blühte, und Fustat wurde ein
wichtiger Warenumschlagplatz.
Abfolge
autonomer Dynastien
Ab
856 ließ das Kalifat von Bagdad die Herrschaft über Ägypten durch eine türkische
Militäroligarchie ausüben. 868 kam der 33-jährige Türke Ahmad Ibn Tulun als
Gouverneur ins Land. Tulun verschaffte Ägypten den Status einer autonomen
Provinz, die mit den Abbasiden nur mehr durch die Zahlung einer geringen jährlichen
Tributleistung verbunden war. Er gründete nördlich von Fustat die Stadt El Katai
(„die Bezirke"). Unter seiner Führung kam Ägypten zu neuem Wohlstand
und konnte seine Grenzen bis nach Syrien ausdehnen. Die Tuluniden-Dynastie
herrschte 37 Jahre lang über ein Reich, das Ägypten, Palästina und
Syrien umfasste.
Dynastie
der Fatimiden
Nach
dem Niedergang der Tuluniden fiel das Land in Anarchie und wurde 969 von den
Fatimiden erobert, einer Schiiten-Dynastie, die sich 909 von der Autorität der
Abbasiden gelöst und in Tunesien ein eigenes Kalifat gegründet hatte. Mitte
des 10. Jahrhunderts kontrollierten sie den größten Teil Nordafrikas. Sie
gründeten nördlich von Fustat eine neue Stadt, Kairo, und machten sie zur
Hauptstadt ihres Reiches.
Fustat,
eine Großstadt mit einem hervorragenden Abwassersystem, blieb jedoch auch unter
den Fatimiden das Handelszentrum des Landes. Ägypten erlebte eine Periode der
Ruhe und des Wohlstands.
Unter
den schiitischen Fatimiden lebten Schiiten und Sunniten friedlich zusammen. Zu
dieser Zeit wurde auch die älteste Universität der Welt, die
Al-Azhar-Universität, gegründet. Kairo entwickelte sich immer mehr zu einem
geistigen Zentrum.
Dynastie
der Aijubiden
Die
Zeit relativer Ruhe endete unter der Regierung der späteren Fatimidenherrscher.
Es kam zu Revolten in den Regimentern, die sich aus Berbern und Sudanesen
zusammensetzten. 1065 sorgte ein Niedrigwasser des Nil für eine große
Hungerkatastrophe. Durch den 1. Kreuzzug,
der zur christlichen Herrschaft über Syrien und Palästina geführt hatte, war
eine neue Bedrohung entstanden. Die Fatimidenkalifen wandten sich an Nur ad-Din
von Aleppo, der ihnen 1168 eine Armee zur Unterstützung gegen die christlichen
Kreuzfahrer schickte. Saladin,
einer der Generäle Nur ad-Dins, wurde als Wesir eingesetzt. 1171 vertrieb er
die Fatimiden, gründete die Aijubiden-Dynastie und stellte die Herrschaft der
Sunniten in Ägypten wieder her. Saladin eroberte den größten Teil Syriens und
Palästinas von den Kreuzfahrern zurück und wurde zum mächtigsten Herrscher
des Vorderen Orients. Seinem Neffen Sultan al-Kamil (Regierungszeit 1218-1238)
gelang es in den Jahren 1218 bis 1221 Angriffe der Christen zurückzuschlagen.
Doch nach seinem Tod war die Macht der Aijubiden im Niedergang begriffen. Der 6. Kreuzzug,
angeführt von König Ludwig IX.
von Frankreich, konnte 1249 mit Hilfe der Mamelucken
abgewehrt werden. Bei den Mamelucken handelte es sich um Militärsklaven in
Diensten der Aijubiden, die im Jahr darauf die Aijubiden stürzten und eine
eigene Dynastie begründeten.
Mameluckenherrschaft
Die
erste Mamelucken-Dynastie der Bahriten herrschte bis 1382 über das Sultanat Ägypten.
Die Erbfolge wurde häufig missachtet, und der Thron wurde von den mächtigen
Emiren (militärische Befehlshaber) beansprucht. Zu den zahlreichen bedeutenden
Herrschern gehörten Baibars I.,
der den Vormarsch der Mongolen
nach Syrien und Ägypten 1260 stoppte. Die Mamelucken konnten zwei weitere
Mongoleninvasionen zurückschlagen. Es gelang ihnen auch, die Kreuzfahrer aus
der Region zu vertreiben und Akko,
den letzten christlichen Stützpunkt in Palästina, 1291 einzunehmen. Gegen Ende
des 13. und zu Beginn des 14. Jahrhunderts reichten die Grenzen des
Mameluckenreiches im Norden bis nach Kleinasien.
Während
der Herrschaft der Mamelucken kam es zu einer Blüte der Kunst. Daneben wurde
der Handel ausgeweitet; die ägyptischen Gewürzhändler, die Karimi, waren die
Fürsten unter den Händlern und galten neben den Emiren als große Förderer
der Kunst.
Nach
dem Tod des letzten großen Bahritensultans al-Nasir 1341 begann der Niedergang
des Mameluckenreiches. 1348 kam es wegen einer Pestepidemie
zu einem drastischen Bevölkerungsrückgang.
Die
2. Dynastie der Mameluckensultane, die Burdjiten, waren tscherkessischer
Abstammung, sie herrschten zwischen 1382 und 1517. Die Zeit der
Burdjitenherrscher war geprägt durch ständige Machtkämpfe unter den Führungseliten.
Aber trotz der Aufstände und inneren Unruhen blieben die Mamelucken in Ägypten
und Syrien an der Macht. Es gelang ihnen, alle Invasionen zurückzuschlagen. Zu
Beginn des 16. Jahrhunderts gerieten sie dagegen unter Druck des Osmanischen
Reiches, das seinen Machtbereich kontinuierlich ausdehnte. 1517 marschierte
schließlich der osmanische Sultan Selim I. in Ägypten ein und eroberte
es.
Türkenherrschaft
Obwohl
die Herrschaft der Osmanen über Ägypten nur bis zum 17. Jahrhundert
dauerte, war das Land offiziell bis 1915 Bestandteil des Osmanischen Reiches.
Die Mamelucken wurden nicht vertrieben, sondern sie wurden in der Verwaltung
eingesetzt. Die Osmanen stellten einen Gouverneur und stationierten sechs Ocaks
(Regimenter) in Ägypten. Die ländlichen Gebiete wurden als Kronländer
betrachtet und in Parzellen – so genannte Iqta – aufgeteilt, deren
Ertrag an die osmanische Elite abgeführt werden musste.
Wiederaufstieg der Mamelucken
Nach
der Entdeckung des Seeweges nach Indien verfiel der Wohlstand des Landes. Es kam
zu erbitterten Verteilungskämpfen unter den Ocaks um die Güter des Landes.
Dabei büßten sie an Macht ein. Diesen Umstand nutzten die Mamelucken umgehend,
Mitte des 17. Jahrhunderts hatten die auch Beis genannten Mameluckenemire
ihre Vorherrschaft sichergestellt. Sie teilten die Bodensteuern untereinander
auf und besteuerten die städtischen Zünfte, die mit den Ocaks verbündet
waren, um den Einfluss der Osmanen einzuschränken und die Einnahmen zu erhöhen.
Die Osmanen gaben sich mit dem System zufrieden, solange die Tributleistungen pünktlich
eingingen.
Die
Macht des osmanischen Gouverneurs sank, und der führende mameluckische Bei,
Scheich al-Balad, galt als wahrer Herrscher des Landes. Die Beis erhöhten die
Steuern, um ihre Kriegszüge nach Syrien und Arabien zu finanzieren. Die
Mamelucken herrschten in Ägypten bis zum Jahr 1798. Die letzten 30 Jahre
des 18. Jahrhunderts waren gekennzeichnet von Seuchen und Hungersnöten.
Die Zeit
Mehmed Alis
Die
französische Besetzung Ägyptens 1798 durch Napoleon
Bonaparte bildete nur ein kleines Zwischenspiel in der Geschichte Ägyptens.
Die Kornkammern Oberägyptens blieben in der Hand der Mamelucken. Die Invasion
Napoleons scheiterte trotz einiger Siege über türkische und mameluckische
Heere, markierte aber den Beginn eines neu erwachten Interesses europäischer Mächte
an Ägypten. 1801 wurden die Franzosen durch englisch-osmanische Truppen
vertrieben. Auseinandersetzungen zwischen Mamelucken und Osmanen um die
Vorherrschaft ruinierten das Land, bis Mehmed
Ali, ein osmanischer Offizier albanischer Abstammung, mit Unterstützung der
einheimischen Bevölkerung die Macht übernahm. 1805 machte ihn der osmanische
Sultan zum Gouverneur von Ägypten.
Mehmed
Ali gelang es, all seine politischen Gegner auszuschalten, bis er schließlich
unumschränkter Herrscher des Landes war. Um die Kontrolle über sämtliche
Handelsrouten nach Ägypten zu erhalten, führte er zahlreiche Eroberungskriege.
Zunächst eroberte er Al-Hijaz
(auf dem Territorium des heutigen Saudi-Arabien) 1819, dann zwischen 1820 und
1822 das Territorium der heutigen Republik Sudan. 1824 unterstützte er den
osmanischen Sultan bei der Niederschlagung einer Revolte in Griechenland.
Die europäischen Mächte intervenierten jedoch, um den Vormarsch der Ägypter
in Griechenland zu stoppen, und Mehmed Ali war gezwungen, seine Truppen zurückzuziehen.
In
seinem Land förderte Mehmed Ali die Baumwollproduktion für die Spinnereien in
Europa und verwendete die Profite für den Aufbau einer Industrie. Er errichtete
Handelsbeschränkungen, um die heimische Industrie zu schützen. Er schickte die
jungen Ägypter zum Studium ins Ausland und warb europäische Spezialisten zur
Ausbildung des Militärs und zum Aufbau der Industrie an.
1831
marschierten die Truppen Mehmed Alis und seines Sohnes Ibrahim
Pascha in Syrien ein. Dadurch kam es zum Konflikt mit den Osmanen. Die Ägypter
besiegten die osmanischen Truppen und bedrohten 1833 Istanbul, die Hauptstadt
des Osmanischen Reiches. Wieder intervenierten Russland, Großbritannien und
Frankreich, diesmal aufseiten des Sultans. Die Truppen Mehmed Alis zogen sich
zurück, doch er behielt die Macht über Syrien und Kreta.
Diese
Expansion und die damit verbundene Kontrolle über wichtige Handelswege brachte
Ägypten in Konflikt mit Großbritannien, das ein wachsendes Interesse am Nahen
Osten als Absatzmarkt für seine Industrieprodukte hatte. Zudem wollte Großbritannien
eine Schwächung des Osmanischen Reiches verhindern, damit Russland seinen
Einflussbereich nicht bis zum Mittelmeer ausdehnen konnte. Aus diesem Grund
griffen die Briten 1839 auf der Seite der Osmanen ein, als Mehmed Ali gegen die
osmanische Vorherrschaft rebellierte. Man bot ihm den erblichen Titel des ägyptischen
Herrschers an, wenn er im Gegenzug türkischer Vasall blieb und auf weitere
Eroberungen verzichtete.
Staatsbankrott und Fremdherrschaft
Nach
dem Tod Mehmed Alis 1849 geriet Ägypten immer mehr unter europäischen
Einfluss. Sein vierter Sohn Said Pascha unternahm den Versuch, die Regierung zu
modernisieren, hinterließ bei seinem Tod aber einen gewaltigen Schuldenberg.
Sein Nachfolger Ismail
Pascha vergrößerte die Staatsverschuldung zusätzlich, indem er von europäischen
Banken hohe Kredite in Anspruch nahm, um die Entwicklung des Landes
voranzutreiben und den Suezkanal zu finanzieren, der 1869 für die Schifffahrt
eröffnet wurde. Diese Herrscher trieben das Land in den Bankrott und machten es
letztlich von den britischen und französischen Geldgebern abhängig. 1876 übernahm
eine britisch-französische Kommission die Verantwortung für die ägyptischen
Staatsfinanzen, und 1879 wurde Ismail zugunsten seines Sohnes Tawfik Pascha
abgesetzt. Um der Fremdherrschaft ein Ende zu setzen, verübten Offiziere einen
Staatsstreich. Tawfik rief daraufhin die Briten um Hilfe, die Ägypten 1882
besetzten.
Ägypten
unter britischer Vorherrschaft
Für
die Briten war Ägypten interessant geworden, da die Route über den Suezkanal
den Seeweg nach Indien erheblich verkürzte. Die Zusicherung, das Land zu
verlassen, sobald Ruhe und Ordnung wieder hergestellt sind, wurde gebrochen; die
britische Armee hielt das Land bis 1954 besetzt. Tawfik blieb zwar auf dem
Thron, die tatsächliche Macht im Staat lag aber beim britischen Generalkonsul.
Der erste und bedeutendste Generalkonsul war Sir Evelyn Baring (der nach 1892
als Lord Cromer bekannt wurde).
Zur
Zeit des Wechsels vom 19. zum 20. Jahrhundert unterstützte Tawfiks
Nachfolger Abbas II.
eine von dem Juristen Mustafa Kamil angeführte nationalistische Bewegung. Kamil
trat für Selbstverwaltung und eine Beendigung der britischen Besatzung ein.
Die
ägyptische Landwirtschaft war damals so sehr auf die Baumwollproduktion für
die Spinnereien im englischen Lancashire ausgerichtet, dass man zur Ernährung
der Bevölkerung Getreide einführen musste. Um die landwirtschaftliche Anbaufläche
zu vergrößern, wurden Bewässerungsprojekte durchgeführt, und im Lauf der
Zeit konnten sämtliche Staatsschulden an die Briten zurückgezahlt werden.
Das
Versprechen der Briten, sich zurückzuziehen, wurde nicht eingehalten, denn der
Suezkanal wurde zum Kernstück der britischen Verteidigungspolitik im
Mittelmeer. Die Besatzung wurde 1904 sogar international gebilligt, als
Frankreich die britischen Rechte in Ägypten anerkannte, während die Briten im
Gegenzug die französischen Rechte in Marokko
anerkannten.
Ägypten
als britisches Protektorat
Der
Ausbruch des 1. Weltkrieges
1914 beendete zunächst den nationalen Widerstand gegen die Vorherrschaft der
Briten in Ägypten. Als die Türkei aufseiten Deutschlands in den Krieg eintrat,
erklärte Großbritannien Ägypten zu einem Protektorat und setzte Abbas II.
zugunsten seines Onkels Hussein Kamil ab.
1918
wuchs der Widerstand der ägyptischen Bevölkerung gegen die britische
Fremdherrschaft.
Formelle
Unabhängigkeit und Monarchie
Die
Zusagen der Alliierten, dass man den Territorien des früheren Osmanischen
Reiches Selbstverwaltung zugestehen würde, nährte die Hoffnung der Ägypter
auf Unabhängigkeit nach dem Krieg. 1918 bildete sich der Wafd
(„Delegation"), eine nationale Bewegung, die den Einfluss der Briten zurückdrängen
wollte. Diese Hoffnungen zerschlugen sich jedoch, als sich die Briten weigerten,
die Forderungen der Ägypter anzuerkennen, und den Wafdführer Saad Zaghlul des
Landes verwiesen. Es kam zu Aufständen und blutigen Auseinandersetzungen, die
bis 1922 dauerten. Ägypten wurde formell eine unabhängige Monarchie unter König
Fuad I.
(dem Nachfolger Sultan Husseins). Die Briten behielten sich jedoch das Recht
vor, in die inneren Angelegenheiten Ägyptens einzugreifen, sofern sie ihre
Interessen gefährdet sahen. Damit verweigerten sie den Ägyptern eine echte
Unabhängigkeit, und die britische Herrschaft blieb de facto erhalten.
1936
kam es schließlich unter dem Eindruck der italienischen Invasion in Abessinien
(siehe Italienisch-Äthiopischer
Krieg) zum Abschluss eines britisch-ägyptischen Vertrags. Die Besetzung des
Landes durch britische Truppen und deren Einmischung in innere Angelegenheiten
des Staates blieb aber bestehen.
Der
Staatsstreich von 1952
Während
des 2. Weltkrieges fanden keine politischen Verhandlungen statt. Nach
Kriegsende zogen sich die Briten aus Ägypten zurück, nur im Gebiet um den
Suezkanal blieben sie mit Truppen präsent.
1948
kam es zum 1. Arabisch-Israelischen Krieg. Ägypten und andere arabische
Staaten versuchten, die Entstehung des Staates Israel zu verhindern, erlitten
jedoch eine Niederlage. 1952 gelang einer Gruppe von Offizieren ein Staatsstreich,
König Faruk I. wurde abgesetzt, und Ägypten wurde 1953 zur Republik erklärt.
Die Ära
der Republik
Der
erste Präsident der Republik wurde General Muhammad
Nagib. Die eigentliche Macht lag jedoch bei Gamal
Abd el-Nasser und dem Revolutionsrat, der sich aus Offizieren
zusammensetzte, die an dem Putsch beteiligt waren. Im April 1954 wurde Nasser
Premierminister. Im November desselben Jahres wurde Nagib seines Amtes enthoben,
und Nasser übernahm die gesamte Exekutivgewalt. Im Juli 1956 wurde er offiziell
zum Präsidenten gewählt.
Die Ära
Nasser
Nasser
verfolgte zunächst eine prowestliche Politik und erreichte nach erfolgreichen
Verhandlungen 1954 den endgültigen Abzug der britischen Truppen aus Ägypten.
Bald aber betrieb er eine Politik der Neutralität und Solidarität mit anderen
afrikanischen und asiatischen Nationen und wurde ein Verfechter der arabischen
Einheit.
Die
Suezkrise
Da
die westliche Welt Ägypten keine Waffen verkaufen wollte, wandte sich Nasser an
den Ostblock. Im Gegenzug wies die Internationale
Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (Weltbank) den Antrag Ägyptens auf
einen Kredit zur Finanzierung des Assuan-Hochdammes ab. Daraufhin verstaatlichte
Nasser den Suezkanal und versuchte den Damm über die Einnahmen aus dem Kanal zu
finanzieren. Dadurch wurde der Suezkrieg ausgelöst. Großbritannien und
Frankreich, die beiden Hauptaktionäre des Kanals, griffen 1956 in Kooperation
mit Israel Ägypten an. Auf Druck der USA und der UdSSR wurden die drei Staaten
zum Rückzug aus ägyptischem Territorium gezwungen, und es wurden
UNO-Friedenstruppen in das Gebiet entsandt. Siehe auch Suezkrise
Um
seinen Traum von der arabischen Einheit zu verwirklichen, setzte Nasser 1958 den
Zusammenschluss Syriens und Ägyptens unter der Bezeichnung Vereinigte Arabische
Republik (VAR) durch. Obwohl diese Republik nach nur drei Jahren wieder
auseinander brach, behielt Ägypten den offiziellen Namen der Republik noch
mehrere Jahre bei.
Arabischer
Sozialismus
Nasser
führte das Einparteiensystem ein, abgesehen von der Einheitspartei Arabische
Sozialistische Union (ASU) waren politische Parteien verboten. Eine Reihe von
Gesetzen begrenzte den maximal zulässigen Grund- und Bodenbesitz und beschnitt
den Einfluss der Großgrundbesitzer. 1961 wurden das investierte Auslandskapital
und regionale Industriebetriebe verstaatlicht. Diese neue Ordnung, die Nasser
als „arabischen Sozialismus" bezeichnete, zielte auf eine größere
soziale Gerechtigkeit und wirtschaftliches Wachstum ab.
Die Kriege
der sechziger Jahre
1962
wurde Ägypten in den Bürgerkrieg im Jemen
verwickelt und unterstützte die Republikaner gegen die Monarchisten. 1967
sperrte Nasser die Meerenge
von Tiran für israelische Schiffe und verlangte den Abzug der UNO-Truppen.
Die Israelis, die davon ausgingen, dass Nasser einen Krieg vorbereiten wollte,
schlugen zuerst zu und zerstörten die ägyptischen Flugplätze und Stützpunkte
auf dem Sinai. Die israelischen Streitkräfte rückten bis zum Suezkanal vor.
Dieser so genannte Sechstagekrieg
brachte Israel in den Besitz der gesamten Sinai-Halbinsel. Der
UNO-Sicherheitsrat erließ daraufhin die Resolution 242, in der die
„Unzulässigkeit der Aneignung von Gebieten infolge kriegerischer
Auseinandersetzungen" betont und Israel zum Rückzug aus den besetzten
Gebieten aufgefordert wurde. Doch die Halbinsel Sinai blieb weiterhin besetzt.
Nachdem die Verhandlungen ergebnislos verlaufen waren, wandte sich Nasser an die
UdSSR, die Ägypten militärisch unterstützte und im Gegenzug in Ägypten einen
Flottenstützpunkt errichten durfte.
Nach
dem Tod Nassers 1971 trat sein langjähriger Vizepräsident Anwar
as-Sadat seine Nachfolge an.
Die Ära
Sadat
Der
neue Präsident ließ politische Häftlinge frei, die als Oppositionelle unter
Nasser inhaftiert worden waren, und betrieb eine Politik der wirtschaftlichen
und politischen Liberalisierung, auch der Presse, die unter Nasser mit Zensur
belegt war.
Jom-Kippur-Krieg
Das
Verhältnis zu Israel blieb gespannt. Sadat versuchte über Verhandlungen einen
Weg aus dieser Sackgasse zu finden. Als die Verhandlungen keinen Erfolg
brachten, bereitete er einen neuen Schlag gegen Israel vor. Zunächst
verbesserte er die Beziehungen zu den arabischen Staaten, insbesondere zu
Saudi-Arabien, das Waffenkäufe aus der Sowjetunion finanzierte. Am 6. Oktober
1973, dem jüdischen Feiertag Jom
Kippur und während des Fastenmonats Ramadan,
begannen die Ägypter einen massiven Luft- und Artillerieangriff auf die andere
Seite des Suezkanals und lösten damit den Jom-Kippur-Krieg
aus. Innerhalb weniger Stunden hatten Tausende ägyptischer Soldaten den Kanal
überquert und waren auf die Sinai-Halbinsel gelangt. Unter einem
Raketenschutzschirm, der die israelische Luftwaffe ausschaltete, überrannten
sie eine Reihe israelischer Festungsanlagen, die so genannte Bar-Lev-Linie.
Israel war völlig unvorbereitet. Mitte des Monats gelang es den Israelis
jedoch, die Initiative zurückzugewinnen und ägyptische Einheiten in den Außenbezirken
von Suez einzukesseln. Die Vereinten Nationen veranlassten eine Waffenruhe, und
schließlich wurde eine von UNO-Truppen sichergestellte Waffenstillstandslinie
zwischen den ägyptischen und den israelischen Streitkräften vereinbart.
Annäherung
an Israel
Auch
wenn Ägypten den Krieg nicht gewinnen konnte, wurden doch die Grenzen des
Jahres 1967 erneut in Frage gestellt, und Ägypten gewann wieder Kontrolle über
den Suezkanal nicht zuletzt aufgrund der Politik des amerikanischen Außenministers
Henry
A. Kissinger. In den Jahren 1974 und 1975 vereinbarten Ägypten und
Israel unter Vermittlung Kissingers Verträge über den Truppenabbau auf der
Sinai-Halbinsel. Im Juni 1975 beendete Ägypten die Sperrung des Suezkanals und
genehmigte die Durchfahrt für Schiffe, die Waren für Israel geladen hatten.
Israel zog sich hinter strategische Linien zurück und gab einige der Ölfelder
auf der Sinai-Halbinsel auf.
Mittlerweile
verschlechterte sich die wirtschaftliche Situation in Ägypten. Zu Beginn des
Jahres 1976 war das Land mit geschätzten vier Milliarden US-Dollar bei der
UdSSR verschuldet. Im darauf folgenden Jahr forderte Sadat völlig überraschend
die sowjetischen Militärberater zum Verlassen des Landes auf und begann eine
Annäherung an die USA. Er erklärte, sie allein besäßen den Schlüssel zum
Frieden im Nahen Osten. Bei seinem Staatsbesuch in Israel am 19. November
1977 unterbreitete Sadat in der Knesset (dem israelischen Parlament) ein
Friedensangebot. Dieser historischen Reise folgten weitere Verhandlungen unter
Beteiligung der USA. Bei einer trilateralen Konferenz in Camp David im
US-Bundesstaat Maryland unter der Leitung des US-Präsidenten Jimmy
Carter im September 1978 einigten sich Sadat und der israelische
Premierminister Menachem
Begin auf die Rahmenbedingungen für eine Lösung der israelisch-ägyptischen
Spannungen. Am 26. März 1979 wurde zwischen beiden Staaten in Washington
auf der Grundlage der Vereinbarungen von Camp David ein Friedensvertrag
geschlossen.
Ermordung
Sadats
Ägypten
wurde wegen seines Separatfriedens mit Israel von der gesamten übrigen
arabischen Welt scharf kritisiert. Unter den radikaleren arabischen Führern
galt Sadat als Verräter an der arabischen Sache. Ägypten erhielt allmählich
die Sinai-Halbinsel zurück, aber bei den späteren ägyptisch-israelischen
Gesprächen über die Palästinenserfrage wurden kaum Fortschritte erzielt. Ägypten
wurde wegen des Friedensvertrags aus der Arabischen
Liga ausgeschlossen (1979), und der Sitz der Organisation wurde von Kairo in
die tunesische Hauptstadt Tunis verlegt. 1989 wurde Ägypten wieder aufgenommen,
und im folgenden Jahr wurde Kairo wieder Sitz der Organisation.
Bis
zum Jahr 1981 musste sich Sadat auch mit einer immer größeren Opposition im
eigenen Land auseinander setzen. Insbesondere die muslimischen Fundamentalisten
waren gegen die Einigung mit Israel. Sadat reagierte schließlich, indem er
Hunderte von Oppositionellen festnehmen ließ und eine Pressezensur einführte.
Am 6. Oktober 1981 wurde er während einer Militärparade zum Gedenken an
den Jom-Kippur-Krieg von Extremisten in Reihen seiner Leibgarde ermordet.
Ägypten
unter Mubarak
Nachfolger
Sadats wurde der bisherige Vizepräsident Hosni
Mubarak. Er hielt sich an die Abmachungen von Camp David und sorgte für
eine politische Liberalisierung des Landes und für bessere Beziehungen zu den
anderen arabischen Staaten. Am 25. April 1982 war der israelische Rückzug
von der Sinai-Halbinsel abgeschlossen. Im Januar 1984 nahm Ägypten eine
Einladung zur Teilnahme an der Islamischen Konferenz an. Im April desselben
Jahres erhielt die regierende Nationaldemokratische Partei bei den ersten ägyptischen
Parlamentswahlen unter Mubarak 87 Prozent der Stimmen. Nach der Auflösung
der Volksversammlung aufgrund eines Referendums im Februar 1987 wurden Neuwahlen
ausgeschrieben. Zwar konnte die Nationaldemokratische Partei 338 von insgesamt
448 Sitzen gewinnen, aber dennoch verzeichnete die Muslimbruderschaft große
Stimmengewinne. In einem Referendum im Oktober 1987 wurde Mubarak als Präsident
bestätigt. Nachdem sich Ägypten im Golfkrieg
(1991) der von den USA angeführten Koalition gegen den Irak angeschlossen
hatte, wurden dem Land etwa die Hälfte der Auslandsschulden in Höhe von 20,2 Milliarden
US-Dollar erlassen, der Rest wurde umgeschuldet.
1992
begannen muslimische Fundamentalisten mit Übergriffen auf Regierungsbeamte,
koptische Christen, Touristen und unverschleierte Frauen. Ziel war es, die
Regierung Mubarak zu stürzen und eine Regierung auf der Grundlage der strengen
islamischen Gesetze zu errichten. Aufgrund dieser Übergriffe sanken zwischen
1992 und 1993 die Einkünfte aus dem Tourismus um 42 Prozent. Die Regierung
ging hart gegen muslimische Extremisten vor und verhängte 1993 gegen 29 von
ihnen die Todesstrafe. Bei den Wahlen im Oktober 1993 wurde Mubarak für eine
dritte Amtsperiode als Präsident bestätigt. Die Gewalttaten islamischer
Fundamentalisten gegen Touristen hielten auch 1994 an. Am 14. Oktober
desselben Jahres wurde der Literaturnobelpreisträger Nagib
Mahfus von Anhängern einer militanten Untergrundbewegung schwer verletzt.
Die Attentäter wurden am 29. März 1995 hingerichtet. Am 26. Juni
entging Präsident Mubarak während eines Besuchs im äthiopischen Addis Abeba
nur knapp einem Attentat. Im Januar 1996 wurde Kamal Ahmed al-Gansuri neuer
Ministerpräsident von Ägypten. Die Anschläge militanter Islamisten auf öffentliche
Einrichtungen und Touristen hielten an. Besonders schwere Zwischenfälle
ereigneten sich im April 1996 und im September 1997 in Kairo sowie im November
1997 in Luxor; bei diesen Anschlägen starben jeweils mehrere Menschen. Die
Regierung beantwortete diese Aktionen mit Massenverhaftungen von Islamisten und
verhängte gegen einige von ihnen Todesurteile.
Weiterhin
sehr ernst nimmt Ägypten seine Rolle als Vermittler im Nahostkonflikt.
So legten führende Politiker im Juni 1997 ein Kompromisspapier vor, das die
Wiederaufnahme der für mehrere Monate unterbrochenen Friedensgespräche ermöglichte.
Staatspräsident
Mubarak wurde am 26. September 1999 durch ein Plebiszit im Amt bestätigt
und trat seine vierte sechs Jahre dauernde Amtsperiode an. Bei einer
Wahlbeteiligung von knapp 80 Prozent erhielt er annähernd 94 Prozent
der Stimmen. Mubarak versprach Wirtschaftsreformen sowie die Bekämpfung von
Korruption und Menschenrechtsverletzungen.
"Ägypten," Microsoft® Encarta® Online
Encyclopedia 2001
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