Ägypten

  

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Ägypten, amtlich Arabische Republik Ägypten (zwischen 1958 und 1971 Vereinigte Arabische Republik), Republik im Nordosten Afrikas. Ägypten grenzt im Norden an das Mittelmeer, im Osten an Israel und das Rote Meer, im Süden an die Republik Sudan und im Westen an Libyen. Der östliche Teil der Grenze zur Republik Sudan ist umstritten. Ägypten umfasst im Nordosten auch die vom Suezkanal durchschnittene Landbrücke nach Asien mit der Halbinsel Sinai. Die Gesamtfläche des Landes beträgt 997 739 Quadratkilometer. Die Hauptstadt von Ägypten ist Kairo.

Land
Die maximalen Ausdehnungen des Staates betragen in Nord-Süd-Richtung etwa 1 100 Kilometer und in Ost-West-Richtung etwa 1 250 Kilometer.

Physische Geographie
Ägypten lässt sich in fünf naturräumliche Einheiten gliedern; dies sind die Libysche Wüste im Westen, die Arabische Wüste im Osten, das vom Nil in das Wüstenplateau eingeschnittene Niltal, das etwa 22 000 Quadratkilometer große Nildelta nördlich von Kairo sowie die von den Meeresarmen Golf von Suez und Golf von Akaba umschlossene Halbinsel Sinai.

Weniger als 10 Prozent der Staatsfläche Ägyptens sind besiedelt oder werden landwirtschaftlich genutzt. Bei diesen Gebieten handelt es sich um das Niltal, das Nildelta sowie um verschiedene Oasen in den ausgedehnten Wüsten. Die Breite des Niltals nimmt in Richtung der Mündung zu; sie beträgt zwischen einem Kilometer in der Nähe von Assuan und mehr als 20 Kilometern südlich von Kairo. Mehr als 90 Prozent des Landes bestehen aus Wüstengebieten; dazu gehören die Libysche Wüste im Westen, ein Teil der Sahara, sowie die Arabische Wüste (auch als Östliche Wüste bezeichnet), die im Osten durch das Rote Meer und den Golf von Suez begrenzt wird.

Bei der Libyschen Wüste (auch als Westliche Wüste bezeichnet) handelt es sich um eine ausgedehnte Sandwüste, für die häufig auch der Name „Großes Sandmeer" verwendet wird und die etwa zwei Drittel der gesamten Staatsfläche einnimmt. Hier befinden sich mehrere Senken, die unterhalb des Meeresspiegels liegen. Dazu gehört die Kattarasenke (Munkhafad al-Quattarah) mit einer Fläche von etwa 19 425 Quadratkilometern, die bis 133 Meter unter Meereshöhe reicht und damit den tiefsten Punkt des afrikanischen Kontinents markiert. In der Libyschen Wüste liegen auch die Oasen Siwa, El Kharga, El Bahariya, Farafra und Dakhla.

Der größte Teil der Arabischen Wüste wird von einem Plateau eingenommen, das allmählich vom Nil aus nach Osten hin ansteigt und dessen zerklüftete Gipfel nahe dem Roten Meer Höhen von mehr als 2 000 Metern über dem Meeresspiegel erreichen. Zur Küste am Roten Meer hin fällt das Gebiet östlich des Nil steil ab. Die Arabische Wüste ist der westliche Teil einer ausgedehnten Aufwölbungszone, deren zentraler Teil während der geologischen Periode des Tertiär einbrach und heute den Graben des Roten Meeres bildet.

Im äußersten Süden nahe der Grenze zur Republik Sudan erstreckt sich die Nubische Wüste, eine ausgedehnte Sandwüste. Auch der Norden der Sinai-Halbinsel wird von Sandwüste eingenommen. Im südlichen Teil der Sinai-Halbinsel befindet sich mit dem 2 637 Meter hohen Djebel Katrinah (Gebel Katharina) die höchste Erhebung in Ägypten. Auch der Berg Sinai liegt auf dieser Halbinsel, wo laut Altem Testament Moses die Zehn Gebote in Empfang nahm. Durch den Suezkanal besteht eine Verbindung zwischen Mittelmeer und Rotem Meer.

Flüsse und Seen
Der Nil durchfließt Ägypten von der Republik Sudan kommend auf einer Länge von circa 1 545 Kilometern in nördlicher Richtung bis zu seiner Mündung in das Mittelmeer. Die Gesamtlänge des Flusses beträgt 6 671 Kilometer. Von der Südgrenze des Landes bis nach Kairo fließt der Nil durch ein nach Norden breiter werdendes Tal. Südlich der Stadt Idfu ist das Niltal kaum mehr als drei Kilometer breit, zwischen Idfu und Kairo weitet es sich auf etwa 23 Kilometer. Im Grenzgebiet zwischen Ägypten und der Republik Sudan liegt der Nassersee, zu dem der Nil durch den Bau des Assuan-Hochdammes aufgestaut wurde, um die Abflussmengen zu steuern. Der See ist etwa 480 Kilometer lang und maximal 16 Kilometer breit. Der überwiegende Teil des Sees liegt auf ägyptischem Staatsgebiet.

Der Großteil der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche befindet sich am Westufer des Flusses. Nördlich von Kairo bildet der Fluss ein ausgedehntes Delta mit zahlreichen Kanälen und Mündungsarmen, das am Mittelmeer etwa 250 Kilometer breit ist. Die beiden wasserreichsten Mündungsarme heißen Rosette (arabisch Rashid) und Damiette (arabisch Dumyat). Aufgrund der früher großen Mengen von den Flussarmen abgelagerten Schlammes ist diese Region die fruchtbarste des Landes. Durch den Assuan-Hochdamm wird die mittlere Abflussmenge des Nil herabgesetzt, wodurch mehrere Ernten im Jahresverlauf möglich sind. Die ökologischen Auswirkungen der schwerwiegenden Eingriffe in den Naturhaushalt des Niltals sind drastisch. Die überaus hohe Verdunstung des Stausees kann das lokale Klima beeinträchtigen. Die Regulierung der Wasserführung verschlechtert die Bodenqualität, da die Überflutung der ufernahen Bereiche mit fruchtbarem Nilschlamm ausbleibt. Im küstennahen Deltagebiet ist die Versalzung des Bodens ein bedeutendes Problem. Außerdem ging die Fischerei im Mündungsbereich wegen der Nährstoffverarmung des Nilwassers zurück.

In der Nähe der Küste befinden sich im Deltagebiet vier flache Brackwasserseen. Ein weiterer größerer See, Birkat Qarun, liegt am Rand der Libyschen Wüste nördlich der Stadt El Faiyum (Faijum). Geographisch lässt sich das Niltal in zwei Regionen einteilen: Oberägypten und Unterägypten. Mit Unterägypten wird im Allgemeinen das Deltagebiet bezeichnet, mit Oberägypten das Niltal südlich von Kairo.

Die Länge der ägyptischen Meeresküsten beträgt zwar rund 2 450 Kilometer – zwei Drittel davon am Roten Meer –, die zur Anlage von Häfen geeigneten Buchten beschränken sich aber auf das Deltagebiet des Nil. Der Isthmus von Suez, der die Sinai-Halbinsel mit dem afrikanischen Festland verbindet, wird vom Suezkanal durchschnitten, der das Mittelmeer mit dem Golf von Suez verbindet. Anfang 1997 wurde ein ehrgeiziges Kanalbauprojekt gestartet. Dabei soll Wasser des Nil zu vier Oasen in der Libyschen Wüste geleitet werden. Präsident Mubarak verglich das Milliardenprojekt mit dem Bau des Assuan-Staudammes.

Klima
Die Lage Ägyptens im subtropischen Trockengürtel bewirkt regenarmes Klima mit heißen Sommern und milden Wintern. Der überwiegende Teil Ägyptens ist klimatisch durch lang anhaltende Trockenheit und ganzjährig hohe Sonneneinstrahlung geprägt. Im nördlichen Teil des Landes herrscht das für den Mittelmeerraum typische Winterregenklima. Der Küstenstreifen am Mittelmeer und das Nildelta erhalten während der kalten Jahreszeit Niederschläge, deren Jahressumme jedoch meist 200 Millimeter unterschreitet. Hier liegen auch die regenreichsten Gebiete des Landes. Nur vereinzelt bringen Kaltlufteinbrüche von Norden her Niederschläge bis weit in das Landesinnere. Südlich von Kairo regnet es demgegenüber sehr selten, in vielen Regionen können Niederschläge auch über mehrere Jahre ausbleiben.

Die mittlere Januartemperatur liegt in Kairo bei 12 °C, die des Juli bei 27 °C. Nach Süden hin steigen die Temperaturen; in Assuan betragen die Werte 15 °C im Januar und 32 °C im Juli. In den Wüstengebieten kommt es zu extremen Temperaturunterschieden zwischen Tag und Nacht. Die Tageshöchstwerte können mehr als 50 °C erreichen; nachts sinken die Werte häufig auf unter 5 °C.

Flora und Fauna
Aufgrund der überwiegend trockenen Bedingungen und der intensiven landwirtschaftlichen Nutzung setzt sich die Flora weitgehend aus Kulturpflanzen zusammen. Vegetationsreich sind in Ägypten vor allem Nildelta, Niltal und Oasen. Die am weitesten verbreitete Baumart ist die Dattelpalme. Zu den wenigen einheimischen Bäumen zählen ferner Maulbeerbäume, Tamarisken, Akazien und Johannisbrotbäume. Daneben wurden Baumarten eingeführt, die ursprünglich nicht in Ägypten beheimatet waren. Dazu gehören Zypressen, Ulmen, Eukalyptus, Mimosen und verschiedene Obstbäume. Auf den Schwemmlandböden insbesondere des Deltagebiets gedeiht eine vielfältige Pflanzenwelt, die auch Weinreben, verschiedene Gemüse und Blumen (z. B. Lotos, Jasmin, Rosen) umfasst. Typische Pflanzen in den Trockengebieten sind Halfagras und verschiedene Dornstraucharten. Die einst an weiten Teilen des Nilufers wachsende Papyrusstaude tritt heute nur noch im äußersten Süden des Landes verbreitet auf.

Wegen des trockenen Klimas gibt es in Ägypten nur wenige einheimische Wildtierarten. In den Wüstengebieten leben Gazellen, Springmäuse, Echsen und Skorpione; vor allem im Deltagebiet sowie in den Bergen entlang des Roten Meeres sind Wüstenfüchse, Hyänen, Schakale, Mungos, Wildesel und Wildschweine verbreitet. Die im Altertum zahlreichen Krokodile und Nilpferde finden heute nur noch am Oberen Nil geeigneten Lebensraum. Insbesondere im Nildelta und im Niltal gibt es eine große Artenvielfalt an Vögeln. Dazu gehören Nektarvögel, verschiedene Reiher (u. a. Silber-, Seiden-, Küsten-, Nacht- und Kuhreiher), Dommeln, Löffler, Pelikane, Flamingos, Kragentrappen, Wiedehopfe und Limikolen wie Regenpfeifer, Rennvögel und Schnepfen. Zu den Greifvögeln zählen u. a. Gleitaar, Lanner- und Wüstenfalke, Geier (Bart- und Schmutzgeier) sowie Adler (Stein-, Schell-, Habichts- und Fischadler). Im Nil und in den Seen des Deltagebiets leben etwa 100 verschiedene Fischarten.

Bevölkerung
Die Einwohnerzahl Ägyptens beträgt etwa 68,5 Millionen (2000). Fast 99 Prozent der Bevölkerung leben im Gebiet des Niltales, das weniger als 4 Prozent der gesamten Staatsfläche umfasst. Die durchschnittliche Bevölkerungsdichte liegt bei 69 Einwohnern pro Quadratkilometer. Die Siedlungsdichte im Niltal nimmt von Norden nach Süden ab. Das Nildelta gehört zu den am dichtesten besiedelten Gebieten der Welt. Die Bevölkerung Ägyptens wächst rasch an; das jährliche Bevölkerungswachstum liegt bei 1,78 Prozent. Die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt bei Männern 60,7 Jahre, bei Frauen 64,8 Jahre (2000).

Die meisten Ägypter stammen von der hamitosemitischen Völkergruppe ab, die schon das alte Ägypten besiedelte und sich mit den Arabern, die das Gebiet im 7. Jahrhundert n. Chr. erobert hatten, vermischte. Daneben finden sich insbesondere in Unterägypten Elemente anderer Eroberervölker wie der Griechen, der Römer und der Türken. Aufgrund dieser ethnischen Vielfalt weisen die Bewohner des Niltales andere Merkmale auf als die anderen Mittelmeervölker der Region. Das Volk der Nubier bildet eine bedeutende Minderheit in den südlichen Landesteilen. Einige nomadische und halbnomadische Hirtenvölker, insbesondere die Beduinen, leben weiterhin in den Wüstengebieten, wo sie ihre alten Traditionen und Sozialstrukturen weitgehend erhalten haben.

Wichtige Städte
Etwa 45 Prozent der ägyptischen Bevölkerung leben in Städten (1998). Hauptstadt des Landes ist Kairo mit einer Einwohnerzahl von circa 6,79 Millionen Einwohnern (1998) und rund 15 Millionen in der Agglomeration. Weitere bedeutende Städte sind: Alexandria (3,33 Millionen), die wichtigste Hafenstadt, Gise (4,78 Millionen), ein Industriezentrum in der Nähe von Kairo, Port Said an der Mittelmeereinfahrt in den Suezkanal (469 000) und Suez (417 000), die Stadt am Südende des Kanals.

Sprache
Die Amtssprache ist Arabisch. In einigen Oasenstädten im Westen werden auch Berbersprachen gesprochen. Als Handelssprachen sind Englisch und Französisch verbreitet.

Religion
Der Islam ist Staatsreligion; die Verfassung garantiert jedoch die freie Religionsausübung. Etwa 90 Prozent der Ägypter sind sunnitische Muslime. Nach den offiziellen ägyptischen Schätzungen stellen die christlichen Kopten mit weniger als drei Millionen Gläubigen die größte religiöse Minderheit; die koptische Kirche selbst gibt die Zahl ihrer Mitglieder mit sieben Millionen an. Weniger als 1 Prozent der Bevölkerung gehört der griechisch-orthodoxen, der katholischenoder der armenischen Kirche bzw. verschiedenen protestantischen Kirchen an. Daneben gibt es eine kleine jüdische Gemeinde.

Soziales
Trotz gewaltiger Fortschritte im Gesundheitswesen sind insbesondere die ländlichen Gebiete immer noch eine krasse medizinisch oft noch unterversorgt. Seit den sechziger Jahren wurden vom Gesundheitsministerium Anstrengungen unternommen, um in abgelegenen Gebieten so genannte Gesundheitseinheiten für jeweils 15 000 bis 20 000 Menschen zu schaffen. Ziel dieser Zentren ist die Koordination der medizinischen, schulischen, sozialen und landwirtschaftlichen Betreuung durch Dorfräte. Es wurden große Erfolge bei der Bekämpfung von Cholera, Pocken und Malaria erzielt. Krankheiten wie die Bilharziose sind dagegen immer noch weit verbreitet. 1959 wurde ein Sozialversicherungssystem eingeführt, das seitdem permanent ausgebaut wurde.

Ein großes Problem stellt das Bevölkerungswachstum dar, inklusive der Remigration hinzu: Vor allem während der vergangenen Jahre kehrten viele im Ausland – vornehmlich im Irak und in Kuwait – arbeitende Ägypter in ihre Heimat zurück. Um die zunehmende Ausbreitung des Großraumes Kairo zu verlangsamen, wurden während der letzten Jahrzehnte mehrere so genannte Entlastungsstädte im Umland der Hauptstadt angelegt.

Bildung und Schulwesen
Die Dauer der Schulpflicht in Ägypten beträgt 8 Jahre (1998); der Besuch der Schule ist kostenlos. Nach der Grundschule besuchen die Kinder entweder eine allgemein bildende oder berufsbildende Sekundarschule, die auf eine weiterführende Schule oder einen technischen bzw. landwirtschaftlichen Berufsabschluss vorbereitet. Die weiterführenden Schulen fächern sich in ähnlicher Weise in vier unterschiedliche Schultypen auf, deren Lehrpläne darauf abzielen, die Schüler auf die Universität oder den Besuch einer Fachhochschule vorzubereiten. Der Alphabetisierungsgrad beträgt 55,3 Prozent (2000). Das traditionelle Geschlechterrollenverständnis ist die wesentliche Ursache dafür, dass der Alphabetisierungsgrad der weiblichen Bevölkerung (43,7 Prozent) weit hinter dem der Männer (66,6 Prozent) liegt .

In Ägypten gibt es 13 Universitäten. Die 970 n. Chr. gegründete islamische Al-Azhar-Universität ist die älteste Hochschule der Welt, die ihren Vorlesungsbetrieb bis zum heutigen Tag ohne Unterbrechung aufrechterhalten hat. 1961 wurden neben dem bestehenden Lehrstuhl für Islamstudien auch noch Fakultäten für Medizin, Betriebswirtschaft und Landwirtschaft gegründet. Seit 1962 sind auch Frauen zum Studium zugelassen. Die 1950 gegründete Ayn-Shams-Universität in Kairo wird von etwa 100 000 Studenten, die Universität Kairo (1908) von mehr als 76 000 Studenten besucht. Zu den weiteren führenden Universitäten gehören die Universität von Alexandria (1942), die Universität Asyut (1957) und die Amerikanische Universität in Kairo (1919). Daneben gibt es zahlreiche Fachhochschulen sowie Kunst- und Musikakademien.

Kultureinrichtungen
Seit Beginn der sechziger Jahre widmen sich zwei staatliche Tanzgruppen dem Volkstanz. Ägypten ist das Land mit der größten Filmindustrie der arabischen Welt. Es gibt ein staatliches Filmunternehmen sowie zahlreiche private Produktionsfirmen. Zu den zahlreichen hervorragend ausgestatteten Museen in Kairo gehört das Ägyptische Museum mit seinen reichhaltigen Sammlungen aus beinahe sämtlichen Epochen des alten Ägypten.

Kunst
Das Land verfügt über ein reichhaltiges kulturelles Erbe (siehe ägyptische Kunst und Architektur; ägyptische Literatur).

Medien
Ägypten hat das fortschrittlichste Pressewesen in der gesamten arabischen Welt. Kairo ist das größte Verlagszentrum im Nahen Osten. Sämtliche Zeitungen und Zeitschriften stehen unter Kontrolle des Staates; der auch Miteigentümer sämtlicher Verlage ist. Die einflussreichste Zeitung ist die amtliche, regierungsnahe Al-Ahram (tägliche Auflage 900 000). Die Gesamtauflage der 17 Tageszeitungen des Landes beträgt mehr als 3,1 Millionen Exemplare. Im Mai 1995 wurde ein neues Pressegesetz verabschiedet, dem zufolge die Verleumdung von Personen des öffentlichen Lebens sowie die Veröffentlichung von falschen Informationen mit Gefängnisstrafen von bis zu fünf Jahren bestraft werden können. Nach Meinung der oppositionellen Gruppen soll durch dieses Gesetz die Pressefreiheit drastisch eingeschränkt werden.

Die 1956 gegründete ägyptische Nachrichtenagentur Middle East News Agency ist auch für andere Länder der arabischen Welt tätig. Eine staatliche Rundfunkgesellschaft bietet Programme in Arabisch, Englisch und Französisch, aber auch in anderen Sprachen an. Das Fernsehen wurde 1960 eingeführt und steht unter staatlicher Kontrolle. Das Programmangebot ist auf drei Sender verteilt.

Verwaltung und Politik
Ägypten ist seit 1953 eine Präsidialrepublik und wird gemäß der am 11. September 1971 in Kraft getretenen Verfassung regiert. Die Verfassung sieht einen sozialistischen arabischen Staat mit dem Islam als Staatsreligion vor. Daneben werden die soziale Solidarität, die Chancengleichheit und die staatliche Kontrolle der Produktionsmittel betont.

Exekutive
Staatsoberhaupt ist der Präsident, der von der Nationalversammlung nominiert und von der Bevölkerung in allgemeinen Wahlen auf sechs Jahre bestätigt wird. Er bestimmt die Richtlinien der Politik und überwacht deren Ausführung. Er kann die Nationalversammlung auflösen, Kabinettsmitglieder ernennen und entlassen, an Kabinettssitzungen teilnehmen und Notstandsgesetze erlassen, die aber innerhalb von 60 Tagen im Rahmen einer Volksabstimmung bestätigt werden müssen. Der Präsident hat zudem das Recht, mit Billigung der Nationalversammlung den Krieg zu erklären, Verträge zu ratifizieren, Begnadigungen auszusprechen und Volksentscheide auszuschreiben. Daneben ist er Oberbefehlshaber der Streitkräfte.

Legislative
Das ägyptische Parlament, die aus einer Kammer bestehende Nationalversammlung, setzt sich aus 454 Mitgliedern zusammen; 444 von ihnen werden für eine Amtszeit von fünf Jahren gewählt, zehn weitere werden vom Präsidenten ernannt. Bei der Hälfte der Abgeordneten muss es sich um Arbeiter und Bauern handeln, daneben ist ein bestimmter Prozentsatz der Sitze Frauen vorbehalten. Zu den Vollmachten der Nationalversammlung gehören die Genehmigung des Haushalts, die Einsetzung von Untersuchungsausschüssen, die Erhebung von Steuern sowie die Billigung von Regierungsprogrammen. Das Parlament kann auch dem Kabinett oder einzelnen Kabinettsmitgliedern das Vertrauen entziehen. Der Nationalversammlung steht die so genannte Schura zur Seite. Dieses beratende Gremium umfasst 210 Mitglieder, von denen 57 vom Staatspräsidenten ernannt werden.

Judikative
Das Rechtssystem Ägyptens basiert sowohl auf Elementen der islamischen Scharia als auch des englischen und französischen Rechts. Die Gerichte sind in mehrere Kategorien aufgeteilt: Höchste juristische Instanz ist der Oberste Gerichtshof. Über Verfassungsfragen entscheidet ein Verfassungsgericht. Der Kassationshof ist das höchste Gericht bei Straf- und Zivilverfahren; er setzt sich aus dem Präsidenten, 41 Vizepräsidenten und 92 Richtern zusammen. Unterhalb des Kassationshofes gibt es sieben Appellationshöfe, die sich in den wichtigsten Provinzen befinden. In jeder Provinz befindet sich ein Primary Tribunal für Straf- und Zivilsachen. Außerdem gibt es auf Kreisebene noch die Summary Tribunals, die den Primary Tribunals untergeordnet sind und von einem Einzelrichter geleitet werden.

Kommunalverwaltung
Ägypten gliedert sich in 26 Provinzen (Gouvernorate), die jeweils von einem vom Präsidenten ernannten Gouverneur regiert werden. Den Gouverneuren stehen Provinzversammlungen zur Seite, deren Mitglieder größtenteils gewählt werden. Der starke Zentralismus in Ägypten soll zugunsten einer größeren Selbstverwaltung auf regionaler Ebene abgebaut werden.

Politik
Zwischen 1961 und 1977 war die Arabische Sozialistische Union (ASU) als einzige politische Partei in Ägypten zugelassen. Als 1977 das Mehrparteiensystem eingeführt wurde, wurde die ASU von verschiedenen neuen Parteien ersetzt. Führende politische Gruppe ist die Nationaldemokratische Partei (NDP), die in der Nationalversammlung und in der Schura über eine große Mehrheit verfügt. Zu den anderen politischen Gruppierungen gehören die (nominell illegale) fundamentalistisch-islamische Muslimbruderschaft und die linksgerichtete Sozialistische Partei der Arbeit.

Verteidigung
In Ägypten besteht für Männer zwischen dem 18. und dem 30. Lebensjahr eine dreijährige Wehrpflicht. Die Gesamtstärke der Streitkräfte beträgt etwa 450 000 Soldaten (1998). Das Heer umfasst circa 320 000, die Marine rund 20 000, die Luftwaffe etwa 30 000 und die Luftabwehr etwa 80 000 Soldaten. Die Stärke der Reservearmee beträgt etwa 300 000 Soldaten. Während des Golfkrieges 1991 unterstützte Ägypten die Alliierten mit Truppen.

Wirtschaft
1961 wurde eine Reihe von Gesetzen zur Verstaatlichung der ägyptischen Wirtschaft erlassen. Der Außenhandel, das Banken- und Versicherungswesen sowie die meisten Produktionsbetriebe gingen in staatliche Hand über. Zwar blieben Landwirtschaft, städtischer Immobilienbesitz und bestimmte Produktionsbranchen weiterhin in Privatbesitz, dieser wurde jedoch mit strengen Auflagen verknüpft. Ein 1960 durchgesetzter Plan zur wirtschaftlichen Entwicklung sorgte für eine beträchtliche Ausweitung der Industrieproduktion in den darauf folgenden fünf Jahren. 1965 folgte diesem Plan ein Siebenjahresplan, der zum Teil aufgrund ausbleibender ausländischer Investitionen weniger erfolgreich war, 1967 folgte ein relativ gemäßigter Dreijahresplan. Die im Sechstagekrieg gegen Israel 1967 erlittenen Verluste (siehe Abschnitt „Die Kriege der sechziger Jahre") sowie die darauf folgende allgemeine wirtschaftliche Krise verzögerten die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten waren einer der wichtigsten Auslöser für die Friedenspolitik gegen Ende der siebziger Jahre: Der Staat konnte sich keinen neuen Krieg mehr leisten. Zwar war gegen Ende der siebziger, Anfang der achtziger Jahre ein großes Wirtschaftswachstum zu verzeichnen, doch seit dem Fallen der Ölpreise Mitte der achtziger Jahre und vor allem auch seit der Golfkrise 1990 befindet sich Ägypten in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage. Mitte der neunziger Jahre beliefen sich die jährlichen Entwicklungshilfeleistungen auf vier Milliarden US-Dollar. Ägypten reagierte darauf mit der Privatisierung von mehr als 300 staatlichen Unternehmen und mit Strukturreformen.

Wesentliche Einnahmequellen des Landes sind die Erlöse aus dem Export von Erdöl sowie die Gebühren für die Benutzung des Suezkanals. Darüber hinaus sind auch die Überweisungen von im Ausland arbeitenden Ägyptern sowie der Tourismus von großer Bedeutung. Mit Ausnahme der Suezkanalgebühren sind diese Einnahmen jedoch starken Schwankungen unterworfen. Während der vergangenen Jahre sank die Zahl der in anderen Ländern arbeitenden Ägypter. Der Preis für Erdöl ist von zahlreichen politischen und wirtschaftlichen Faktoren abhängig. Terroranschläge islamischer Extremisten auf Touristen führten wiederholt zu sinkenden Besucherzahlen.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) beträgt 82 710 Millionen US-Dollar (1998). Hiervon erwirtschaftete die Dienstleistungsbranche 50,2 Prozent und die Industrie 32,3 Prozent, in der Landwirtschaft wurden 17,5 Prozent erzielt. Aus diesen Daten lässt sich das BIP pro Einwohner zu 1 350 US-Dollar errechnen.

Landwirtschaft
Ägypten ist vorwiegend landwirtschaftlich geprägt; etwa 40 Prozent der erwerbstätigen Bevölkerung leben von Ackerbau und Viehhaltung. Jedoch ist nur ein kleiner Teil der Staatsfläche agrarisch nutzbar; die landwirtschaftliche Nutzfläche beschränkt sich auf nur etwa 3 Prozent. Kultiviert werden das Niltal, das Nildelta und einige Oasen, die hoch anstehendes Grundwasser für die Bewirtschaftung des Landes nutzen. Der Grundbesitz wurde durch das Landreformgesetz von 1952 grundlegend umstrukturiert, der individuelle Bodenbesitz wurde auf eine Fläche von etwa 80 Hektar begrenzt. Diese Fläche wurde 1961 auf etwa 40 Hektar verringert und 1969 noch einmal auf etwa 20 Hektar halbiert. Die vom Staat beschlagnahmten Ländereien wurden zwar an die Fellachen (Kleinbauern) verteilt, doch das wirtschaftliche Gefälle zwischen mittelständischen Bauern und Fellachen besteht unverändert fort. Auf Betreiben der Regierung wurde durch Urbarmachung, Bewässerung (insbesondere seit Abschluss der Bauarbeiten am Assuan-Hochdamm) und den Einsatz moderner Technik (Kunstdünger und landwirtschaftliche Geräte) die Gesamtfläche des landwirtschaftlich nutzbaren Landes vergrößert. Der verstärkte Einsatz von Kunstdünger ist seit dem Ausbleiben der Ablagerung von nährstoffreichem Schlamm nötig.

Das ägyptische Kulturland gehört zu den ertragreichsten Böden der Welt. Ägypten ist der weltweit wichtigste Produzent von langfaseriger Baumwolle. Zu den weiteren wichtigen Anbauprodukten zählen Mais, Zuckerrohr, Weizen, Reis und Tomaten. Daneben werden Wassermelonen, Hirse, Gerste, Zwiebeln, Gemüse, Zitrusfrüchte, Mangos, Datteln, Feigen und Wein angebaut. Die Viehhaltung umfasst vorwiegend Schafe, Ziegen, Esel und Hühner. Darüber hinaus ist die Zucht von Arbeits- und Lasttieren wie Rindern und Büffeln bedeutend.

Obwohl auch durch die Regulierung der Wasserführung des Nil in den meisten Regionen mehrere Ernten im Jahr möglich sind, kann der Agrarsektor den Bedarf der heimischen Bevölkerung an Grundnahrungsmitteln nicht decken. Trotz systematischer Ausweitung des Kulturlandes sind nach wie vor hohe Importe von Nahrungsmitteln notwendig.

Fischerei
In Ägypten gibt es eine bedeutende Fischereiindustrie. Zu den fischreichsten Gewässern gehören die flachen Seen im Deltagebiet, der See Birkat Qarun und das Rote Meer. Die früher ergiebigen Sardinenschwärme entlang der Mittelmeerküste sind seit der Fertigstellung des Assuan-Hochdammes und den nachfolgenden ökologischen Veränderungen größtenteils verschwunden.

Bergbau
Ägypten verfügt über zahlreiche Bodenschätze. Heute spielt vor allem die Förderung von Erdöl eine große Rolle. Erdöl und dessen Produkte gehören zu den wichtigsten Exportgütern des Landes (der Anteil am Export lag 1996 bei nahezu 48 Prozent). Bedeutende Ölvorkommen gibt es z. B. in den Küstenregionen des Roten Meeres, in El Alamein am Mittelmeer und auf der Sinai-Halbinsel. Die durchschnittliche Jahresfördermenge liegt bei etwa 46 Millionen Tonnen Erdöl. Daneben werden jährlich etwa 13,9 Milliarden Kubikmeter Erdgas gefördert (1998). Weitere Bodenschätze sind beispielsweise Phosphate, Manganerz, Eisenerz und Titan. 1991 wurde in der Umgebung der Stadt Assuan mit dem Abbau von Uranerz begonnen.

Industrie
Im Vergleich zu anderen Ländern Afrikas ist die Industrialisierung Ägyptens relativ fortgeschritten. Rund ein Fünftel (um 20 Prozent) aller Erwerbstätigen ist in der Industrie beschäftigt und erzielt knapp 22 Prozent des Bruttoinlandproduktes. Neben der Erdölförderung sowie der Erdölverarbeitung zählen vor allem die Textil- und die Metallindustrie zu den wichtigen Industriezweigen des Landes. Die Produktion konzentriert sich dabei auf die Ballungsgebiete im Nildelta, vorwiegend Kairo und Alexandria.

Zu den industriellen Erzeugnissen des Landes gehören z. B. Erdölprodukte, Baumwollgarn, Jutegarn und -stoffe, Wollgarn, Metallerzeugnisse, Schwefelsäure, Stickstoffdünger, Papier, Zement, Autoreifen sowie Fernsehgeräte. Zu den kleineren Gewerbebetrieben mit gesamtwirtschaftlicher Bedeutung gehören Gerbereien, Brauereien, keramische Werkstätten und Parfümfabriken.

Währung und Bankwesen
Die offizielle Währung ist das Ägyptische Pfund zu 100 Piaster. Die 1961 gegründete Ägyptische Zentralbank kontrolliert die Bankgeschäfte der Regierung, die Privatbanken sowie die Zentralnotenbank. Es gibt mehr als 200 inländische und ausländische Banken.

Außenhandel
Die Handelsbilanz Ägyptens ist negativ. Die Ausgaben für die Einfuhr von Gütern übersteigen bei weitem die Erträge durch den Export. Allein 1996 importierte Ägypten Güter im Wert von mehr als 19 Milliarden US-Dollar, während sich die Exporteinnahmen auf rund 5,2 Milliarden US-Dollar beliefen.

Zu den wichtigsten Importgütern gehören landwirtschaftliche Produkte, Fahrzeuge, chemische Erzeugnisse, Maschinen für den Bergbau sowie Metallwaren. Die wichtigsten Lieferstaaten dieser Güter sind die USA, Deutschland, Italien, Frankreich und Japan. Aufgrund des rapiden Bevölkerungswachstums wurde das Land in zunehmendem Maße von Lebensmittelimporten abhängig, insbesondere von Weizen, Mehl und Fleisch. Zu den wichtigsten Exportgütern zählen Rohöl und Erdölprodukte, die knapp die Hälfte der Exporterlöse einbringen; darüber hinaus werden auch Rohbaumwolle, Baumwollgarn und -stoffe sowie Nahrungsmittel ausgeführt. Die Hauptabnehmerländer für diese Erzeugnisse sind Italien, die USA, Deutschland, Großbritannien, Frankreich und die Türkei.

Gewerkschaften
Die offizielle ägyptische Arbeiterorganisation ist die Egyptian Trade Union Federation, die etwa fünf Millionen Mitglieder hat. Die Arbeiterschaft wird auf etwa 15,3 Millionen Menschen geschätzt, die Arbeitslosenquote beträgt etwa 17,5 Prozent.

Verkehrswesen
Das staatliche ägyptische Eisenbahnnetz hat eine Länge von 4 976 Kilometern (1997). Die Hauptlinie verbindet Assuan und verschiedene Orte im nördlichen Niltal mit Alexandria an der Mittelmeerküste. Die wichtigste Binnenwasserstraße des Landes ist der Nil, der auf seiner gesamten Länge in Ägypten schiffbar ist. Daneben gibt es schiffbare Kanäle mit einer Gesamtlänge von etwa 1 600 Kilometer und mehr als 17 700 Bewässerungskanäle im Nildelta, die intensiv zu Transportzwecken genutzt werden. In kleinerem Umfang spielen in den Wüstengebieten auch Karawanen für den Warentransport eine Rolle. Die wichtigste Hafenstadt ist Alexandria, gefolgt von Port Said und Suez, die alle von zahlreichen Schifffahrtsgesellschaften angelaufen werden. Der Suezkanal war zwischen 1967 und 1975 gesperrt, heute sind die Gebühren für die Durchfahrt eine wichtige Einnahmequelle des Staates. Ein Straßentunnel unter dem Kanal verbindet die Sinai-Halbinsel mit dem ägyptischen Kernland.

Kairo und Alexandria sind über zwei Fernstraßen miteinander verbunden. Weitere Fernstraßen verbinden Kairo mit Port Said, Suez und El Faiyum. Die Gesamtlänge des Straßen- und Fernstraßennetzes beträgt etwa 64 000 Kilometer (1998); 52 Prozent davon sind befestigt. Die staatliche Fluglinie Egypt Air bietet Inlands- und Auslandsflüge an, es gibt in ganz Ägypten etwa 80 Flugplätze. Wichtige Flughäfen sind u. a. Kairo, Alexandria, Port Said, Abu Simbel, Assuan und Luxor.

Tourismus
Der Fremdenverkehr stellt für Ägypten eine wichtige Devisenquelle dar. 1997 besuchten vier Millionen Auslandsgäste das Land, die Einnahmen beliefen sich umgerechnet auf 3,8 Milliarden US-Dollar. Zu den bevorzugten Reisezielen der Besucher Ägyptens zählen vor allem die Hauptstadt Kairo und die Pyramiden von Gise und Luxor mit dem Tal der Könige und den zahlreichen erhaltenen Tempeln. Darüber hinaus ist auch der Bade- und Tauchtourismus am Roten Meer von großer Bedeutung. Zu diesem Zweck wurden während der vergangenen Jahre verschiedene Ferienorte angelegt. Schweren Schaden nahm die Fremdenverkehrsbranche durch mehrere Terroranschläge muslimischer Extremisten auf Touristen. So ging beispielsweise nach dem Massaker von Luxor im November 1997 die Zahl ausländischer Gäste innerhalb kurzer Zeit drastisch zurück. Erst in der zweiten Jahreshälfte von 1998 stiegen die Besucherzahlen wieder auf Vorjahresniveau an, und 1999 wurde ein Zuwachs um nahezu 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr erreicht.

Energie
Zur Deckung des Hauptbedarfs an elektrischer Energie (mehr als 70 Prozent) wird durch Verbrennung von Erdgas oder Erdöl in Wärmekraftwerken Strom erzeugt. Den Restbedarf decken Wasserkraftwerke wie das 1970 am Assuan-Hochdamm fertig gestellte Werk.

Geschichte
Die genauen Ursprünge der altägyptischen Kultur lassen sich nicht mit Sicherheit angeben. Archäologische Funde weisen darauf hin, dass die frühen Bewohner des Niltales von den Kulturen Vorderasiens abstammen. Wenn man die Entwicklung der ägyptischen Kultur und ihrer Grundlagen beschreiben möchte, ist man größtenteils auf archäologische Funde wie Ruinen, Gräber und Monumente angewiesen. Hieroglypheninschriften haben wertvolle Informationen geliefert.

Die Grundlage für das Studium der dynastischen Zeit der ägyptischen Geschichte zwischen der 1. Dynastie und der ptolemäischen Zeit bildet die Aegyptiaca von Manetho. Dabei handelt es sich um einen ptolemäischen Priester aus dem 3. Jahrhundert v. Chr., der die Herrscher des Landes in 30 Dynastien einteilte, die in etwa den jeweiligen Herrscherfamilien entsprechen. Einigkeit herrscht im Allgemeinen über die Einteilung der ägyptischen Geschichte bis zu den Eroberungen von Alexander dem Großen: das Alte, das Mittlere und das Neue Reich mit den entsprechenden Zwischenzeiten, gefolgt von der Spätzeit und der ptolemäischen Zeit.

Vorzeit
Seit etwa 60 000 Jahren tritt der Nil alljährlich über die Ufer und hinterlässt fruchtbares Schwemmland; dies wurde erst in der Neuzeit durch den Bau von Dammanlagen eingeschränkt. Die Gebiete in der Nähe der Überschwemmungsebene wurden eine wichtige Wasser- und Nahrungsmittelquelle. Mit der Zeit schränkten Klimawechsel und längere Trockenzeiten das Siedlungsgebiet immer weiter auf das Niltal ein. Vom Chalkolithikum (die Kupferzeit, die etwa 4000 v. Chr. begann) bis zum Beginn des Alten Reiches nutzten die Menschen offenbar weitere Landstriche über das Niltal hinaus.

Im 7. Jahrtausend v. Chr. herrschten in Ägypten milde klimatische Bedingungen; in den Wüstengebieten Oberägyptens und Unterägyptens wurden Siedlungen aus dieser Zeit gefunden. Auch in der Nubischen Wüste in der heutigen Republik Sudan wurden ähnliche Siedlungsreste freigelegt. Anhand der in Gräbern gefundenen Keramik aus dem 4. Jahrtausend v. Chr. (der prädynastischen Zeit) lässt sich eine relativ stimmige zeitliche Abfolge rekonstruieren. Die prädynastische Zeit wird eingeleitet durch die Einigung des Landes unter einem König. Sie wird im Allgemeinen in drei Abschnitte unterteilt, die sich jeweils auf den Fundort bedeutenden archäologischen Materials beziehen: Badari, Amrati (Negade I) und Gerze (Negade II und III). In den nördlichen Ausgrabungsstätten (aus der Zeit um etwa 5500 v. Chr.) wurde datierbares archäologisches Material zutage gefördert, das auf eine gewisse kulturelle Kontinuität schließen lässt.

Frühe dynastische Zeit (Vorzeit)
Archäologische Funde deuten darauf hin, dass gegen Ende der gerzeanischen Zeit (etwa 3200 v. Chr.) eine beherrschende politische Macht aufkam, die das erste vereinigte Reich des alten Ägypten errichtete. Die frühesten bekannten Inschriften in Hieroglyphenform stammen aus dieser Zeit, auf den Monumenten finden sich die Namen der ersten Herrscher. Diese Zeit begann mit der Dynastie 0, repräsentiert durch 13 Herrscher, sie endete mit König Narmer (etwa 3100 v. Chr.). Darauf folgten die 1. und die 2. Dynastie (um 3100 bis 2755 v. Chr.) mit mindestens 17 Königen. Während der 1. und 2. Dynastie wurden auch die ersten gewaltigen Begräbnisanlagen (Vorläufer der Pyramiden) in Sakkara und Abydos angelegt.

Altes Reich
Das Alte Reich (um 2755 bis 2255 v. Chr.) umfasste fünf Jahrhunderte, von der 3. bis zur 6. Dynastie. Die Hauptstadt war Memphis im Norden. Die Herrscher standen an der Spitze eines streng organisierten Beamtenstaates. Eine wichtige Rolle spielte die Religion, wie sie durch die ägyptische Mythologie überliefert ist. Staatsform war eine Theokratie, in der die Pharaonen, wie die Herrscher genannt wurden, sowohl absolute weltliche Herrscher waren als auch als Götter verehrt wurden.

Goldenes Zeitalter
Die 3. Dynastie wurde repräsentiert durch das Haus Memphis, dessen zweiter Herrscher Djoser (Regierungszeit um 2737 bis 2717 v. Chr.) den Bestand der nationalen Einheit in den Vordergrund rückte. Sein Architekt Imhotep verwendete Steinblöcke statt der traditionellen Lehmziegel und gestaltete damit den ersten monumentalen Steinbau. Dessen zentrales Element, die Stufenpyramide, war Djosers Grab. Zur Regelung der Staatsangelegenheiten und der Bauprojekte entwickelte der König eine effektive Bürokratie. Eine kulturelle Blütezeit begann.

Die 4. Dynastie begann mit König Snofru, zu dessen Bauprojekten die ersten Pyramiden in Dahschur (südlich von Sakkara) gehörten. Snofru war der erste Kriegerkönig, über den umfangreiche Dokumente erhalten sind, er führte Feldzüge in Nubien und Libyen sowie auf der Halbinsel Sinai. Durch die Förderung von Handel und Bergbau vergrößerte sich der Wohlstand im Reich. Nachfolger Snofrus war sein Sohn Khufu (oder Cheops), der die Große Pyramide in Gise erbauen ließ. Obwohl von seiner Regierungszeit kaum etwas bekannt ist, legt dieses Bauwerk nicht nur Zeugnis von seiner Macht ab, sondern beweist auch die Effektivität der Verwaltung. Khufus Sohn Redjedef, der etwa von 2613 bis 2603 v. Chr. regierte, führte das Sonnensymbol (Ra oder Re) in den königlichen Titel und die Religion ein. Khafre (oder Chephren), ein weiterer Sohn Khufus, folgte seinem Bruder auf dem Thron und ließ in Gise eine Nekropole erbauen. Zu den weiteren Herrschern der Dynastie gehörte Menkaure (oder Mykerinos), dessen Regierungszeit auf etwa 2578 bis 2553 v. Chr. datiert wird. Er ist insbesondere durch die kleinste der drei großen Pyramiden in Gise bekannt.

Unter der 4. Dynastie gelangte die ägyptische Kultur zu ihrer Blütezeit, die sich auch noch auf die 5. und 6. Dynastie erstreckte. Die hervorragenden Leistungen auf dem Gebiet der Baukunst wurden durch Fortschritte auf fast allen anderen Gebieten ergänzt: in der Architektur, der Bildhauerei, der Malerei, der Navigation, des Kunsthandwerkes und der Wissenschaft sowie der Astronomie. Astronomen der Memphis-Dynastie entwickelten den ersten Sonnenkalender, der das Jahr in 365 Tage einteilte. Die Ärzte des Alten Reiches verfügten auch über beträchtliche medizinische Kenntnisse und chirurgische Fähigkeiten.

Beginn des Niedergangs
Auch wenn in der 5. Dynastie der Wohlstand durch extensiven Außenhandel und militärische Vorstöße nach Asien gewahrt bleiben konnte, wurde die Abnahme der königlichen Macht durch übermäßige Bürokratisierung und Machtzuwachs der nichtköniglichen Verwalter offenkundig. In den Grabkammern des letzten Königs dieser Dynastie in Sakkra, Unas (2428-2407 v. Chr.), fand man Zauberformeln, die in die Wände eingemeißelt wurden. Derartige Texte fand man auch in den Königsgräbern der 6. Dynastie. Mehrere Inschriften von Beamten der 6. Dynastie weisen auf den abnehmenden Einfluss der Monarchie hin, es gibt sogar Anzeichen für eine Konspiration gegen König Pepi I. (Regierungszeit um 2395 bis 2360 v. Chr.), an der seine Gemahlin beteiligt war. Man nimmt an, dass in den letzten Regierungsjahren von Pepi II. (Regierungszeit um 2350 bis 2260 v. Chr.) die Macht in den Händen eines Ministers lag. Die zentrale Gewalt über die Wirtschaft wurde durch die Gewährung von Steuerbefreiungen untergraben. Die Nomes (Bezirke) wurden rasch mächtiger, als die Nomarchs (Statthalter) nicht mehr länger von Zeit zu Zeit in verschiedene Nomes versetzt wurden.

Erste Zwischenzeit
Die 7. Dynastie markiert den Beginn der Ersten Zwischenzeit. Da es in dieser Zeit zu sozialen Unruhen kam, weiß man über die 7. und 8. Dynastie sehr wenig. Sicher ist nur, dass beide Dynastien, die in Memphis ihren Regierungssitz hatten, nur etwa 25 Jahre Bestand hatten. Zu dieser Zeit hatten die mächtigen Nomarchen ihre Bezirke fest unter Kontrolle, und Splittergruppen aus dem Norden und Süden rangen um die Macht. Während der Herakleopolitenzeit (9. und 10. Dynastie) weiteten die Nomarchen nahe Herakleopolis ihre Macht nach Norden hin bis nach Memphis (sogar bis in das Nildelta) und im Süden nach Asyut (Lycopolis) aus. Die rivalisierenden Nomarchen aus Theben errichteten die 11. Dynastie, indem sie das Gebiet von Abydos bis Elephantine in der Nähe von Syene (dem heutigen Assuan) kontrollierten. Der erste Teil dieser Dynastie – die erste des Mittleren Reiches – überschneidet sich mit dem letzten Teil der 10. Dynastie.

Mittleres Reich
Ohne Zentralregierung war die Verwaltung nicht mehr effektiv, und die einzelnen Regionen verfolgten ihre eigenen Ziele. Die ägyptische Kunst wurde regionaler, und es wurden keine größeren Nekropolen mehr angelegt. Auch die Religion wurde demokratisiert, da die Bürger Privilegien beanspruchten, die bislang allein dem Monarchen vorbehalten waren. So konnten sie beispielsweise Zauberformeln, die von den königlichen Pyramidentexten abgeleitet waren, auf ihren eigenen Särgen und Gräbern anbringen.

Wiedervereinigung
Zwar schließt das Mittlere Reich (2134-1784 v. Chr.) die gesamte 11. Dynastie mit ein, genau genommen beginnt es aber erst mit der Wiedervereinigung des Landes unter Mentuhotep II. (Regierungszeit 2061-2010 v. Chr.). Die ersten Herrscher dieser Dynastie versuchten, ihre Kontrolle von Theben aus sowohl nach Norden als auch nach Süden auszudehnen, aber es sollte schließlich Mentuhotep überlassen bleiben, den Wiedervereinigungsprozess etwa um 2047 v. Chr. abzuschließen. Mentuhotep regierte mehr als 50 Jahre lang und konnte trotz gelegentlicher Aufstände das ganze Reich unter Kontrolle halten. Er ersetzte einige Nomarchen und beschnitt die noch immer beträchtliche Macht der Nomes. Die Hauptstadt war Theben, und sein Grabtempel in Deir el Bahri enthielt sowohl traditionelle als auch regionale Elemente.

Die Regierungszeit des ersten Königs der 12. Dynastie, Amenemhet I., verlief friedlich. Er errichtete seine Hauptstadt in der Nähe von Memphis und stellte im Gegensatz zu Mentuhotep seine Verbindung zu Theben zugunsten der nationalen Einheit in den Hintergrund. Dennoch behielt der wichtige thebanische Gott Amun die Vorherrschaft gegenüber den anderen Gottheiten. Amenemhet forderte Loyalität von den Nomes, baute die Verwaltung wieder auf und förderte die Ausbildung von Schriftgelehrten und Verwaltungsbeamten. Während der letzten zehn Jahre seiner Regierungszeit herrschte Amenemhet zusammen mit seinem Sohn. In der zeitgenössischen Erzählung „Die Geschichte von Sinuhe" wird darauf angespielt, dass der König ermordet wurde.

Amenemhets Nachfolger führten seine Programme fort. Sein Sohn Sesostris I. (Regierungszeit 1962-1928 v. Chr.) legte in ganz Nubien Festungen an und förderte den Handel mit anderen Ländern. Er schickte Gouverneure nach Palästina und Syrien und führte im Westen Krieg gegen die Libyer. Sesostris II. (Regierungszeit 1895-1878 v. Chr.) beanspruchte Land im Gebiet von El Faiyum. Sein Nachfolger Sesostris III. (Regierungszeit 1878-1843 v. Chr.) ließ einen Kanal am ersten Nilkatarakt graben, stellte ein stehendes Heer auf (das er gegen die Nubier einsetzte) und baute neue Festungen an der Südgrenze. Er teilte die Verwaltung in drei mächtige geographische Einheiten ein, die jeweils von einem dem Wesir unterstehenden Beamtenstab kontrolliert wurden, und weigerte sich, die Provinzadeligen anzuerkennen. Amenemhet III. führte die Politik seiner Vorgänger fort und weitete die Landreform aus.

Unter den thebanischen Königen erfolgte eine kulturelle Renaissance. Architektur, Kunst und Schmuck dieser Zeit weisen ein außergewöhnlich hohes Maß an Kunstfertigkeit auf; zudem gilt diese Periode als das goldene Zeitalter der ägyptischen Literatur.

Zweite Zwischenzeit
Die Herrscher der 13. Dynastie – etwa 50 im Lauf von 120 Jahren – waren zwar schwächer als ihre Vorgänger, konnten aber dennoch die Kontrolle über Nubien und die Verwaltung der Zentralregierung aufrechterhalten. Am Ende ihrer Herrschaft wurde ihre Macht aber nicht nur durch die rivalisierende 14. Dynastie herausgefordert, die die Kontrolle über das Deltagebiet übernahm, sondern auch von den aus dem westlichen Asien kommenden Hyksos. Zu Beginn der 13. Dynastie gab es eine große Hyksos-Bevölkerung in Nordägypten. Als die Zentralregierung immer schwächer wurde, ermöglichte ihre Anwesenheit die Zuwanderung von Völkern der Küste Phönikiens und Palästinas und die Errichtung einer Hyksos-Dynastie. Mit dieser wird der Beginn der Zweiten Zwischenzeit markiert, eine Phase der Unruhe und Uneinigkeit, die etwa 215 Jahre anhielt. Die Hyksos der 15. Dynastie regierten von ihrer im östlichen Delta gelegenen Hauptstadt Avaris aus und behielten dabei die Kontrolle über die mittleren und nördlichen Teile des Landes. Zur selben Zeit existierte im Deltagebiet und in Mittelägypten bereits die 16. Dynastie, die aber vermutlich von den Hyksos abhängig war. Unabhängig davon gab es eine dritte Macht, die zur selben Zeit existierte, nämlich die thebanische 17. Dynastie, die in dem Gebiet zwischen Elephantine und Abydos herrschte. Der thebanische Herrscher Kamose (Regierungszeit um 1576 bis 1570 v. Chr.) bekämpfte die Hyksos erfolgreich, seinem Bruder Amosis I. gelang es schließlich, sie zu unterwerfen und Ägypten wieder zu vereinigen.

Neues Reich
Die Vereinigung des Landes und die Gründung der 18. Dynastie unter Amosis I. markiert den Beginn des Neuen Reiches (1570-1070 v. Chr.). Amosis stellte die Grenzen, Staatsziele und die Verwaltung des Mittleren Reiches wieder her und nahm das Landnahmeprogramm wieder auf. Mit Unterstützung der Streitkräfte, die entsprechend entlohnt wurden, sorgte er für ein Machtgleichgewicht zwischen den Nomarchen und der Zentralgewalt. Der Einfluss der Frauen im Neuen Reich zeigt sich an den hohen Titeln und Machtpositionen, die die Mütter und die Frauen der Könige innehatten.

Die Könige der 18. Dynastie
Als Amenophis I. (Regierungszeit 1551-1524 v. Chr.) die volle Regierungsgewalt erhielt – er war zuvor fünf Jahre lang Mitregent gewesen –, begann er die Grenzen Ägyptens nach Nubien und Palästina vorzuschieben. Amenophis, der gewaltige Bauwerke in El-Karnak in Auftrag gab, ließ sein Grab im Gegensatz zu seinen Vorgängern von seinem Begräbnistempel trennen. Mit ihm setzte der Brauch ein, die letzte Ruhestätte der Pharaonen zu verbergen. Unter Thutmosis I. wurden die Fortschritte des neuen imperialen Zeitalters fortgesetzt und die Vorrangstellung des Gottes Amun betont. Er hatte das erste Grab im Tal der Könige. Thutmosis II., ein von einer Nebenfrau geborener Sohn, war sein Nachfolger. Er hatte die Prinzessin Hatschepsut geheiratet, um seine Ansprüche auf den Thron zu unterstreichen, und führte das Werk seiner Vorfahren fort. Als er 1504 v. Chr. starb, war sein Erbe Thutmosis III. noch im Kindesalter, und so führte Hatschepsut für ihn die Reichsgeschäfte. Noch vor Ablauf eines Jahres übernahm sie die Pharaonenwürde, später regierten Mutter und Sohn gemeinsam. Als Thutmosis III. nach Hatschepsuts Tod 1483 v. Chr. die Alleinherrschaft übernahm, verfolgte er zunächst das Ziel, Syrien und Palästina zurückzuerobern, die während der gemeinsamen Herrschaft abgefallen waren, und sorgte für eine Vergrößerung seines Herrschaftsgebiets. Seine Annalen im Tempel bei Karnak weisen auf viele seiner Kriegszüge hin. Fast 20 Jahre nach dem Tod von Hatschepsut ordnete er die Entfernung ihres Namens und ihres Bildes aus sämtlichen Aufzeichnungen an. Amenophis II. (Regierungszeit 1453-1419 v. Chr.) und Thutmosis IV. versuchten, die in Asien eroberten Gebiete gegen die immer stärker werdenden Mitanni und Hethiter zu halten.

Amenophis III. (Regierungszeit 1386-1349 v. Chr.) sorgte für eine fast vier Jahrzehnte dauernde Friedensperiode, während der Kunst und Architektur eine Blüte erlebten. Durch Diplomatie erhielt er ein Gleichgewicht der Kräfte mit den ägyptischen Nachbarstaaten und sorgte für den Bau des großen Amuntempels in Luxor. Sein Sohn und Nachfolger Echnaton (Amenophis IV.) war ein religiöser Reformer, der sich der Macht der Amunpriester widersetzte. Echnaton verließ die Hauptstadt Theben und gründete mit Akhenaton eine neue Hauptstadt (das heutige Amarna) zu Ehren von Aton, des Sonnengottes, der im Zentrum seiner monotheistischen Religion stand. Zum Ende seiner Herrschaft wurde die religiöse Erneuerung nach und nach rückgängig gemacht, und sein Schwiegersohn Tutanchamun verlegte die Hauptstadt wieder nach Theben. Tutanchamun ist heute vor allem wegen seines reich ausgestatteten Grabmals bekannt, das von den britischen Archäologen Howard Carter und George Herbert, dem 5. Earl von Carnarvon, 1922 fast unversehrt aufgefunden wurde. Die 18. Dynastie endete mit Haremheb (Regierungszeit 1321-1293 v. Chr.).

Die Ramessidenzeit
Der Begründer der 19. Dynastie, Ramses I. (Regierungszeit 1293-1291 v. Chr.) hatte seinem Vorgänger als Befehlshaber der Armee gedient. Nach einer Regierungszeit von nur zwei Jahren folgte ihm sein Sohn Sethos I. (Regierungszeit 1291-1279 v. Chr.) nach. Dieser unternahm Kriegszüge gegen Syrien und Palästina sowie gegen die Libyer und Hethiter. Er baute ein Heiligtum in Abydos. Wie sein Vater favorisierte er die Hauptstadt Pi-Ramesse (das heutige Qantir) im Deltagebiet. Sein Nachfolger war einer seiner Söhne, Ramses II., der fast 67 Jahre lang regierte. Er war für einen Großteil der Bauten in Luxor und Karnak verantwortlich und gab auch das Ramesseum (seinen Begräbnistempel in Theben), die Felsentempel von Abu Simbel sowie heilige Stätten in Abydos und Memphis in Auftrag. Nach Kämpfen mit den Hethitern schloss Ramses einen Friedensvertrag und heiratete eine hethitische Prinzessin. Sein Sohn Mernephtah (Regierungszeit 1212-1202 v. Chr.) besiegte die Invasoren aus der Ägäis, die im 13. Jahrhundert in Vorderasien einfielen. Aus Quellen geht hervor, dass dabei das Gebiet des heutigen Israel verwüstet wurde. Die späteren Herrscher mussten sich immer wieder mit Aufständen unterworfener Völker auseinander setzen.

Der zweite Herrscher der 20. Dynastie war Ramses III. Seine militärischen Siege sind auf den Wänden seines Totentempels in Medinet Habu in der Nähe von Theben dargestellt. Nach seinem Tod zerfiel das Reich, hauptsächlich aufgrund der zunehmenden Macht der Amunpriesterschaft und des Militärs. Ein hoher Priester und Militärbefehlshaber ließ sich sogar mit den königlichen Insignien darstellen.

Dritte Zwischenzeit
Die Dritte Zwischenzeit beginnt mit der 21. Dynastie und endet mit der 24. Dynastie. Die Könige rangen von der Hauptstadt Tanis im Norden des Landes aus mit einer Reihe von Hohepriestern im südlichen Theben, mit denen sie verwandt waren, um die Macht. Die Herrscher der 21. Dynastie dürften zum Teil libysche Vorfahren gehabt haben, die 22. Dynastie wurde jedenfalls von libyschen Fürsten begründet. Als die Herrschaft der Libyer Schwächen zeigte, wurde sie von mehreren Mächten herausgefordert. Die nächsten beiden Dynastien, die 23. und die 24. Dynastie, herrschten teilweise zeitgleich mit der 22. Dynastie, und die 25. Dynastie (Kuschiten) kontrollierte gegen Ende der 22. und 24. Dynastie große Teile Ägyptens.

Spätzeit
Die so genannte Spätzeit beginnt mit der Herrschaft der 25. Dynastie und endet mit der 31. Dynastie. Die Kuschiten regierten von etwa 767 v. Chr. an, bis sie 671 v. Chr. von den Assyrern vertrieben wurden. Zu Beginn der 26. Dynastie wurde die Fremdherrschaft durch Psammetich I. wieder beseitigt. Die Kultur erlebte noch einmal eine Blütezeit, die an frühere Epochen erinnerte. Nach der Niederlage des letzten ägyptischen Königs gegen Kambyses II. 525 v. Chr. wurde Ägypten unter der 27. Dynastie persische Provinz. Zwar gelang es den Ägyptern während der 29. und der 30. Dynastie ihre Unabhängigkeit wieder herzustellen, aber die Könige der 30. Dynastie waren endgültig die letzten ägyptischen Pharaonen. Bei der 31. Dynastie, die in dem Geschichtswerk Manethos nicht aufgeführt ist, handelt es sich bereits um die zweite persische Herrschaft.

Griechische und römische Zeit
Die Besetzung Ägyptens durch die Truppen Alexanders des Großen 332 v. Chr. beendete die Perserherrschaft. Alexander ernannte Cleomenes von Naucratis, einen Ägypter griechischer Abstammung, sowie seinen makedonischen General, den späteren Ptolemaios I., zu Statthaltern des Landes. Obwohl auch zwei ägyptische Gouverneure eingesetzt wurden, riss Ptolemaios die Herrschaft an sich und regierte das Land nach wenigen Jahren mit absoluter Macht.

Das Haus der Ptolemäer
Nach dem Tod Alexanders 323 v. Chr. konnte sich Ptolemaios in Ägypten gegen die rivalisierenden Generäle durchsetzen, die das Reich Alexanders unter sich aufteilen wollten. 305 v. Chr. nahm er den Königstitel an und begründete das Haus der Ptolemäer, dem er seinen Namen gab. Das ptolemäische Ägypten gehörte zu den Großmächten der hellenistischen Welt und konnte zuweilen seine Macht bis nach Syrien, Kleinasien, Zypern, Libyen und Phönikien ausdehnen.

Da den einheimischen ägyptischen Herrschern während der ptolemäischen Herrschaft größtenteils nur eine untergeordnete Rolle zufiel, kam es immer wieder zu Rebellionen, die jedoch allesamt rasch unterdrückt werden konnten. Während der Regierungszeit von Ptolemäus VI. wurde Ägypten nach Eroberung durch Antiochos IV. 169 v. Chr. syrisches Protektorat. Die Römer zwangen Antiochos jedoch zur Aufgabe des Landes, es wurde in der Folgezeit zwischen Ptolemaios VI. und seinem jüngeren Bruder Ptolemaios VIII. aufgeteilt. Nach dem Tod des älteren Bruders 145 v. Chr. übernahm dieser die Alleinherrschaft.

Die folgenden Ptolemäer konnten zwar Reichtum und Status Ägyptens halten, verloren aber zunehmend Territorium an Rom. Kleopatra VII. war die letzte Ptolemäerin. In einem Versuch, die drohende Besetzung Ägyptens durch römische Truppen zu verhindern, verbündete sie sich zunächst mit Julius Caesar und später mit Antonius, konnte das Ende aber nur kurzzeitig aufhalten. Nachdem ihre Streitkräfte den römischen Legionen unter Oktavian (dem späteren Kaiser Augustus) unterlegen waren, beging Kleopatra 30 v. Chr. Selbstmord.

Römische und byzantinische Zeit
Nach dem Tod Kleopatras wurde Ägypten fast sieben Jahrhunderte lang vom Römischen Reich beherrscht (mit Ausnahme der kurzen Regierungszeit der Königin Zenobia von Palmyra im 3. Jahrhundert n. Chr.). Das Land wurde wirtschaftlich ausgebeutet, es diente als „Kornkammer Roms". Das Ägypten unter römischer Herrschaft wurde von einem Präfekten verwaltet, dessen Kompetenzen als militärischer Oberbefehlshaber und oberster Richter denen der früheren Pharaonen entsprachen. Die umfassenden Machtbefugnisse des Präfekten wurden später jedoch unter dem Kaiser Justinian aufgeteilt, der im 6. Jahrhundert n. Chr. die Streitkräfte einem eigenen Befehlshaber unterstellte, der ihm persönlich verantwortlich war.

Während der römischen Zeit erlebte Ägypten eine relativ friedliche Epoche, nur die Südgrenze bei Assuan wurde gelegentlich von den Äthiopiern attackiert. Zur Zeit der Herrschaft der Ptolemäer war die Bevölkerung hellenisiert worden und umfasste inzwischen große griechische, jüdische und andere kleinasiatische Minderheiten. In dieser Zeit entwickelte sich auch aus dem damaligen Ägyptisch unter griechischem und semitischem Einfluss die koptische Sprache. Die verschiedenen Kulturen wuchsen jedoch nicht zu einer homogenen Gesellschaft zusammen, so dass es häufig zu internen Auseinandersetzungen kam. 212 n. Chr. verlieh der römische Kaiser Caracalla der gesamten Bevölkerung das römische Bürgerrecht.

Die von Alexander dem Großen gegründete Mittelmeerhafenstadt Alexandria blieb wie unter den Ptolemäern Hauptstadt. Die Stadt gehörte zu den bedeutendsten Handelsstädten des Römischen Reiches, hier wurde insbesondere der Handel zwischen Indien, der Arabischen Halbinsel und dem Mittelmeerraum abgewickelt. Daneben beherbergte die Stadt die große Alexandrinische Bibliothek und das angeschlossene Museum. Die Stadt hatte zu der Zeit 300 000 Einwohner (die Sklaven nicht mitgerechnet).

Ägypten wurde zu einem wirtschaftlichen Stützpfeiler des Römischen Reiches, und zwar nicht nur aufgrund der Getreideproduktion, sondern auch aufgrund der Herstellung von Glas- und Metallwaren. Daneben wurden über den Handel Gewürze, Parfüm, Edelsteine und seltene Metalle aus den Häfen des Roten Meeres eingeführt. Das Land wurde auch durch die Erhebung von Steuern ausgebeutet.

Um das Volk zu kontrollieren und das machtvolle Priestertum nicht gegen sich aufzubringen, schützten die römischen Kaiser die alte Religion. Sie führten die unter den Ptolemäern begonnenen Tempelbauten weiter, schmückten sie aus und ließen ihre Namen als Pharaonen eingravieren. In Isna, Kawn Umbu, Dandarah und Philae haben sich solche Kartuschen erhalten. Der ägyptische Isis- und Serapis-Kult breitete sich in der gesamten griechisch-römischen Welt aus. Ägypten war zudem ein wichtiges Zentrum des frühen Christentums und das erste Zentrum des christlichen Mönchstums. Die koptische Kirche, die für den Monophysitismus eintrat, spaltete sich im 5. Jahrhundert vom übrigen Christentum ab.

Während des 7. Jahrhunderts wurde die Macht des Byzantinischen Reiches von den aus Persien kommenden Sassaniden herausgefordert, die Ägypten 616 n. Chr. eroberten. Sie konnten zwar 628 wieder vertrieben werden, doch kurz darauf, 642, fiel das Territorium an die Araber, die mit dem Islam eine neue Religion ins Land brachten und ein neues Kapitel der ägyptischen Geschichte einläuteten.

Ägypten unter dem Kalifat
Da die koptischen Christen in Ägypten unter der religiösen Intoleranz und der starken Besteuerung durch die Byzantiner zu leiden hatten, setzten sie den arabischen Eroberern keinen nennenswerten Widerstand entgegen. Daraufhin wurde ein Vertrag mit dem Kalifat unterzeichnet, in dem sich die Ägypter zur Entrichtung einer Kopfsteuer (Jizyah) verpflichteten und die Araber im Gegenzug die religiösen Praktiken sowie das Existenzrecht und das Eigentum der Kopten anerkannten. Neben der Kopfsteuer hatte die männliche Bevölkerung (schätzungsweise sechs bis acht Millionen Menschen) die Kharaj zu bezahlen, eine Steuer, die auf landwirtschaftlich genutztes Land erhoben wurde.

Kommunalverwaltung
Die Araber führten keine Änderungen in der Verwaltung durch. Sie übernahmen von den Byzantinern das dezentrale System der Provinzgouverneure, die einem Hauptgouverneur in der Hauptstadt Alexandria unterstanden. Sie verlegten jedoch die Hauptstadt an einen zentraleren Ort, nach Fustat („das Zelt"), wenige Kilometer südlich des heutigen Kairo.

Die nächsten zwei Jahrhunderte wurde Ägypten von Gouverneuren regiert, die durch den Kalifen (Führer der Muslimgemeinschaft) ernannt wurden. Bei diesem System wechselten sich großzügige Herrschaft mit Phasen religiöser Unterdrückung ab. Die Einwanderung arabischer Stämme und die Verdrängung der koptischen Sprache durch das Arabische führte schließlich zu einer langsamen Arabisierung des Koptisch sprechenden, christlichen Ägyptens in ein größtenteils islamisches, Arabisch sprechendes Land. Das Koptische wurde zur Sprache der Liturgie.

Interne Auseinandersetzungen
Unter den Abbasiden-Kalifen wurden die Gouverneure immer nur für kurze Zeit ernannt. Es kam zu einer Reihe von Aufständen, die durch Konflikte zwischen zwei muslimischen Gruppierungen entstanden, die sich hier niedergelassen hatten: die orthodoxe Mehrheit der Sunniten und die Minderheit der Schiiten. Mehrmals erhoben sich auch die Kopten, um gegen die übermäßige Besteuerung zu protestieren. Solche Aufstände wurden vonseiten der Regierung meist mit Repression und Verfolgung beantwortet. Die innere Lage verschlechterte sich gegen Ende des 8. Jahrhunderts so sehr, dass sich eine Gruppe neuer Einwanderer aus Andalusien mit einem arabischen Stamm verbündete und Alexandria belagerte. Die Belagerung wurde so lange aufrechterhalten, bis ein Heer aus Bagdad eintraf und die Aufständischen nach Kreta vertrieb. Die Aufstände der Kopten hielten an, bis es dem Kalifen Abdullah al-Mamun mit Hilfe einer türkischen Armee gelang, die Revolten 832 niederzuschlagen. Skrupellose Gouverneure beuteten die Bevölkerung rücksichtslos aus. Das einzige Bollwerk gegen diese Unterdrückung war der Kadi, der höchste Richter der religiösen Gerichtsbarkeit, der das heilige Gesetz der Scharia bei Machtmissbrauch und Habgier der Gouverneure anwendete. Der Handel blühte, und Fustat wurde ein wichtiger Warenumschlagplatz.

Abfolge autonomer Dynastien
Ab 856 ließ das Kalifat von Bagdad die Herrschaft über Ägypten durch eine türkische Militäroligarchie ausüben. 868 kam der 33-jährige Türke Ahmad Ibn Tulun als Gouverneur ins Land. Tulun verschaffte Ägypten den Status einer autonomen Provinz, die mit den Abbasiden nur mehr durch die Zahlung einer geringen jährlichen Tributleistung verbunden war. Er gründete nördlich von Fustat die Stadt El Katai („die Bezirke"). Unter seiner Führung kam Ägypten zu neuem Wohlstand und konnte seine Grenzen bis nach Syrien ausdehnen. Die Tuluniden-Dynastie herrschte 37 Jahre lang über ein Reich, das Ägypten, Palästina und Syrien umfasste.

Dynastie der Fatimiden
Nach dem Niedergang der Tuluniden fiel das Land in Anarchie und wurde 969 von den Fatimiden erobert, einer Schiiten-Dynastie, die sich 909 von der Autorität der Abbasiden gelöst und in Tunesien ein eigenes Kalifat gegründet hatte. Mitte des 10. Jahrhunderts kontrollierten sie den größten Teil Nordafrikas. Sie gründeten nördlich von Fustat eine neue Stadt, Kairo, und machten sie zur Hauptstadt ihres Reiches.

Fustat, eine Großstadt mit einem hervorragenden Abwassersystem, blieb jedoch auch unter den Fatimiden das Handelszentrum des Landes. Ägypten erlebte eine Periode der Ruhe und des Wohlstands.

Unter den schiitischen Fatimiden lebten Schiiten und Sunniten friedlich zusammen. Zu dieser Zeit wurde auch die älteste Universität der Welt, die Al-Azhar-Universität, gegründet. Kairo entwickelte sich immer mehr zu einem geistigen Zentrum.

Dynastie der Aijubiden
Die Zeit relativer Ruhe endete unter der Regierung der späteren Fatimidenherrscher. Es kam zu Revolten in den Regimentern, die sich aus Berbern und Sudanesen zusammensetzten. 1065 sorgte ein Niedrigwasser des Nil für eine große Hungerkatastrophe. Durch den 1. Kreuzzug, der zur christlichen Herrschaft über Syrien und Palästina geführt hatte, war eine neue Bedrohung entstanden. Die Fatimidenkalifen wandten sich an Nur ad-Din von Aleppo, der ihnen 1168 eine Armee zur Unterstützung gegen die christlichen Kreuzfahrer schickte. Saladin, einer der Generäle Nur ad-Dins, wurde als Wesir eingesetzt. 1171 vertrieb er die Fatimiden, gründete die Aijubiden-Dynastie und stellte die Herrschaft der Sunniten in Ägypten wieder her. Saladin eroberte den größten Teil Syriens und Palästinas von den Kreuzfahrern zurück und wurde zum mächtigsten Herrscher des Vorderen Orients. Seinem Neffen Sultan al-Kamil (Regierungszeit 1218-1238) gelang es in den Jahren 1218 bis 1221 Angriffe der Christen zurückzuschlagen. Doch nach seinem Tod war die Macht der Aijubiden im Niedergang begriffen. Der 6. Kreuzzug, angeführt von König Ludwig IX. von Frankreich, konnte 1249 mit Hilfe der Mamelucken abgewehrt werden. Bei den Mamelucken handelte es sich um Militärsklaven in Diensten der Aijubiden, die im Jahr darauf die Aijubiden stürzten und eine eigene Dynastie begründeten.

Mameluckenherrschaft
Die erste Mamelucken-Dynastie der Bahriten herrschte bis 1382 über das Sultanat Ägypten. Die Erbfolge wurde häufig missachtet, und der Thron wurde von den mächtigen Emiren (militärische Befehlshaber) beansprucht. Zu den zahlreichen bedeutenden Herrschern gehörten Baibars I., der den Vormarsch der Mongolen nach Syrien und Ägypten 1260 stoppte. Die Mamelucken konnten zwei weitere Mongoleninvasionen zurückschlagen. Es gelang ihnen auch, die Kreuzfahrer aus der Region zu vertreiben und Akko, den letzten christlichen Stützpunkt in Palästina, 1291 einzunehmen. Gegen Ende des 13. und zu Beginn des 14. Jahrhunderts reichten die Grenzen des Mameluckenreiches im Norden bis nach Kleinasien.

Während der Herrschaft der Mamelucken kam es zu einer Blüte der Kunst. Daneben wurde der Handel ausgeweitet; die ägyptischen Gewürzhändler, die Karimi, waren die Fürsten unter den Händlern und galten neben den Emiren als große Förderer der Kunst.

Nach dem Tod des letzten großen Bahritensultans al-Nasir 1341 begann der Niedergang des Mameluckenreiches. 1348 kam es wegen einer Pestepidemie zu einem drastischen Bevölkerungsrückgang.

Die 2. Dynastie der Mameluckensultane, die Burdjiten, waren tscherkessischer Abstammung, sie herrschten zwischen 1382 und 1517. Die Zeit der Burdjitenherrscher war geprägt durch ständige Machtkämpfe unter den Führungseliten. Aber trotz der Aufstände und inneren Unruhen blieben die Mamelucken in Ägypten und Syrien an der Macht. Es gelang ihnen, alle Invasionen zurückzuschlagen. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts gerieten sie dagegen unter Druck des Osmanischen Reiches, das seinen Machtbereich kontinuierlich ausdehnte. 1517 marschierte schließlich der osmanische Sultan Selim I. in Ägypten ein und eroberte es.

Türkenherrschaft
Obwohl die Herrschaft der Osmanen über Ägypten nur bis zum 17. Jahrhundert dauerte, war das Land offiziell bis 1915 Bestandteil des Osmanischen Reiches. Die Mamelucken wurden nicht vertrieben, sondern sie wurden in der Verwaltung eingesetzt. Die Osmanen stellten einen Gouverneur und stationierten sechs Ocaks (Regimenter) in Ägypten. Die ländlichen Gebiete wurden als Kronländer betrachtet und in Parzellen – so genannte Iqta – aufgeteilt, deren Ertrag an die osmanische Elite abgeführt werden musste.

Wiederaufstieg der Mamelucken
Nach der Entdeckung des Seeweges nach Indien verfiel der Wohlstand des Landes. Es kam zu erbitterten Verteilungskämpfen unter den Ocaks um die Güter des Landes. Dabei büßten sie an Macht ein. Diesen Umstand nutzten die Mamelucken umgehend, Mitte des 17. Jahrhunderts hatten die auch Beis genannten Mameluckenemire ihre Vorherrschaft sichergestellt. Sie teilten die Bodensteuern untereinander auf und besteuerten die städtischen Zünfte, die mit den Ocaks verbündet waren, um den Einfluss der Osmanen einzuschränken und die Einnahmen zu erhöhen. Die Osmanen gaben sich mit dem System zufrieden, solange die Tributleistungen pünktlich eingingen.

Die Macht des osmanischen Gouverneurs sank, und der führende mameluckische Bei, Scheich al-Balad, galt als wahrer Herrscher des Landes. Die Beis erhöhten die Steuern, um ihre Kriegszüge nach Syrien und Arabien zu finanzieren. Die Mamelucken herrschten in Ägypten bis zum Jahr 1798. Die letzten 30 Jahre des 18. Jahrhunderts waren gekennzeichnet von Seuchen und Hungersnöten.

Die Zeit Mehmed Alis
Die französische Besetzung Ägyptens 1798 durch Napoleon Bonaparte bildete nur ein kleines Zwischenspiel in der Geschichte Ägyptens. Die Kornkammern Oberägyptens blieben in der Hand der Mamelucken. Die Invasion Napoleons scheiterte trotz einiger Siege über türkische und mameluckische Heere, markierte aber den Beginn eines neu erwachten Interesses europäischer Mächte an Ägypten. 1801 wurden die Franzosen durch englisch-osmanische Truppen vertrieben. Auseinandersetzungen zwischen Mamelucken und Osmanen um die Vorherrschaft ruinierten das Land, bis Mehmed Ali, ein osmanischer Offizier albanischer Abstammung, mit Unterstützung der einheimischen Bevölkerung die Macht übernahm. 1805 machte ihn der osmanische Sultan zum Gouverneur von Ägypten.

Mehmed Ali gelang es, all seine politischen Gegner auszuschalten, bis er schließlich unumschränkter Herrscher des Landes war. Um die Kontrolle über sämtliche Handelsrouten nach Ägypten zu erhalten, führte er zahlreiche Eroberungskriege. Zunächst eroberte er Al-Hijaz (auf dem Territorium des heutigen Saudi-Arabien) 1819, dann zwischen 1820 und 1822 das Territorium der heutigen Republik Sudan. 1824 unterstützte er den osmanischen Sultan bei der Niederschlagung einer Revolte in Griechenland. Die europäischen Mächte intervenierten jedoch, um den Vormarsch der Ägypter in Griechenland zu stoppen, und Mehmed Ali war gezwungen, seine Truppen zurückzuziehen.

In seinem Land förderte Mehmed Ali die Baumwollproduktion für die Spinnereien in Europa und verwendete die Profite für den Aufbau einer Industrie. Er errichtete Handelsbeschränkungen, um die heimische Industrie zu schützen. Er schickte die jungen Ägypter zum Studium ins Ausland und warb europäische Spezialisten zur Ausbildung des Militärs und zum Aufbau der Industrie an.

1831 marschierten die Truppen Mehmed Alis und seines Sohnes Ibrahim Pascha in Syrien ein. Dadurch kam es zum Konflikt mit den Osmanen. Die Ägypter besiegten die osmanischen Truppen und bedrohten 1833 Istanbul, die Hauptstadt des Osmanischen Reiches. Wieder intervenierten Russland, Großbritannien und Frankreich, diesmal aufseiten des Sultans. Die Truppen Mehmed Alis zogen sich zurück, doch er behielt die Macht über Syrien und Kreta.

Diese Expansion und die damit verbundene Kontrolle über wichtige Handelswege brachte Ägypten in Konflikt mit Großbritannien, das ein wachsendes Interesse am Nahen Osten als Absatzmarkt für seine Industrieprodukte hatte. Zudem wollte Großbritannien eine Schwächung des Osmanischen Reiches verhindern, damit Russland seinen Einflussbereich nicht bis zum Mittelmeer ausdehnen konnte. Aus diesem Grund griffen die Briten 1839 auf der Seite der Osmanen ein, als Mehmed Ali gegen die osmanische Vorherrschaft rebellierte. Man bot ihm den erblichen Titel des ägyptischen Herrschers an, wenn er im Gegenzug türkischer Vasall blieb und auf weitere Eroberungen verzichtete.

Staatsbankrott und Fremdherrschaft
Nach dem Tod Mehmed Alis 1849 geriet Ägypten immer mehr unter europäischen Einfluss. Sein vierter Sohn Said Pascha unternahm den Versuch, die Regierung zu modernisieren, hinterließ bei seinem Tod aber einen gewaltigen Schuldenberg. Sein Nachfolger Ismail Pascha vergrößerte die Staatsverschuldung zusätzlich, indem er von europäischen Banken hohe Kredite in Anspruch nahm, um die Entwicklung des Landes voranzutreiben und den Suezkanal zu finanzieren, der 1869 für die Schifffahrt eröffnet wurde. Diese Herrscher trieben das Land in den Bankrott und machten es letztlich von den britischen und französischen Geldgebern abhängig. 1876 übernahm eine britisch-französische Kommission die Verantwortung für die ägyptischen Staatsfinanzen, und 1879 wurde Ismail zugunsten seines Sohnes Tawfik Pascha abgesetzt. Um der Fremdherrschaft ein Ende zu setzen, verübten Offiziere einen Staatsstreich. Tawfik rief daraufhin die Briten um Hilfe, die Ägypten 1882 besetzten.

Ägypten unter britischer Vorherrschaft
Für die Briten war Ägypten interessant geworden, da die Route über den Suezkanal den Seeweg nach Indien erheblich verkürzte. Die Zusicherung, das Land zu verlassen, sobald Ruhe und Ordnung wieder hergestellt sind, wurde gebrochen; die britische Armee hielt das Land bis 1954 besetzt. Tawfik blieb zwar auf dem Thron, die tatsächliche Macht im Staat lag aber beim britischen Generalkonsul. Der erste und bedeutendste Generalkonsul war Sir Evelyn Baring (der nach 1892 als Lord Cromer bekannt wurde).

Zur Zeit des Wechsels vom 19. zum 20. Jahrhundert unterstützte Tawfiks Nachfolger Abbas II. eine von dem Juristen Mustafa Kamil angeführte nationalistische Bewegung. Kamil trat für Selbstverwaltung und eine Beendigung der britischen Besatzung ein.

Die ägyptische Landwirtschaft war damals so sehr auf die Baumwollproduktion für die Spinnereien im englischen Lancashire ausgerichtet, dass man zur Ernährung der Bevölkerung Getreide einführen musste. Um die landwirtschaftliche Anbaufläche zu vergrößern, wurden Bewässerungsprojekte durchgeführt, und im Lauf der Zeit konnten sämtliche Staatsschulden an die Briten zurückgezahlt werden.

Das Versprechen der Briten, sich zurückzuziehen, wurde nicht eingehalten, denn der Suezkanal wurde zum Kernstück der britischen Verteidigungspolitik im Mittelmeer. Die Besatzung wurde 1904 sogar international gebilligt, als Frankreich die britischen Rechte in Ägypten anerkannte, während die Briten im Gegenzug die französischen Rechte in Marokko anerkannten.

Ägypten als britisches Protektorat
Der Ausbruch des 1. Weltkrieges 1914 beendete zunächst den nationalen Widerstand gegen die Vorherrschaft der Briten in Ägypten. Als die Türkei aufseiten Deutschlands in den Krieg eintrat, erklärte Großbritannien Ägypten zu einem Protektorat und setzte Abbas II. zugunsten seines Onkels Hussein Kamil ab.

1918 wuchs der Widerstand der ägyptischen Bevölkerung gegen die britische Fremdherrschaft.

Formelle Unabhängigkeit und Monarchie
Die Zusagen der Alliierten, dass man den Territorien des früheren Osmanischen Reiches Selbstverwaltung zugestehen würde, nährte die Hoffnung der Ägypter auf Unabhängigkeit nach dem Krieg. 1918 bildete sich der Wafd („Delegation"), eine nationale Bewegung, die den Einfluss der Briten zurückdrängen wollte. Diese Hoffnungen zerschlugen sich jedoch, als sich die Briten weigerten, die Forderungen der Ägypter anzuerkennen, und den Wafdführer Saad Zaghlul des Landes verwiesen. Es kam zu Aufständen und blutigen Auseinandersetzungen, die bis 1922 dauerten. Ägypten wurde formell eine unabhängige Monarchie unter König Fuad I. (dem Nachfolger Sultan Husseins). Die Briten behielten sich jedoch das Recht vor, in die inneren Angelegenheiten Ägyptens einzugreifen, sofern sie ihre Interessen gefährdet sahen. Damit verweigerten sie den Ägyptern eine echte Unabhängigkeit, und die britische Herrschaft blieb de facto erhalten.

1936 kam es schließlich unter dem Eindruck der italienischen Invasion in Abessinien (siehe Italienisch-Äthiopischer Krieg) zum Abschluss eines britisch-ägyptischen Vertrags. Die Besetzung des Landes durch britische Truppen und deren Einmischung in innere Angelegenheiten des Staates blieb aber bestehen.

Der Staatsstreich von 1952
Während des 2. Weltkrieges fanden keine politischen Verhandlungen statt. Nach Kriegsende zogen sich die Briten aus Ägypten zurück, nur im Gebiet um den Suezkanal blieben sie mit Truppen präsent.

1948 kam es zum 1. Arabisch-Israelischen Krieg. Ägypten und andere arabische Staaten versuchten, die Entstehung des Staates Israel zu verhindern, erlitten jedoch eine Niederlage. 1952 gelang einer Gruppe von Offizieren ein Staatsstreich, König Faruk I. wurde abgesetzt, und Ägypten wurde 1953 zur Republik erklärt.

Die Ära der Republik
Der erste Präsident der Republik wurde General Muhammad Nagib. Die eigentliche Macht lag jedoch bei Gamal Abd el-Nasser und dem Revolutionsrat, der sich aus Offizieren zusammensetzte, die an dem Putsch beteiligt waren. Im April 1954 wurde Nasser Premierminister. Im November desselben Jahres wurde Nagib seines Amtes enthoben, und Nasser übernahm die gesamte Exekutivgewalt. Im Juli 1956 wurde er offiziell zum Präsidenten gewählt.

Die Ära Nasser
Nasser verfolgte zunächst eine prowestliche Politik und erreichte nach erfolgreichen Verhandlungen 1954 den endgültigen Abzug der britischen Truppen aus Ägypten. Bald aber betrieb er eine Politik der Neutralität und Solidarität mit anderen afrikanischen und asiatischen Nationen und wurde ein Verfechter der arabischen Einheit.

Die Suezkrise
Da die westliche Welt Ägypten keine Waffen verkaufen wollte, wandte sich Nasser an den Ostblock. Im Gegenzug wies die Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (Weltbank) den Antrag Ägyptens auf einen Kredit zur Finanzierung des Assuan-Hochdammes ab. Daraufhin verstaatlichte Nasser den Suezkanal und versuchte den Damm über die Einnahmen aus dem Kanal zu finanzieren. Dadurch wurde der Suezkrieg ausgelöst. Großbritannien und Frankreich, die beiden Hauptaktionäre des Kanals, griffen 1956 in Kooperation mit Israel Ägypten an. Auf Druck der USA und der UdSSR wurden die drei Staaten zum Rückzug aus ägyptischem Territorium gezwungen, und es wurden UNO-Friedenstruppen in das Gebiet entsandt. Siehe auch Suezkrise

Um seinen Traum von der arabischen Einheit zu verwirklichen, setzte Nasser 1958 den Zusammenschluss Syriens und Ägyptens unter der Bezeichnung Vereinigte Arabische Republik (VAR) durch. Obwohl diese Republik nach nur drei Jahren wieder auseinander brach, behielt Ägypten den offiziellen Namen der Republik noch mehrere Jahre bei.

Arabischer Sozialismus
Nasser führte das Einparteiensystem ein, abgesehen von der Einheitspartei Arabische Sozialistische Union (ASU) waren politische Parteien verboten. Eine Reihe von Gesetzen begrenzte den maximal zulässigen Grund- und Bodenbesitz und beschnitt den Einfluss der Großgrundbesitzer. 1961 wurden das investierte Auslandskapital und regionale Industriebetriebe verstaatlicht. Diese neue Ordnung, die Nasser als „arabischen Sozialismus" bezeichnete, zielte auf eine größere soziale Gerechtigkeit und wirtschaftliches Wachstum ab.

Die Kriege der sechziger Jahre
1962 wurde Ägypten in den Bürgerkrieg im Jemen verwickelt und unterstützte die Republikaner gegen die Monarchisten. 1967 sperrte Nasser die Meerenge von Tiran für israelische Schiffe und verlangte den Abzug der UNO-Truppen. Die Israelis, die davon ausgingen, dass Nasser einen Krieg vorbereiten wollte, schlugen zuerst zu und zerstörten die ägyptischen Flugplätze und Stützpunkte auf dem Sinai. Die israelischen Streitkräfte rückten bis zum Suezkanal vor. Dieser so genannte Sechstagekrieg brachte Israel in den Besitz der gesamten Sinai-Halbinsel. Der UNO-Sicherheitsrat erließ daraufhin die Resolution 242, in der die „Unzulässigkeit der Aneignung von Gebieten infolge kriegerischer Auseinandersetzungen" betont und Israel zum Rückzug aus den besetzten Gebieten aufgefordert wurde. Doch die Halbinsel Sinai blieb weiterhin besetzt. Nachdem die Verhandlungen ergebnislos verlaufen waren, wandte sich Nasser an die UdSSR, die Ägypten militärisch unterstützte und im Gegenzug in Ägypten einen Flottenstützpunkt errichten durfte.

Nach dem Tod Nassers 1971 trat sein langjähriger Vizepräsident Anwar as-Sadat seine Nachfolge an.

Die Ära Sadat
Der neue Präsident ließ politische Häftlinge frei, die als Oppositionelle unter Nasser inhaftiert worden waren, und betrieb eine Politik der wirtschaftlichen und politischen Liberalisierung, auch der Presse, die unter Nasser mit Zensur belegt war.

Jom-Kippur-Krieg
Das Verhältnis zu Israel blieb gespannt. Sadat versuchte über Verhandlungen einen Weg aus dieser Sackgasse zu finden. Als die Verhandlungen keinen Erfolg brachten, bereitete er einen neuen Schlag gegen Israel vor. Zunächst verbesserte er die Beziehungen zu den arabischen Staaten, insbesondere zu Saudi-Arabien, das Waffenkäufe aus der Sowjetunion finanzierte. Am 6. Oktober 1973, dem jüdischen Feiertag Jom Kippur und während des Fastenmonats Ramadan, begannen die Ägypter einen massiven Luft- und Artillerieangriff auf die andere Seite des Suezkanals und lösten damit den Jom-Kippur-Krieg aus. Innerhalb weniger Stunden hatten Tausende ägyptischer Soldaten den Kanal überquert und waren auf die Sinai-Halbinsel gelangt. Unter einem Raketenschutzschirm, der die israelische Luftwaffe ausschaltete, überrannten sie eine Reihe israelischer Festungsanlagen, die so genannte Bar-Lev-Linie. Israel war völlig unvorbereitet. Mitte des Monats gelang es den Israelis jedoch, die Initiative zurückzugewinnen und ägyptische Einheiten in den Außenbezirken von Suez einzukesseln. Die Vereinten Nationen veranlassten eine Waffenruhe, und schließlich wurde eine von UNO-Truppen sichergestellte Waffenstillstandslinie zwischen den ägyptischen und den israelischen Streitkräften vereinbart.

Annäherung an Israel
Auch wenn Ägypten den Krieg nicht gewinnen konnte, wurden doch die Grenzen des Jahres 1967 erneut in Frage gestellt, und Ägypten gewann wieder Kontrolle über den Suezkanal nicht zuletzt aufgrund der Politik des amerikanischen Außenministers Henry A. Kissinger. In den Jahren 1974 und 1975 vereinbarten Ägypten und Israel unter Vermittlung Kissingers Verträge über den Truppenabbau auf der Sinai-Halbinsel. Im Juni 1975 beendete Ägypten die Sperrung des Suezkanals und genehmigte die Durchfahrt für Schiffe, die Waren für Israel geladen hatten. Israel zog sich hinter strategische Linien zurück und gab einige der Ölfelder auf der Sinai-Halbinsel auf.

Mittlerweile verschlechterte sich die wirtschaftliche Situation in Ägypten. Zu Beginn des Jahres 1976 war das Land mit geschätzten vier Milliarden US-Dollar bei der UdSSR verschuldet. Im darauf folgenden Jahr forderte Sadat völlig überraschend die sowjetischen Militärberater zum Verlassen des Landes auf und begann eine Annäherung an die USA. Er erklärte, sie allein besäßen den Schlüssel zum Frieden im Nahen Osten. Bei seinem Staatsbesuch in Israel am 19. November 1977 unterbreitete Sadat in der Knesset (dem israelischen Parlament) ein Friedensangebot. Dieser historischen Reise folgten weitere Verhandlungen unter Beteiligung der USA. Bei einer trilateralen Konferenz in Camp David im US-Bundesstaat Maryland unter der Leitung des US-Präsidenten Jimmy Carter im September 1978 einigten sich Sadat und der israelische Premierminister Menachem Begin auf die Rahmenbedingungen für eine Lösung der israelisch-ägyptischen Spannungen. Am 26. März 1979 wurde zwischen beiden Staaten in Washington auf der Grundlage der Vereinbarungen von Camp David ein Friedensvertrag geschlossen.

Ermordung Sadats
Ägypten wurde wegen seines Separatfriedens mit Israel von der gesamten übrigen arabischen Welt scharf kritisiert. Unter den radikaleren arabischen Führern galt Sadat als Verräter an der arabischen Sache. Ägypten erhielt allmählich die Sinai-Halbinsel zurück, aber bei den späteren ägyptisch-israelischen Gesprächen über die Palästinenserfrage wurden kaum Fortschritte erzielt. Ägypten wurde wegen des Friedensvertrags aus der Arabischen Liga ausgeschlossen (1979), und der Sitz der Organisation wurde von Kairo in die tunesische Hauptstadt Tunis verlegt. 1989 wurde Ägypten wieder aufgenommen, und im folgenden Jahr wurde Kairo wieder Sitz der Organisation.

Bis zum Jahr 1981 musste sich Sadat auch mit einer immer größeren Opposition im eigenen Land auseinander setzen. Insbesondere die muslimischen Fundamentalisten waren gegen die Einigung mit Israel. Sadat reagierte schließlich, indem er Hunderte von Oppositionellen festnehmen ließ und eine Pressezensur einführte. Am 6. Oktober 1981 wurde er während einer Militärparade zum Gedenken an den Jom-Kippur-Krieg von Extremisten in Reihen seiner Leibgarde ermordet.

Ägypten unter Mubarak
Nachfolger Sadats wurde der bisherige Vizepräsident Hosni Mubarak. Er hielt sich an die Abmachungen von Camp David und sorgte für eine politische Liberalisierung des Landes und für bessere Beziehungen zu den anderen arabischen Staaten. Am 25. April 1982 war der israelische Rückzug von der Sinai-Halbinsel abgeschlossen. Im Januar 1984 nahm Ägypten eine Einladung zur Teilnahme an der Islamischen Konferenz an. Im April desselben Jahres erhielt die regierende Nationaldemokratische Partei bei den ersten ägyptischen Parlamentswahlen unter Mubarak 87 Prozent der Stimmen. Nach der Auflösung der Volksversammlung aufgrund eines Referendums im Februar 1987 wurden Neuwahlen ausgeschrieben. Zwar konnte die Nationaldemokratische Partei 338 von insgesamt 448 Sitzen gewinnen, aber dennoch verzeichnete die Muslimbruderschaft große Stimmengewinne. In einem Referendum im Oktober 1987 wurde Mubarak als Präsident bestätigt. Nachdem sich Ägypten im Golfkrieg (1991) der von den USA angeführten Koalition gegen den Irak angeschlossen hatte, wurden dem Land etwa die Hälfte der Auslandsschulden in Höhe von 20,2 Milliarden US-Dollar erlassen, der Rest wurde umgeschuldet.

1992 begannen muslimische Fundamentalisten mit Übergriffen auf Regierungsbeamte, koptische Christen, Touristen und unverschleierte Frauen. Ziel war es, die Regierung Mubarak zu stürzen und eine Regierung auf der Grundlage der strengen islamischen Gesetze zu errichten. Aufgrund dieser Übergriffe sanken zwischen 1992 und 1993 die Einkünfte aus dem Tourismus um 42 Prozent. Die Regierung ging hart gegen muslimische Extremisten vor und verhängte 1993 gegen 29 von ihnen die Todesstrafe. Bei den Wahlen im Oktober 1993 wurde Mubarak für eine dritte Amtsperiode als Präsident bestätigt. Die Gewalttaten islamischer Fundamentalisten gegen Touristen hielten auch 1994 an. Am 14. Oktober desselben Jahres wurde der Literaturnobelpreisträger Nagib Mahfus von Anhängern einer militanten Untergrundbewegung schwer verletzt. Die Attentäter wurden am 29. März 1995 hingerichtet. Am 26. Juni entging Präsident Mubarak während eines Besuchs im äthiopischen Addis Abeba nur knapp einem Attentat. Im Januar 1996 wurde Kamal Ahmed al-Gansuri neuer Ministerpräsident von Ägypten. Die Anschläge militanter Islamisten auf öffentliche Einrichtungen und Touristen hielten an. Besonders schwere Zwischenfälle ereigneten sich im April 1996 und im September 1997 in Kairo sowie im November 1997 in Luxor; bei diesen Anschlägen starben jeweils mehrere Menschen. Die Regierung beantwortete diese Aktionen mit Massenverhaftungen von Islamisten und verhängte gegen einige von ihnen Todesurteile.

Weiterhin sehr ernst nimmt Ägypten seine Rolle als Vermittler im Nahostkonflikt. So legten führende Politiker im Juni 1997 ein Kompromisspapier vor, das die Wiederaufnahme der für mehrere Monate unterbrochenen Friedensgespräche ermöglichte.

Staatspräsident Mubarak wurde am 26. September 1999 durch ein Plebiszit im Amt bestätigt und trat seine vierte sechs Jahre dauernde Amtsperiode an. Bei einer Wahlbeteiligung von knapp 80 Prozent erhielt er annähernd 94 Prozent der Stimmen. Mubarak versprach Wirtschaftsreformen sowie die Bekämpfung von Korruption und Menschenrechtsverletzungen.

"Ägypten," Microsoft® Encarta® Online Encyclopedia 2001
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